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Deutschsprachiger Autorenwettbewerb: 2. Tag

So 30.04.2017, 13.00 Uhr
  • Texte von Marjana Gaponenko, Sigrid Behrens und Lorenz Langenegger

  • Beginn: 13.00 Uhr
  • Alter Saal

Vorgestellt werden
Eine Post-Sowjetische Dramolett-Trilogie von Marjana Gaponenko (Lesung um 13 Uhr),
Anfall und Ente von Sigrid Behrens (Lesung um 14 Uhr) und
Nord West 59 von Lorenz Langenegger (Lesung um 15.30 Uhr).

Im Anschluss an jede Lesung findet ein Publikumsgespräch statt.


Eine Post-Sowjetische Dramolett-Trilogie 
von Marjana Gaponenko

Es lesen Lisa Förster, Christina Rubruck, Stefan Wunder, Marcel Schubbe, Marco Albrecht, Andreas Seifert und Hans Fleischmann
Einrichtung Lene Grösch

Was beginnt, als wärs ein Stück von Tschechow, erweist sich schnell als makabres Panorama der Zersetzung aller (Un-)Gewissheiten, auf die sich das herrschende Weltbild der heutigen Gesellschaft stützt: in der Ukraine, der Heimat der Autorin, wie in Russland. Mit abgründigem Humor werden buchstäblich die Leichen eines stalinschen Todeslagers ausgegraben, ehe sie staatlicherseits ein zweites Mal, und nun wohl endgültig, beseitigt werden. Das Fernsehen erweist sich als ein groteskes Kasperletheater, das regelmäßig durch den Schlag eines Gummihammers aus dem Off auf das Haupt des Moderators unterbrochen wird. Und wenn eine verarmte Heldin des Weltkriegs einmal zu Wort kommt, hat sie für den Jungen, der ihr zuschaut, nur eine Verheißung: »Wir Krüppel leben in Vergessenheit, aber wir leben, und ihr siecht im Totschweigen dahin.« Die Trilogie löst sich in der überbordenden Lachorgie einer Ballgesellschaft auf, als ein Tänzer des Bolschoi-Balletts sich einbildet, seine Balldame aus der Upperclass heiraten zu können. Drei ebenso groteske wie präzise Überzeichnungen der heutigen post-sowjetischen Gesellschaft. Übertragbarkeit nicht ausgeschlossen.

Marjana Gaponenko
geboren 1981 in Odessa, studierte dort Germanistik und lebt heute in Mainz und in Wien. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr schreibt sie auf Deutsch. Bisher erschienen die Romane Wer ist Martha und Das letzte Rennen; fürs Theater schrieb sie Zu den Sternen. A cosmic affaire.


Anfall und Ente 
von Sigrid Behrens

Es lesen Juliane Schwabe, Lea Wittig und Massoud Baygan
Einrichtung Viktoria Klawitter

Was ist wohl vor einem Anfang da? Bevor alles losgeht? Bevor das Ende nicht in Sicht ist? Und wenn das Ende plötzlich da ist? Was passiert, wenn das Ende vorbei ist – wenn man tot ist? Anfall und Ente sitzen gemütlich auf einer kleinen Wiese und überlegen. Vielleicht geht man dann einfach zurück ins Weltall? Aber wo ist eigentlich Hundi, das Kuscheltier von Ente, das schon immer da war? Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche. Sigrid Behrens hat mit Anfall und Ente ein poetisches und zur gleichen Zeit skurriles Stück über den Tod geschrieben, das die Fragen und Ängste von Kindern – und Erwachsenen – sehr ernst nimmt.

Sigrid Behrens
geboren 1976 in Hamburg, ist als Deutsch-Französin zweisprachig aufgewachsen. Nach dem Studium der Kunst, Germanistik und Erziehungswissenschaften in Hamburg und Genf lebt sie heute als freie Autorin in Hamburg. Dort macht sie durch Theaterprojekte auf sich aufmerksam, die aktuelle (Raum-)Diskurse reflektieren, zum Beispiel Platz für eine junge Dame, eine Theaterperformance bei IKEA. Sigrid Behrens schreibt gleichermaßen Prosa- und Theatertexte. Anfall und Ente ist ihr erstes Kinderstück.


Nord West 59 
von Lorenz Langenegger

Es lesen Sheila Eckardt, Katharina Quast, Marcel Schubbe, Andreas Uhse, Martin Wißner und Marco Albrecht
Einrichtung Fabian Appelshäuser, Lene Grösch

Ein verurteilter Schlepper kommt aus dem Gefängnis. Doch so sicher wie die Beweislage vor Gericht – fünftausend Euro im Handschuhfach, eine Flüchtlingsfamilie im Laderaum des Transporters bei der Fahrt über die Grenze – ist die Wahrheit nicht auszumachen. Auch achtzehn Monate Gefängnis lassen den Marionetten-Spieler Mika nicht von der Gewissheit ab: Er weiß nicht, wie die drei Personen in sein Auto kamen und welches Geld dort in seinem Auto lag. Die zwei, die wissen, welches Geld Mika ins Unglück gestürzt hat, schweigen beharrlich: Mikas bester Freund Flo und seine Freundin Conny (oder muss er jetzt sagen Ex-Freundin?). 18 Monate sind lang und welche Sicherheit kann er als reisender Künstler bieten … Und dann ist da noch Mats, der 5.000 Euro von Mika dafür haben will, dass er ihn im Knast beschützt hat. Mika begeht eine Verzweiflungstat. Geschickt verwebt Lorenz Langenegger die verschiedenen Erzählstränge seiner Geschichte zu einem spannenden Krimi, bei dem aber nicht die Konstruktion des Plots im Vordergrund steht, sondern seine Figuren, mit all ihren Sehnsüchten und Verzweiflungen, die sie schließlich alle schuldig werden lassen.

Lorenz Langenegger
studierte Theater- und Politikwissenschaft. Er hat bereits 14 Theaterstücke veröffentlicht und 2016 erschien sein dritter Roman. Beim Heidelberger Stückemarkt war er bereits 2013 mit seinem Stück Wo wir sind nominiert.

Termin

So 30.04.2017, 13.00 Uhr