Theater und Orchester Heidelberg
Foto Annemone Taake

Musiktheater

Didone abbandonata

Oper von Leonardo Vinci/Georg Friedrich Händel

    Deutsche Erstaufführung

    So 29.05.2016, 14.30 Uhr, 2 Stunden und 20 Minuten, eine Pause Goethe-Theater Bad Lauchstädt

Libretto von Pietro Metastasio

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Gastspiel im Rahmen der Händel-Festspiele Halle

Karthagos Königin Dido ist in Bedrängnis. Ihr Reich wird von einer wachsenden Zahl an Feinden bedroht, und ihr Geliebter, der trojanische Held Äneas, setzt die Segel, um, seiner göttlichen Bestimmung folgend, Rom zu gründen. Der afrikanische König Jarbas reist in Verkleidung eines Gesandten an und überbringt Geschenke; sein wahres Ziel aber ist die Unterwerfung Karthagos. Er stellt Dido vor eine unmögliche Wahl: Vermählung oder Tod. Eine Verbindung mit ihm einzugehen, verstößt jedoch gegen ihre höchsten Werte: Jarbas kennt keine Ehre und keine Wahrhaftigkeit. Alleingelassen und aller Hoffnung beraubt, sieht Dido nur einen Weg – sie wirft sich in die brennenden Trümmer ihres Reiches.
Pietro Metastasios Libretto von 1724, basierend auf Vergils Aeneis, zählte zu den beliebtesten Operntexten des Barock und wurde von zahlreichen Komponisten vertont, darunter auch 1726 von Leonardo Vinci, der erst kürzlich durch eine ausschließlich mit Countertenören besetzte Aufführungsserie seiner Oper Ataserse wieder in das Bewusstsein der Opernliebhaber trat. Georg Friedrich Händel brachte 1737 ein Pasticcio von Didone abbandonata im Londoner Theatre Royal zur Aufführung. Diese Oper ist bereits die fünfte in der Reihe bislang verschollener Meisterwerke der opera napoletana, die wir seit 2011|12 alljährlich beim Barock-Fest Winter in Schwetzingen vorstellen.

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Didone abbandonata

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Von einer »weiteren geglückten Ausgrabung« mit einer »Perlenkette von Bravourarien« und »wunderschönem Gejammer« über unglückliche Liebe berichtet Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau (08.12.2015). Die »ausgezeichneten Darsteller« fänden sich in den »Kaskaden Vincis« durchweg gut zurecht: Rinnat Moriah als »glühende, makellose Dido«, Terry Wey »mit Vehemenz und breitem Farbspektrum«, Kangmin Justin Kim »licht und unverwandt«. »Fitte Pracht« hörte die Kritikerin auch in den kleineren Partien: »Keiner kommt ohne rasante Auftritte davon.«

     

    Eine »spektakuläre Oper« habe das Team um Operndirektor Heribert Germeshausen ausgegraben, so Adele Jakumeit in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (14.12.2015). Regisseurin Yona Kim habe eine »stringente Dramaturgie« entwickelt, Dirigent Wolfgang Katschner achte bei seinen »historisch gut informierten Musikern« auf das »originale Klangbild«, vor allem seien es die »vielen jungen Stimmen, die an diesem Abend, von Arie zu Arie, einem Triumph entgegenschreiten«. Elisabeth Auerbach führe ihre »warm leuchtende Altstimme fest und sicher« und bilde gemeinsam mit Namwon Huh (»sonorer, freundlicher Araspe«) und Polina Artsis ein »stimmiges Fundament«. Kangmin Justin Kim setze seiner Stimme »mit maximalem Ausdruck« »heldisch-dramatische Glanzlichter« auf, Terry Weys Koloraturen mit »schimmerndem Ton« wirkten wie »schnurgerade Perlenketten«. Schließlich die »fulminante Rinnat Moriah als Dido, die mit einer bis in schwindelnde Höhen kristallklar sprudenlenden Tongebung besticht«.

     

    Als eine der »wichtigsten Ausgrabungen der letzten Zeit« bezeichnet Ludwig Steinbach in der Mainzer Allgemeinen Zeitung (12.12.2015) die Vinci-Oper. In der »gelungenen Inszenierung« würden »Gefühle ganz groß geschrieben«, die Beziehungen zwischen den Figuren »präzise herausgearbeitet«. Yona Kims sehr direkter Zugriff bringe eine »interessante und spannende« Umsetzung. Mit »flüssigem, lockerem Esprit« leite Wolfgang Katschner das Orchester an, Rinnat Moriah zeige ihren »gut fokussierten, in jeder Lage sauber ansprechenden Sopran«, die Countertenöre Kangmin Justin Kim und Terry Wey »tiefgründige Klangkultur« in ihrer Rollengestaltung.

     

    Joachim Lange beglückwünscht im Online-Magazin der Deutschen Bühne (07.12.2015) das Barock-Fest zu seiner Ausgrabung, denn bei Vinics Musik bestehe »Suchtgefahr«. Wolfgang Katschner am Pult sei für den »durchweg flott eleganten, ans Klassische heranreichenden melodischen Ton« exakt der Richtige und das Orchester tauche unter seiner Leitung »exzellent ins barocke Idiom« ein. Regisseurin Yona Kim habe die »verwickelte Trennungsstory« als »Beziehungskiste im Kammerspielformat geschmackvoll und mit Liebe zum Detail in Szene gesetzt«. Rinnat Moriah zeige sich »intensiv und koloraturensicher«, Kangmin Justin Kim und Terry Wey profilierten sich »mit Verve und als Virtuosen des emotionalen Ausbruchs«. Unter allen »ausgesprochen spielfreudigen Protagonisten« hebt der Kritiker weiter Polina Artsis als »Musterbeispiel für geschmeidig leicht geführten Mezzowohlklang« hervor.

