Theater und Orchester Heidelberg
Foto Sebastian Bühler

Schauspiel

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

    PremiereFr 29.09.2017, 19.30–21.40 Uhr 18.45 Uhr Einführung Marguerre-Saal+

Mitarbeit Ruth Berlau und Margarete Steffin
Die Musik von Paul Dessau wurde arrangiert von Klaus von Heydenaber

Mit englischen Übertiteln nach der Übertragung von John Willett.
All performances are shown with English surtitles.

Drei Götter wollen in der chinesischen Provinz Sezuan beweisen, dass es noch Menschen guten Herzens gibt. Aber niemand erkennt sie. Alle, die leicht teilen könnten, weil sie es sich leisten können, lehnen es ab, den drei Unbekannten Unterschlupf zu gewähren, nur die arme Prostituierte Shen Te nimmt sie auf. Als sie ihre Geldsorgen offenbart, bezahlen die Götter sie mit einem kleinen Vermögen. Die unverhofft Beschenkte ist überwältigt und verspricht, sich nur noch gut zu verhalten, und kauft einen kleinen Tabakladen. Zunehmend nutzen Schmarotzer Shen Tes Gutmütigkeit aus und sie macht Schulden. Angesichts der harten Realität kann sie nicht gut bleiben. Sie schlüpft in die Rolle des Vetters Shui Ta, der rücksichtslos wirtschaftet und den kleinen Laden zu einem florierenden Unternehmen ausbaut. Doch lange kann sie ihre eigene Abwesenheit nicht geheim halten. Muss der Anspruch der Götter, »gut zu sein und doch zu leben«, in dieser Welt scheitern?
Der ungarische Regie-Star Victor Bodo kommt zum dritten Mal an den Neckar, um Brechts Parabel mit der wunderbaren Musik von Paul Dessau auf die Bühne zu bringen. In den Rollen der Götter sind drei ungarische Schauspieler aus dem Ensemble des Budapester József-Katona-Theaters zu erleben.

Termine

Fr 1 Dezember
19.30–21.40 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

Sa 2 Dezember
19.30–21.40 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

Weitere Termine
Do 28 Dezember
19.30–21.40 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

Do 25 Januar
19.30–21.40 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

Sa 27 Januar
19.30–21.40 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

So 28 Januar
19.00–21.10 Uhr > Marguerre-Saal | 18.15 Uhr Einführung

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht

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Der gute Mensch von Sezuan

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Victor Bodo ist ungeachtet seiner nüchternen Konzeption ein großer Träumer«, schreibt Alfred Huber im Mannheimer Morgen (30.09.2017). »Er versteht es famos, einzelne Figuren in Typen zu verwandeln, die uns zeigen, dass auch Gefühle ein Geschäft sind und keine Himmelsmacht.« Seine Inszenierung verrate beides: »Brechts wirklichkeitsfernen Idealismus und seinen gnadenlosen Blick auf die Realität.« Der Kritiker hebt besonders die darstellerische Leistung von Lisa Förster hervor, die »den barmherzigen Engel auch dann anmutig« spiele, »wenn sie ihr klägliches Lieben empfindsam beschreibt.«

     

    Victor Bodo rhythmisiere und stilisiere das Stück von Anfang bis zum Ende und präsentiere einen »Abend von einem hochartifiziellen Gestaltungswillen«, schreibt Volker Oesterreich in der Rhein-Neckar-Zeitung (02./03.10.2017). Besonders hebt er Klaus von Heydenabers Bearbeitung der Bühnenmusik von Paul Dessau und die »geschickten Klangeffekte von prasselndem Regen oder ploppenden Tropfen«, die »ans Sensorium der Zuschauer« appellieren, hervor. Lisa Förster sei der herausfordernden Doppelrolle Shen Te/Shui Ta »mehr als gewachsen. Hervorragend gelingt ihr der permanente Spagat zwischen gut und schlecht, weiblich und männlich, verliebt und verletzt.« »Einfach göttlich« findet er »dieses Outfit der Kostümbildnerin Ildi Tihanyi.« Sein Resümee: »Alles in allem eine runde Sache«.

     

    »Dieser ideen- und bilderreiche Abend könnte locker in die Theatergeschichte eingehen«, findet Harald Raab auf nachtkritik.de (30.10.2017). Victor Bodo »pfeift auf die reine Lehre des epischen Theaters und lässt emotionsreich agieren« und so gerate ihm »Sezuan nicht zu einem bloß historisch-geographischen Raum«. Er lasse »das komische Potential der Geschichte pointiert ausspielen« und so werde »das Tragische erst durch das Komische deutlich konturiert«. »Das Spiel im Verwirrspiel« sei gerade für die kleineren Rollen ein weites Feld für Charakterkomik«, wobei auf die epische Spezialität Brechts, auf unpersönliche Charaktermasken« verzichtet werde. Platz bleibe außerdem für die poetischen Momente, in denen etwa Shen Te ihrem Liebeserwachen Ausdruck gebe. Lisa Förster beherrsche die »Breite der Gefühlsäußerung in ihrer Prachtrolle als Shen Te äußerst facettenreich«. Die Götter »funktionieren perfekt als Verkörperung von salbadernden Ideologie-Funktionären für das Trugbild von einer heilen Welt«.

     

    Viktor Bodos Regie nehme »den großen Moralisten BB ideologisch nicht so streng«, emotional hingegen »erstaunlich ernst«, meint Stefan Benz im Darmstädter Echo (06.10.2017). Wie Lisa Förster sich von Shen Te in Shui Ta verwandle, »wie sie sich dabei verausgabt, das hat eine umwerfende Wucht«. »Existenziell schmerzhaft« sei es, wie der gute Mensch an seinen bösen Taten leide. »Lisa Förster spielt, als ginge es hier wirklich um was. Als ginge es um alles. Sowas lernt man dann doch nicht in der Schule, sondern nur im Theater.«

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