Der 11. Winter in Schwetzingen wird am 25.11.2016 mit Niccolò Antonio Zingarellis Giulietta e Romeo eröffnet. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Felice Venanzoni, der in Schwetzingen 2014|15 bereits mit großem Erfolg Niccolò Jommellis Fetonte anlässlich des 300. Geburtstages des Komponisten dirigierte; für die Inszenierung zeichnen Nadja Loschky und Thomas Wilhelm verantwortlich.

Seit 2011|12 unternehmen wir im Rahmen des Winters in Schwetzingen den bisher in Deutschland einmaligen Versuch, in einem auf sieben Spielzeiten angelegten Zyklus die historisch bedeutsame aber bis dato der Vergessenheit weitestgehend anheimgefallene Epoche der scuola napoletana systematisch in Form eines chronologischen Längsschnittes von den Anfängen bis zu ihrem Ende vorzustellen, wobei ich mich an dieser Stelle für Ihre große Neugierde und Ihr Interesse bedanken möchte, uns auf dieser Reise zu folgen. Eine weitere Besonderheit dieses Zyklus besteht im Übrigen darin, dass es sich bei den meisten der in diesem Kontext aufgeführten Werke um Deutsche Erstaufführungen handelt, in speziell von der Heidelberger Opernsparte angefertigten Editionen.

Zu den Wiederentdeckungen zählten bisher Alessandro Scarlattis Marco Attilo Regolo – eine der wichtigsten Wiederentdeckungen der Spielzeit 2011|12 laut der Jahresumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt – oder Tommaso Traettas Ifigenia in Tauride (2014 vom Deutschlandfunk live aufgezeichnet). Yona Kims letztjährige Inszenierung von Didone abbandonata von L. Vinci/Georg Friedrich Händel wurde von den Internationalen-Händel-Festspielen-Halle 2016 nach Bad Lauchstädt eingeladen, Sony Music produziert basierend auf dieser Produktion im November 2016 eine Gesamteinspielung auf CD als Studioaufnahme in Kooperation mit Radio Berlin Brandenburg und dem WDR.

Dieser Zyklus nähert sich seinem Abschluss und stellt in der sechsten Ausgabe der opera napoletana mit Nicolo Antonio Zingarelli den aus chronologischer Sicht letzten bedeutenden Vertreter dieser Epoche vor. Zingarellis 1796 in nur acht Tagen komponiertes Meisterwerk Giulietta e Romeo wurde szenisch 1829 zum letzten Mal integral in Deutschland aufgeführt und ist seitdem nur ein einziges Mal – konzertant bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2016 – erklungen.

Für die erste szenische Neuproduktion seit 187 Jahren steht eine exquisite Sängerbesetzung zur Verfügung: Das tragische Liebespaar wird von der Mezzosopranistin Emilie Renard und dem Countertenor Kangmin Justin Kim verkörpert. Emilie Renard hat sich mit Auftritten u. a. bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und am Theater an der Wien als eine große Nachwuchshoffnung im Barockgesang profiliert, während Kangmin Justin Kim sich innerhalb kürzester Zeit als einer der international vielversprechendsten Countertenöre etablierte. Nach zwei auf ARTE übertragenen Premieren in Paris in der Spielzeit 2014|15 erregte er in der Spielzeit 2015|16 auch als festes Mitglied des Heidelberger Opernensembles Aufsehen: Für seine Heidelberger Kreation der Titelpartie in der Uraufführung von Johannes Kalitzkes Pym wurde er als einer der drei besten Sängerdarsteller der Spielzeit 2015|16 für den deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert, in der Jahresumfrage der Fachzeitschrift Opernwelt wurde er ebenfalls als bester Sänger der Spielzeit genannt. In weiteren Hauptpartien sind der international renommierte Countertenor Terry Wey und Zachary Wilder zu erleben, der aus William Christies Jardins des Voix hervorgegangen ist und mittlerweile zu den führenden Tenören im Barockrepertoire zählt.

Das reichhaltige Konzertprogramm schöpft die Bandbreite des musikalischen Barock aus: Felice Venanzoni stellt zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg und dem Bachchor Heidelberg Raritäten von Antonio Caldara, Giovanni Antonio Ristori und Antonio Vivaldi vor. Caldara wird neben Vivaldi und Gabrieli auch auf dem Programm der beliebten Weihnachtskonzerte des Heidelberger Barock Orchesters unter der Leitung von Thierry Stöckel stehen. In In Love: Shakespeare. A musical banquet widmen sich Emilie Renard, Kangmin Justin Kim und Zachary Wilder zusammen mit Gerd Amelung Vertonungen von Lyrik des Dichters aus Stratford. Die renommierte Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner ist gleich mit zwei Konzerten zu Gast: Swinging Purcell widmet sich ebenfalls dem englischen Barock während die Abenteuer des Don Quichote eine aufregende akustische Reise durch die Welt der spanischen Renaissance unternimmt, moderiert von der bekannten Theater- und Filmschauspielerin Mechthild Großmann.

In der Hoffnung, Ihnen diesen Winter häufig in Schwetzingen zu begegnen verbleibe ich mit herzlichen Grüßen

Ihr

Heribert Germeshausen
Operndirektor Theater und Orchester Heidelberg
Künstlerischer Leiter Winter in Schwetzingen