     

    »Diese Perlenkette schönster Musik ist ein Prachtstück, das in Schwetzingen glänzend aufbereitet wird« und »euphorisch gefeiert« worden sei, berichtet Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (07.12.2015). Zu danken sei dies vor allem der »lebendigen musikalischen Umsetzung« durch Sänger-Ensemble und Orchester unter Wolfgang Katschner wie der »minimalistischen Inszenierung« von Yona Kim, die den Text »intelligent arrangiert« habe. Rinnat Moriah »setze Maßstäbe« für die Rolle der Dido, Kangmin Justin Kim sei ein »vokales Wunderwerk an Virtuosität«, Terry Wey zeige »vokale Vielschichtigkeit« und tiefen »musikalischen Ausdruck«. »Edle musikalische Preziosen« zeigten auch die Sänger der kleineren Rollen und das Orchester spiele »differenziert und historisch informiert«.

     

    »Stimmlich und schauspielerisch in Bestform« habe sich das Sängerensemble präsentiert, schreibt Udo Pacolt im Online-Merker (Februar 2016), allen voran Rinnat Moriah, die das Publikum »mit ihrer strahlenden Stimme« überzeugt habe. Respekt zollt der Kritiker auch Kangmin Justin Kim (»bemerkenswerte Bandbreite«), Terry Wey (bot mit »verführerisch-weicher Stimme betörende Töne«), Elisabeth Auerbach (»süßer Gesang«) sowie Namwon Huh und Polina Artsis, »die stimmlich wie schauspielerisch zur starken Ensembleleistung« beigetragen hätten. Das Orchester unter Leitung von Wolfgang Katschner habe »die zauberhafte Partitur des Pasticcios in allen Nuancen zur Geltung« gebracht. Den Verantwortlichen müsse man zu »dieser Ausgrabung gratulieren«.

     

    Bühne und Inszenierung gäben den Blick »auf das Wesentliche frei«, sezierten mit Genauigkeit die »politischen wie emotionalen Machtverhältnisse« in Vincis Oper, schreibt Hans-Günter Fischer im Mannheimer Morgen (09.12.2015). Für Rinnat Moriah in der Titelrolle, die sich »quälend intensiv durch die Beziehungshöllen« winde, werde der Abend zum »Triumph«.

     

    Im Böblinger Boten (22.12.2015) bemerkt Susanne Benda, mit der musikalischen Collage ergäbe sich »man wundert sich – ein Bogen, ein Ganzes«. Das Orchester habe zu einem »bewegten, lichten, vorwärtsdrängendem Klang« gefunden, für die »teilweise hochvirtuosen Partien« seien durchweg gute Besetzungen gefunden worden, wobei die Kritikerin zwei Sängerdarsteller besonders heraushebt: »die stimmschöne, ausdrucks- und koloraturstarke Sopranistin Rinnat Moriah als Dido und der Countertenr Terry Wey als Jarbas liefern die überzeugendsten Rollenporträts ab«.

     

    Die Schwetzinger Fassung beschere »zweieinhalb szenische dichte, sängerisch anspruchsvolle und musikalisch animierte Stunden«, urteilt Michael Hübl in den Badischen Neuesten Nachrichten (21.12.2015). »Höchst gelungen« sei der Abend: Rinnat Moriah begeistere mit »fulminanten Akzenten«, ebenso wie Kangmin Justin Kim (»differenzierteste Facetten«) und Terry Wey (»glänzt durch Auftritte«).

     

    Die Aufführung bewege sich musikalisch »auf hohem Niveau« und wecke das Bedürfnis, mehr von Vinci zu hören, schreibt Thomas Molke im Online Musik Magazin (06.12.2015). Man solle sich diesen Abend »als Barock-Fan keinesfalls entgehen lassen«. Rinnat Moriah als Dido begeistere mit »strahlenden Höhen und intensivem Spiel«, Kangmin Justin Kim sei als Aeneas ein »Glücksgriff«, zeige »sauber angesetzte Höhen« und »enormes Volumen« in der Mittellage. Auch Terry Wey als sein Gegenspieler präsentiere sich mit »stupenden Höhen und beweglichen Koloraturen« und gut besetzt seien die kleineren Partien.

     

    Auf der »bezaubernd kleinen Bühne« werde »gut gesungen und musiziert«, schreibt Eckhard Britsch im Opernnetz.de (06.12.2015). Regisseurin Yona Kim habe ganz auf die »psychologische Durchdringung der Figuren« gesetzt: »deren Herzeleid, ihre Intrigen, ihre Selbstbezogenheit kommen trefflich zur Geltung«. Das Leiden der Protagonisten werde »sängerisch und darstellerisch fabelhaft« umgesetzt. Vor allen anderen Sängern gefiel dem Kritiker Rinnat Moriah: »mit makellos geführtem Sopran, der mühelos die Koloraturen durchläuft und viele feine Facetten einbringt«; Lob gibt es aber auch für die übrigen Solisten und das Orchester unter Wolfgang Katschner. »Heftiger Premierenbeifall«.

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