Theater und Orchester Heidelberg
Foto Sebastian Bühler

Ich bin das Volk

Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland von Franz Xaver Kroetz

Deutschland heute – was ist das für ein Land? Rechtsextreme Äußerungen sind wieder salonfähig geworden. Eine Verfassungsänderung soll den ungehemmten Zuzug von Asylsuchenden stoppen. Ein linker Dichter schreitet vorauseilend und beherzt zur Selbstzensur. Die Polizei dringt in eine Kirche ein, um schutzsuchende Flüchtlinge daraus zu vertreiben. Oberstaatsanwalt, Ministerialdirektor und Gerichtspräsident zwingen den Richter, einen jungen Rechtsradikalen – wider besseres Wissen – lebenslänglich zu verurteilen, weil ein weicheres Urteil dem Ansehen Deutschlands in der Welt schaden könnte. Mieter legen Wert darauf, nicht nur nicht neben Ausländern, sondern auch nicht neben Homosexuellen, Linken oder Bibelforschern zu wohnen. Eine Studienrätin wird zur Rechenschaft gezogen, weil sie ihre Schüler über den Holocaust informiert. Das Bestürzende: Diese »Szenen aus dem neuen Deutschland« sind mehr als zwanzig Jahre alt, uraufgeführt 1994, in jenem fernen prä-postfaktischen Zeitalter, als es noch keine AfD gab, von keiner »Flüchtlingskrise« die Rede war und der Präsident der USA Bill Clinton hieß.
Mit Ich bin das Volk setzt das Schauspiel Heidelberg die Beschäftigung mit Franz Xaver Kroetz fort, dessen Furcht und Hoffnung in Deutschland ein Höhepunkt der Spielzeit 2011|12 war. Eine Wiederentdeckung – aus aktuellem Anlass.

Im Anschluss an die Vorstellungen von Ich bin das Volk bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich bei einem Getränk mit dem Ensemble über den Abend auszutauschen. Wir freuen uns auf Sie!

Termine

Fr 22 Dezember
19.30–21.30 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Ich bin das Volk

Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland von Franz Xaver Kroetz

Mi 10 Januar
19.30–21.30 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Ich bin das Volk

Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland von Franz Xaver Kroetz

Weitere Termine
Sa 13 Januar
19.30–21.30 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Ich bin das Volk

Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland von Franz Xaver Kroetz

Do 1 Februar
Zum letzten Mal
19.30–21.30 Uhr > Marguerre-Saal | 18.45 Uhr Einführung

Ich bin das Volk

Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland von Franz Xaver Kroetz

Besetzung

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Ich bin das Volk

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Das Drama der Stunde« sei in Heidelberg zu sehen, konstatiert Björn Hayer in der Deutschen Bühne (Online-Magazin, 26.11.2017). Regisseur Holger Schultze entwerfe hier »auf Basis eines so wuchtigen wie provokativen Stücks eine stimmige Karikatur auf eine erhitzte Gesellschaft«.

     

    Viele Szenen wirkten, als seien sie »heute, in diesem Moment« geschrieben worden, merkt auch Egbert Tholl in der Süddeutschen Zeitung (30.11.2017) an. Schultze treffe den Duktus des Autors genau, »ungeheure Treffsicherheit« besäßen einige der Szenen, »faszinierend« sei die »Energie« des Schauspielensembles. Zuletzt stellt der Rezensent die Frage, ob man rechte Gesinnung »einfach ungefiltert auf die Bühne« stellen könne, und antwortet selbst: »Man kann, man muss, die Wut legitimiert vieles. Spaß macht das nicht, wichtig ist es schon.«

     

    »Beklemmend aktuell« titelt auch die Rhein-Neckar-Zeitung (27.11.2917) und Rezensent Heribert Vogt findet es »absolut erschreckend«, wie sehr das »Wutwerk« des Autors auch heute wieder den »politisch-gesellschaftlichen Nerv der Zeit trifft«. Im Bühnenbild von Martin Fischer, das Deutschland als »wilde Mischung aus Gesellschaftsmaschinerie und Abenteuerspielplatz« zeige, wirkten die Szenen kabarettistisch überhöht bis klischeehaft. Dabei liege die Stärke von Schultzes Inszenierung in der »virtuosen Darbietung der zahlreichen Stimmen mit all den feinen Unter- und Zwischentönen, den raffinierten Doppelbödigkeiten und zielgenauen Pointen«. »Bravourös« die Schauspieler in ihren wechselnden Rollen: »Gekonnt schossen sie alle die Kritikpfeile des Stücks so revueartig zugespitzt wie seelisch erschütternd ins Publikum.«

     

    Im Mannheimer Morgen (27.11.2017) meint Eckhard Britsch, Kroetz’ Stück habe »an Aktualität nichts eingebüßt«, der Text lege »den Finger in die Verwundungen, die dieses Land sich selbst zufügt«. In »variabler Personenführung« und »sehr individuell« lasse Regisseur Holger Schultze sein Ensemble die »typisierten Figuren zeichnen«. Der »ungeteilte Premierenbeifall« hätte Ensemble und Regie wie auch dem Autor gegolten, als dieser sich auf der Bühne zeigte.

     

    Im »konstruktivistischen Bühnenbild« von Martin Fischer, »einem technoiden Dschungel«, realisiere Holger Schultze viele Spielideen, um Kroetz’ Monologe und Dialoge zu »lebendigen Bildern« werden zu lassen, berichtet Harald Raab in der Nachtkritik (25.11.2017). Er setze dabei zu Recht auf »die satirische Perspektive«, indem er »Rollenstereotypen karikiere« und das Normale »ins Groteske verzerre«.