Theater und Orchester Heidelberg
Foto Annemone Taake

Schauspiel

Katzelmacher

von Rainer Werner Fassbinder

    So 21.02.2016, 19.00 Uhr, 1 Stunde und 36 Minuten Zwinger¹+

Ein Fremder dringt in die abgeschlossene Provinzwelt einer Sandkastenclique, die mehr schlecht als recht ihr Leben zwischen grauer Arbeit und kleinen Träumen vor sich hin lebt. Alle haben diverse Beziehungen untereinander, alle wollen ein besseres Leben, niemand kann seine Gefühle wirklich artikulieren. Stattdessen geht ihr Leben den desillusionierenden gewohnten Gang der Perspektivlosigkeit – bis plötzlich Jorgos, der Gastarbeiter, in den 60er Jahren abwertend ›Katzelmacher‹ genannt, in ihr Leben platzt und es gründlich auf den Kopf stellt. Nicht nur, dass er ihnen einen Arbeitsplatz wegnimmt, er verdreht auch noch den Frauen durch seine Andersartigkeit den Kopf.

Rainer Werner Fassbinder erzählt in seinem 1968 entstandenen Theatertext von Gruppenbewusstsein, individuellen Sehnsüchten und der kollektiven Stilisierung des Fremden als Bedrohung, die bei Katzelmacher in Fremdenhass und Gewalt münden. Seine Figuren sind die Verworfenen einer Gesellschaft, die plötzlich jemanden finden, an dem sie ihren Hass und ihre Frustration loswerden können – und dabei den Blick in einen beklemmenden Denkkosmos freigeben.

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Katzelmacher

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Isabel Osthues habe den Abend in dem Bewusstsein inszeniert, dass Fassbinders Text »traurigerweise nichts von seiner Aktualität eingebüßt« habe, so Volker Oesterreich in der Rhein-Neckar-Zeitung (16.02.2015). Überzeugend sei die Leistung des Ensembles: »Die Schauspieler deuten in den kurzen, von Isabel Osthues schlaglichtartig inszenierten Szenen durch dumpfe Blicke und abfällige Gesten an, wes’ Geistes Kinder sie sind. Eine reife Leistung, die nicht viel Aufhebens von sich macht, aber vielleicht gerade deshalb so wirkungsvoll ist.«

    Auch Eckhard Britsch beklagt in seiner Rezension für den Mannheimer Morgen (17.02.2015), der Text habe »Gott sei’s geklagt – zeitlose Gültigkeit« und Regisseurin Isabel Osthues schildere die Befindlichkeiten der »verlorenen Clique« »detailgenau und packend«. Ihre Intensität entwickele die Inszenierung neben der Textvorlage auch durch die »differenzierte Figurenzeichnung« der Regisseurin und durch die Leistung der Darsteller, die sich sämtlich durch »individuelle Gestaltung« ihrer Figuren auszeichneten. Der Kritiker urteilt abschließend, hier nehme ein »spielfreudiger Abend« das Publikum mit in die »Abgründe deutscher Provinzialität«.