Theater und Orchester Heidelberg
Foto von Annemone Taake für die Neuinszenierung von »Le nozze di Figaro«

Musiktheater

Le nozze di Figaro

Opera buffa in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

    So 08.11.2015, 19.00 Uhr, 3 Stunden und 20 Minuten, eine Pause 18.15 Uhr Einführung Marguerre-Saal+

Libretto von Lorenzo da Ponte nach der Komödie La Folle Journée ou le Mariage de Figaro von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, 1778

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Figaro und Susanna, Bedienstete des Grafen, wollen heiraten, doch der Graf will vorher mit Susanna ins Bett. Die Gräfin trauert um die Liebe des Grafen, der Page entflammt sich für jede Frau, die Frauen lieben den Pagen, der Graf platzt fast vor Neid. Intrigen werden für und gegen die Hochzeit gesponnen, man tauscht Kleider und Menschen, versteckt, überlistet, lügt und betrügt – doch schließlich wird alles aufgedeckt und die Hochzeit gefeiert.
Aufrührerisch war Beaumarchais’ Komödie: Der »Sturmvogel der Revolution« (Napoleon) attackierte am Vorabend der Französischen Revolution die geltende Ordnung einer Ungleichheit der Menschen. Mozart und da Ponte milderten in ihrer Opernadaption zwar äußerlich den aufsässigen Gehalt, trugen diesen jedoch in subtilere, psychologische Schichten des Werkes hinein. Getragen von einer Musik voller Witz, Raschheit, Finesse und kluger Menschlichkeit spiegeln sich hier Machtstrukturen in Einzelbeziehungen wider, heben Standesunterschiede sich in der komplexen Hell-Dunkel-Mischung aller Figuren auf. Entmachtet wird obendrein die Verstandesherrschaft des Menschen über sich selbst; Begehren, Sehnsüchte, Emotionen jeder Art halten die Zügel in der Hand, Handlungen strafen Worte Lügen. Der Umsturz zielt nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auch auf deren Ausgangspunkt: den einzelnen Menschen.

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Le nozze di Figaro

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Grandyos«, ja mit einem »Paukenschlag« sei das Theater in die Saison gestartet, schreibt Stefan M. Dettlinger im Mannheimer Morgen (21.09.2015). »Was ist das Besondere heute? Alles! Es ist das Orchester. Es ist der Chor. Es ist der Dirigent. Es sind die Solisten – allen voran Irina Simmes, die eine Wahnsinnsgräfin gibt. Und es ist − natürlich − auch die Regie von Nadja Loschky.« Die Inszenierung sei nicht nur »unterhaltsam und geistreich«, sondern werde durch »perfekte Personenführung und Psychologisierung zu großer Bühnenkunst«. Zu den »Wundern des Abends« zähle, dass er »musikalisch auf unfassbarem Niveau stattfindet«, wobei der Kritiker Sängersolisten, Orchester und musikalische Leitung gleichermaßen beglückwünscht: »Wie es Operndirektor Heribert Germeshausen gelingt, so gute junge Kräfte ans Haus zu binden (…) − alle Achtung«. Und so lautet das Fazit:  »Was für ein Auftakt! Die Zeit steht still. So macht Oper Spaß – und Leben Sinn.«

    Die vollständige Kritik können Sie im Online-Angebot des Mannheimer Morgen lesen.

     

    »Heidelberg kann sich freuen«, zeigt sich auch der Rezensent der Rhein-Neckar-Zeitung (21.09.2015), Matthias Roth, hellauf begeistert: »An diesem Abend stimmt wirklich alles«. »Intelligent und schwungvoll« und mit präziser Charakterzeichnung habe die Regisseurin die Komödie in Szene gesetzt. Höchstes Lob gibt es auch für die Sängerdarsteller: Ein »phänomenaler Einstand« sei der Abend für das neue Ensemblemitglied Kangmin Justin Kim, aber auch das übrige Ensemble »präsentiert sich fulminant in seiner Gesamtheit und mit bezaubernder musikalischer Stilsicherheit und sängerischer Kompetenz im Einzelnen: Jeder Beteiligte gibt seiner Rolle Charakter und Charme, komödiantische Leichtigkeit und plötzliche aufscheinende Seelentiefe.« Der Einstand des neuen GMD »hätte nicht besser ausfallen können«, Elias Grandy habe sich als »ausgezeichneter Dirigent« und »kluger Kopf« präsentiert: »So klingt dieser Mozart ebenso sauber wie lebendig, ebenso kraftvoll wie entspannt. Das hatte Biss, war impulsiv und wirkte gleichzeitig bis in die kleinste Sechszehntelnote ausgefeilt. Das Philharmonische Orchester glänzte den ganzen Abend über.«

    Die vollständige Rezension finden Sie im Online-Angebot der Rhein-Neckar-Zeitung.

