Theater und Orchester Heidelberg
Foto Kalle Kuikkaniemi

Tanz

Bacon

von Nanine Linning

    Sa 08.04.2017, 17.00 Uhr, ca. 1 Stunde Zwinger¹+

Er malte die Abgründe der menschlichen Seele: der britische Maler Francis Bacon. Die Beziehungen zugrunde liegenden Mechanismen von Begehren, Dominanz und Ausgrenzung stellte er auf eine schonungslos ehrliche Weise dar, die von schmerzhafter Schönheit zeugt.
Nanine Linning ergründet mit ihrem Stück die Gefühlswelten der Bilder Bacons und entdeckt in der Kompromisslosigkeit der Darstellung auch eine Analogie zur eigenen Kunst: »Mich interessiert das Tierische, das Instinkthafte. Ich fordere meine Tänzer auf, ihre eigenen Grenzen zu überschreiten.« Mit exzessiver Körperlichkeit erforscht die Choreografie fundamentale Verhaltensmuster, die mit ihrer Archaik und Unbarmherzigkeit die Grenzen zwischen menschlichem und animalischem Gebaren verschwimmen lassen. Aus beinahe beunruhigender Nähe wird der Zuschauer Zeuge des Kampfes des Einzelnen um Zugehörigkeit − ein Solo gleich einem Schrei aus der Isolation. Physisch erfahrbar wird das Ringen um Überlegenheit in Duetten von ergreifender Intensität und einem Trio, dessen untrennbare Verbundenheit keinerlei Harmonie zulässt.
Der Darstellung fundamentaler Verhaltensweisen steht in Bacons Kunst das Geheimnis um das gegenüber, was das Bild nicht zeigt, allenfalls andeutet – die verborgene Seite des Portraits, der Raum hinter dem Bild. Auch Linnings Szenerie spielt mit diesen Dunkelstellen, wie auch mit den charakteristischen geometrischen Strukturen in Bacons Gemälden, die die Figuren zu umgrenzen scheinen.
Zutiefst faszinierend und erschütternd zugleich kehrt das unter anderem mit dem »Swan« für die beste niederländische Choreografie ausgezeichnete Stück zwölf Jahre nach seiner Entstehung in einer aktuellen choreografischen Bearbeitung und mit neuem Video- und Lichtdesign auf die Bühne zurück.

An ausgewählten Vorstellungsterminen findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch mit Choreografin Nanine Linning und Tänzern im Zwinger statt, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Die Publikumsgespräche finden statt am 20. und 21. März sowie am 06., 08. (nach der 17-Uhr-Vorstellung), 13. und 23. April (nach der 19-Uhr-Vorstellung) sowie am 29. Mai.

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Bacon

Trailer von Juliane Noß

Pressestimmen

  • »Höchst verdient« sei der Jubel bei der Premiere gewesen, so urteilt Ralf-Carl Langhals im Mannheimer Morgen (20.03.2017). Die Tänzerinnen und Tänzer lieferten »hervorragende Farben, Strukturen und Nuancen für Bacons Welten« und Nanine Linning habe in dieser »reduzierten wie konzentrierten Arbeit« ihre choreografischen Stärken wie die »Originalität der Körpersprache« und die Arbeit mit Spannung und »Überraschungsmomenten« klar aufzeigen können. Linning liefere keine Nacherzählung von Bacons Leben sondern spiele »treffsicher« auf dessen Gemälde und seine »hintergründige Sicht auf das Individuum« an. Gezeigt werde »große choreographische und tänzerische Kunst« bei der die Choreografin selbst male: »Mit Körpern. Mit Licht.«

     

    Auch die Rezensentin der Rhein-Neckar-Zeitung (20.03.2017), Isabelle von Neumann-Cosel, meint, Nanine Linning suche eine »Begegnung auf Augenhöhe« mit Francis Bacon und würde hier selbst ein »choreografisches Gemälde« mit »vielen direkten und indirekten optischen Anspielungen« auf den Maler und Namensgeber des Abends entwerfen. »Absolut gleichberechtigt raubtierhaft« gingen die drei weiblichen und die drei männlichen Tänzer »aufeinander los«, es sei »nie eindeutig«, wer Opfer und wer Täter sei und »dieses gegenseitige Umkreisen in längeren Duos« entfalte »ganz nebenbei auch eine attraktive Ästhetik«.

     

    Als ein »intensives Abenteuer« erlebte Hanswerner Kruse für die Fuldaer Zeitung (12.04.2017) das neuchoreografierte Stück von Nanine Linning. Die Tänzer geben »physisch und psychisch alles«, zeigen sich »verwundbar« und »nackt«. »Fast völlig reduziert auf die Bewegungsaktionen« des Ensembles gelingt es der Choreografin, »ein bewegendes Pandämonium der gegenwärtigen Welt zu erschaffen«.

     

    Für SWR2 sprach Annette Lennartz mit der Choreografin und besuchte eine Probe zu Bacon. Ihren Beitrag, gesendet am 16.03.2017 im Programm Kultur Regional des SWR2, können Sie hier nachhören oder im Online-Angebot des SWR nachlesen.

     

    Für das Kulturmagazin »Kunscht!« begleitete ein Team des SWR-Fernsehens Proben und Trainings zu Bacon und sprach Nanine Linning und den Tänzern. Den Beitrag von Sabine Willkop, gesendet am 16.03.2016 im SWR-Fernsehen, können Sie im Online-Angebot des SWR ansehen.
    Dort finden Sie auch ein ausführlicheres Online-Special.

Partner und Sponsoren

  • Unterstützt wird die Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg durch Marc Lauer und das Team von PLÖCKPHYSIO.

  • Wir danken Herrn Wolfgang Marguerre für die großzügige Unterstützung der Tanzsparte des Theaters und Orchesters Heidelberg

  • Offizieller Fitness- und Gesundheitspartner