Foto Annemone Taake

Die Ratten

  • von Gerhart Hauptmann

  • Dauer: 2 Stunden und 30 Minuten, eine Pause
  • Marguerre-Saal

Ein Berliner Mietshaus: Oben herrscht Harro Hassenreuter, unten lebt Jette John. Er ist Theaterdirektor, sie Putzfrau. Während er über die Möglichkeiten der Darstellung von Wirklichkeit auf der Bühne diskutiert, spielt sich unten die tatsächliche proletarische Wirklichkeit ab. Pauline Piperkarcka ist ungewollt schwanger und droht verzweifelt, sich umzubringen. Frau John dagegen wünscht sich nichts sehnlicher als ein Baby. Der Handel scheint perfekt, 123 Mark und ein Neugeborenes wechseln den Besitzer. Aber als Pauline doch Sehnsucht nach ihrem Kind bekommt, verliert Jette John zunehmend die Kontrolle. Erst missbraucht sie das sterbende Kind der Nachbarin, um Pauline zu täuschen, dann schickt sie der leiblichen Mutter ihren kleinkriminellen Bruder auf den Hals. Am Ende muss sie sich nicht nur vor den Behörden verantworten, sondern auch vor ihrem Mann, der nichts von dem Kindeshandel mitbekommen haben will.
Der Kritiker Hans Mayer nannte Hauptmanns 1911 uraufgeführte Tragikomödie Die Ratten den »vielleicht wichtigsten Beitrag Gerhart Hauptmanns zum modernen Welttheater«. Im Berliner Kunst-Dialekt verhandelt Hauptmann dabei nicht weniger als die Beziehung von Kunst zur Realität.

Bilder

Lisa Förster (Pauline Piperkarcka); Foto Annemone Taake
Martin Wißner (Bruno); Foto Annemone Taake
Katharina Quast (Frau John), Lisa Förster (Pauline Piperkarcka); Foto Annemone Taake
Katharina Quast (Frau John); Foto Annemone Taake
Katja Uffelmann (Alice Rütterbusch), Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter); Foto Annemone Taake
Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter), Florian Mania (Erich Spitta); Foto Annemone Taake
Josepha Grünberg (Selma); Foto Annemone Taake
Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter), Fabian Oehl (Quaquaro); Foto Annemone Taake
Florian Mania (Erich Spitta), Lisa Förster (Pauline Piperkarcka), Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter), Sheila Eckhardt (Walburga); Foto Annemone Taake
Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter), Katja Uffelmann (Sidonie Knobbe), Sheila Eckhardt (Walburga), Fabian Oehl (Schutzmann Schierke); Foto Annemone Taake
Katja Uffelmann (Sidonie Knobbe), Fabian Oehl (Schutzmann Schierke), Lisa Förster (Pauline Piperkarcka); Foto Annemone Taake
Hendrik Richter (Herr John), Fabian Oehl (Quaquaro); Foto Annemone Taake
Sheila Eckhardt (Walburga), Florian Mania (Erich Spitta); Foto Annemone Taake
Sheila Eckhardt (Walburga), Florian Mania (Erich Spitta), Katharina  Quast (Frau John); Foto Annemone Taake
Martin Wißner (Bruno), Katharina Quast (Frau John); Foto Annemone Taake
Katharina Quast (Frau John), Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter); Foto Annemone Taake
Hans Fleischmann (Harro Hassenreuter), Josepha Grünberg (Selma), Hendrik Richter (Herr John), Katharina Quast (Frau John), Florian Mania (Erich Spitta), Sheila Eckhardt (Walburga); Foto Annemone Taake

Videos

Die Ratten

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Für den so »intensiven wie eindringlichen Theaterabend« habe es »starken Applaus« gegeben, schreibt Heribert Vogt in der Rhein-Neckar-Zeitung (14.12.2015). Im Zentrum die drei Mütter als »Kämpferinnen an der Front der Hoffnung«: Katharina Quast »mit Härte und Berliner Schnauze« als Jette John, Lisa Förster als Pauline Piperkarcka »der großen und lauten Gefühle« und Katja Uffelmann mit »erschütternder Größe« als Sidonie Knobbe. Den »komischen Anteil zur Tragikomödie« steuerten die Theaterleute bei: Hans Fleischmann als »wunderbar staatstragend agierender Theaterdirektor« und Florian Mania als Spitta, der sich »so unterhaltsam wie grotesk durch den Zwiespalt zwischen mutiger Lächerlichkeit und schräger Bühnenambition« zwänge. Die Inszenierung hebe »Hauptmanns Existenzkampf« aber auch ins »Überzeitliche«, das Bühnenbild – Übersetzung der repressiven »Gesellschaftsmaschinerie« des Wilhelminismus als »lautlos waltende und schaltende Apparatur von heutiger Ästhetik« – weise »über den historischen Kontext weit hinaus«: »Überhaupt wächst beim Zuschauer die Überlegung, ob derzeit nicht die ganze Berliner Republik eine Art „Berliner Mietshaus“ ist, in dessen Parterre die Flüchtlinge angesichts einer martialisch wütenden Weltmaschine ums Überleben kämpfen, während die arrivierte (Theater-) Gesellschaft erst einmal darüber diskutiert.«

     

    Regisseur Holger Schultze habe für Hauptmanns Parabel einen »effektvoll stilisierten Rahmen« gefunden, der er »von seinem starken Ensemble kraftvoll ausfüllen lässt«, schreibt Stefan Benz im Darmstädter Echo (15.12.2015). Neben den Schauspielern spiele das »gleichermaßen archaisch wie futuristisch« wirkende Bühnenbild von Martin Fischer eine wichtige Rolle, aber das Ensemble sorge dafür, »dass der Abend auf packende Weise rund läuft«.

     

    »Viel Intensität und Expressivität« lasse Regisseur Holger Schultze zu, schreibt Frank Pommer in der Rheinpfalz (14.12.2015). Das »gesellschaftskritische Element« werde uns hier »als Spiel, als Versuchsanordnung« vorgeführt, die Inszenierung frage ganz gezielt »nach den Möglichkeiten von Theater« und lasse die »unterschiedlichsten Spiel- und Ausdrucksweisen des Ensembles« zu. »Fasznierend« findet der Kritker an diesem Laborversuch, dass »viele Wege ins Herz beziehungsweise ins Hirn des Zuschauers führen«.

     

    Modern sei Hauptmanns Text, weil er zeige, »wie sehr Menschen voneinander abhängig sind und sich dennoch gleichgültig oder gar feindselig begegnen. Auf diese Weise entlarvt er ihren Anspruch auf Toleranz und Solidarität als unreflektierte Klischees«, schreibt Alfred Huber im Mannheimer Morgen (14.12.2015). Genaue hier versuche die Inszenierung Holger Schultzes, »nachdrückliche Akzente« zu setzen.