     

    »Regisseurin Loschky lässt sich keine Pointe entgehen, arbeitet das Stück mit hochfrequenter Gagfolge ab – die Sänger zeigen dabei ein verblüffendes Timing«, freut sich Claus Ambrosius in der Rhein-Zeitung (22.09.2015) über einen Abend, der trotz dreineinhalb Stunden Länge »wie im Flug« vergangen sei  ̶  »Das allein ist schon eine Kunst«. Passend dazu die »straffe und entschieden unsentimentale Lesart« des neuen GMD, der hier einen »großen Einstandserfolg« gefeiert habe. Der »Figaro« beweise außerdem wieder die »konsequente Förderung« »junger vielversprechender Talente« und die gute Ensemblepflege durch Operndirektor Heribert Germeshausen: »das Sängerniveau übertrifft jenes vergleichbarer Häuser deutlich«.

     

    »So viel Wissen um den Menschen, so viel geniale Musik, so viel Können auf der Bühne«, schreibt Herbert Büttiker in der Schweizer Tageszeitung Der Landbote (28.09.2015). Die Mozart-Komödie habe sich hier als »Unterhaltungstheater, wie es die Boulevardbühne nicht besser bietet« erwiesen. Die »feine Personenführung« zeige das »Gespür der Regisseurin für Mozarts Menschlichkeit, die das Wunder dieser Oper ausmacht«. Das Wunder sei »die Sache der Musik« und diese sei bei Elias Grandy »in den besten Händen«: »Äußerst differenziert im dynamischen Spektrum, unterwegs mit teils rasanter, aber stimmiger Tempodramaturgie, etwa im ingeniösen zweiten Aktfinale, und dabei offen für den sängerischen Atem. ›Prima la scena‹ scheint Grandys Devise zu sein, und die Aufführung ist denn auch in weiten Teilen ein Abend der Protagonisten, die spielerisches und sängerisches Können perfekt verbinden.«

     

    Eine »ebenso geistreiche wie witzige Inszenierung« hätten Nadja Loschky und ihr Team vorgelegt, schreibt Rainer Koehl in den Badischen Neuesten Nachrichten (23.09.2015). Der Abend sprühe »vor augenzwinkerndem Humor und amüsanter Spitzen, die immer mit der Musik bestens konform gehen«. Auch von der musikalischen Leistung zeigt sich der Rezensent angetan: »Zu erleben ist eine wunderbare Ensembleleistung, an welcher der Opernchor ebenso reichen Anteil hatte wie die Solisten. (…) Wahre Mozart-Wunder schuf der neue Heidelberger GMD Elias Grandy am Pult: beseelte Lyrik, herrlich blühende Klänge entlockte er den  Philharmonikern, ließ federnden Elan und Drive reichlich fließen in einem Spiel, das ebenso viel Sogkraft hatte wie tiefen Sinn, Herz und Verstand.«

     

    »Ein überzeugendes Debüt!«, so Frank Pommer in der Rheinpfalz (21.09.2015) über das Dirigat Grandys, der hier »in Bezug auf Tempi und Phrasierung« viel gewagt und einen »kompakten, aber auch sehr flexiblen Mozartklang« präsentiert habe. Loschkys Regie bleibe »sehr nah am Libretto« und lande gleichzeitig »manchen sicheren Gag«. Durchweg überzeugend präsentiere sich das junge Solistenensemble, »vor allem die Damen begeistern zudem mit intensivem, glaubwürdigem, bisweilen auch sehr sinnlichem Spiel«. Ein Extra-Lob geht an Kangmin Justin Kim als Cherubino, dessen »wunderschöne Stimme mit einer hochgetunten barocken Koloraturschleuder rein gar nichts« zu tun habe.

     

    Die Oper sei »munter, raffiniert und originell in Szene gesetzt und mit einiger Situationskomik angereichert«, bemerkt Rolf App in der Thurgauer Zeitung (28.09.2015). Getragen werde der Abend von den Ensemblemitgliedern, − »ein Erlebnis sind die Stimmen« − die aber »nicht nur gut bei Stimme sind, sondern in ihrem jugendlichen Schwung beseelt von enormer Spielfreude.«

     

    »Der mit Spannung erwartete Einstand in die neue Spielzeit glückte: Die rundum gelungene Inszenierung überzeugte durch ihre natürliche humorvolle Note und die gelungene Adaption der Handlung«, schreibt Jesper Klein im ruprecht (Online-Ausgabe, 21.09.2015). Das »energische und präzise Dirigat« des neuen Generalmusikdirektors habe »den Grundstein für die heitere Inszenierung« gelegt.

     

    Von einem »triumphalen Erfolg für alle Beteiligten« berichtet Ludwig Steinbach auf deropernfreund.de (22.09.2015). In diesem »grandiosen« Figaro fügten sich Szene, Musik und Gesang »zu einem phantastischen, höchst stimmungsvollen Ganzen«. Der Regisseurin sei eine Produktion von »großer Meisterschaft« und mit »ausgefeilter, stringenter« Personenregie gelungen, auch musikalisch sei der Abend »in höchstem Maße bemerkenswert« – mit einem »fulminanten Einstand« des neuen GMD und »beglückenden« Leistungen der Sänger. Fazit des Kritikers: »Ein in jeder Beziehung meisterhafter, preisverdächtiger ›Figaro‹, der nachhaltig zu begeistern wusste und dessen Besuch dringendst empfohlen wird!«

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