Theater und Orchester Heidelberg
Probenfoto von Sebastian Bühler

Musiktheater

Faust (Margarete)

Oper von Charles Gounod mit Texten aus Elfriede Jelineks FaustIn and out

Libretto von Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré, nach Carrés Drame fantastique Faust et Marguerite (1850) und Faust. Der Tragödie erster Teil (1806) von Johann Wolfgang von Goethe in der Übersetzung von Gérard de Nerval

Neufassung unter Verwendung von Texten von Elfriede Jelinek (FaustIn and out),  Friedrich Schiller, Arthur Schopenhauer, den Prozessakten gegen Susanna Margaretha Brandt, einem Urteil des Bundesgerichtshofs und Text von Martin G. Berger

Uraufführung der Oper Gounods am 03. März 1869, Opéra, Paris (2.Fassung)

In französischer und deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Die Geschichte ist alt, und doch wiederholt sie sich immer aufs Neue: Ein abgelebter Mann hofft durch die Liebe eines jungen Mädchens die jugendliche Potenz und vor allem seine Macht auf ewig zu erhalten. Für den jungen Regisseur Martin G. Berger ist es essentiell, die Oper Faust (Margarete) auf ihre patriarchalen Muster hin abzuklopfen und den Blick auf die Rolle der Frau zu lenken. Einen ähnlichen Weg beschritt Elfriede Jelinek, als sie in ihrem Sekundärdrama FaustIn and out Goethes Urfaust einer radikalen Neudeutung unterzog: Das maskuline Gegenüber als Liebhaber, Vater, Ernährer, Beschützer und Gott in einem. Und als Lebenszerstörer.

In der Produktion des Theaters und Orchesters Heidelberg wird die französische Oper mit dem deutschsprachigen Text der österreichischen Autorin sowie weiteren Textausschnitten von Schiller, Schopenhauer, historischen Prozessakten u. a. verknüpft. Die stark emotionale Ebene der gounodschen Musik erfährt so eine Brechung durch die Reflektion des Inhaltes.

Eine Werkeinführung der Musiktheater-Dramaturgin Merle Fahrholz können Sie hier anhören.

 

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Faust (Margarete)

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Einer der positiven Aspekte des Abends sei, dass er »klare Zuordnungen mit gezielter Präzision verweigert, Konventionen unterläuft und damit die Aufmerksamkeit immer neu herausfordert« bemerkt Detlef Brandenburg in der Deutschen Bühne (online, 17.03.2018). Der Abend lasse »keinen Stein auf dem anderen« und schaffe doch eine »eindrucksvolle musikdramatische Architektur«, die auch noch »unverschämt unterhaltsam« sei. Regisseur und GMD stifteten durch die Neuanordnung der Opernnummern und der Fremdtexte immer wieder »verblüffende, überrumpelnde, erheiternde Bezüge« und schafften letztlich »ein neues Musiktheaterwerk«, das der Kritikter »stark« findet, mit »wunderbar anarchisch irrlichternden« Assoziationen und sinnstiftenden Kurzschlüssen. »Schlicht grandios« sie zudem die Umsetzung durch die Schauspieler, Sänger und Musiker. In Grandys Umsetzung mit dem »hochkultiviert spielenden« Philharmonischen Orchester Heidelberg und dem von Ines Kaun »vorzüglich einstudiertem« Chor setze »Gounods melodischer Schmelz und seine sinnlichen Farbigkeit einen entscheidenden Kontrapunkt zu Jelineks spottsüchtiger Wut: Sie halten eine Sehnsucht nach Heilung und Erlösung wach, die auch dann das Herz rührt, wenn der Verstand an diesem Abend dem finalen ›Gerettet‹ nicht mehr trauen mag.«

     

    »Was für ein Abend! Was für ein Abend der Unordnung, der Überbordung, der Überforderung, der Überambition.« – so der Ausruf von Stefan M. Dettlinger im Mannehimer Morgen (19.03.2018). Es sei »gar nicht uninteressant« was Regisseur Martin G. Berger da versuche. Gezeigt würde allerdings nicht Gounods Faust sondern ein »bunter, dynamischer und auch nachdenklich machender (…) Themenabend mit einer Durchdringung von Wirklichkeit, Geschichte und Kunst«. Die angerissenen Debatten würden zwar das »Potential eines Theaterabends übersteigen«, schärften aber doch das Bewusstsein und führten zum Nachdenken. Respekt zollt der Kritiker GMD Elias Grandy dafür, sich auf ein solches Experiment eingelassen zu haben, überdies gibt es Lob für Schauspieler und Sänger sowie die »wunderbar« spielenden und singenden Choristen und Orchestermitglieder.

     

    Mit seinem Ausstattungsteam schaffe Regisseur Martin G. Berger »eindrückliche Momente«; »bemerkenswert« findet Rainer Köhl in der Rhein-Neckar-Zeitung (19.03.2018), mit welcher »Geschmeidigkeit« Fremdtexte und Musik »ineinander greifen« und »immer im Bezug« zueinander stehen würden. »Spannkraft und lyrische Schönheit« zeige das Philharmonische Orchester unter GMD Elias Grandy, »großartig« sei die Leistung von Chor und Extrachor, auch die solistischen Partien seien »gut besetzt«. Besonders starken Eindruck hätten die Schauspieler, vor allem Magdalena Neuhaus, hinterlassen.

     

    »Eine anspruchsvolle, reflektierte Angelegenheit« sei dieser Abend, ein »Gegenmodell zum Konsumartikel Oper«, zeigt sich Eckhard Britsch im Online-Magazin Theaterpur.net (19.03.2018) beeindruckt. Regisseur Martin G. Berger habe einen »Bilderbogen bis hin zu greller Überbelichtung« entworfen. Es werde »niveauvoll musiziert« und trotz der vielen Unterbrechungen habe das Orchester mit GMD Elias Grandy am Pult weder »Musizierlust noch Konzentration« verloren. »Toll« die Chorleistung, gelobt werden auch Hye-Sung Na als Margarete (»wurde gefeiert«), Martin Piskorski als Faust (»schöne Kantilenen«) und James Homann (der die »schillernde Figur ausschöpfte«) sowie die »glänzenden« Schauspieler Magdalena Neuhaus und Raphael Rubino. Fazit des Rezentenden: »Viel Beifall und wenige Buhrufe für eine verstörende, nachwirkende Neusichtung.«