Theater und Orchester Heidelberg
Foto Annemone Taake

La bohème

Oper in vier Bildern von Giacomo Puccini

Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach dem Roman Scènes de la vie de bohème von Henri Murger, 1851

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Jeder Tag ein neues Spiel, eine lustvolle Überlebenskampfkunst am Rande der Existenz: Der Pariser Schriftsteller Rodolfo und seine Künstlerfreunde bauen sich ihr Leben täglich neu aus Fantasie und Tollerei, leichtfertig, immer ohne Geld – und immer in Sehnsucht nach Liebe. Der Maler Marcello ficht Beziehungskämpfe mit der kapriziösen Musetta aus, Rodolfo und die schwindsuchtkranke Näherin Mimì, getroffen vom »coup de foudre«, träumen vom gemeinsamen Leben. Doch gelingen will es nicht; ob aus Angst, aus Armut, oder wegen der Schwindsucht Mimìs – sie trennen sich und finden erst in der Todesstunde Mimìs wieder zusammen.
Was nach traurigem Schicksal aussieht, ist hier jedoch nur noch dünner Vorwand. Die Liebe Rodolfos und Mimìs scheitert nicht an äußeren Umständen, sondern an ihnen selbst: an ihrer Unfähigkeit zu lieben, ihre Liebessehnsucht in einer realen Beziehung zu stillen. Die Armut und selbst die Krankheit werden hier, im Gegensatz zu den Schicksalsdramen des 19. Jahrhunderts, als Abbild und Konsequenz innerer Dispositionen formuliert, als ebenso selbst erschaffen wie die Kunst. In so präziser wie leidenschaftlich-empathischer musikalischer Psychologie wendet Puccini den Blick auf Mensch und Liebe in die Moderne.

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La bohème

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Großes Opern-Kino«, einen »Volltreffer für Augen und Ohren«, erlebte der Rezensent der Rhein-Neckar-Zeitung (31.05.2016) im Marguerre-Saal. Matthias Roth schreibt, Regisseurin Andrea Schwalbach sei hier ein »zu Beginn bezaubernder und schließlich herzbewegender Opernabend geglückt«, unterstützt durch das »variable Bühnenbild« von Nanette Zimmermann, das dem Abend »Leichtigkeit« gebe. »Schön und anrührend«, mit »farbenreichem Sopran« und »perfekter Puccini-Stimme« habe Hye-Sung Na ihre Mimi gezeichnet, »flexibel charakterisierend und unangestrengt wohltönend« der Rodolfo von Andrea Shin. Ein »herrlich streitendes Paar« Irina Simmes und Ipca Ramanovic als Marcello und Musetta – die Sopranistin habe hier ihre »fabelhafte, ebenso nuancenreiche wie strahlende Stimme« zeigen können.

     

    Einen »Tenor wie im Bilderbuch«, erlebte Stefan M. Dettlinger mit Andrea Shin als Rodolfo, dessen »beseelte und klangprächtige« Gestaltung er im Mannheimer Morgen (31.05.2016) begeistert beschreibt, ebenso wie Irina Simmes als Musetta, die »klanglich, darstellerisch und optisch« eine »Frau zum Verlieben« sei. Auch sonst sei einiges Positive zu berichten: Die Regisseurin habe einen »sehr bunten und bewegten Abend« mit »vielen Ideen« gestaltet. Das »latente Augenzwinkern« der Inszenierung mache Spaß und die Beteiligten auf der Bühne, Solisten, Chor wie auch das Philharmonische Orchester unter Gad Kadosh machten ihre Sache gut – insgesamt eine »hervorragende Produktion«.

     

    Das »Leben als Inszenierung« zeigten die vier Künstler-Freunde in Puccinis Oper, die stärksten Momente habe Andrea Schwalbachs Inszenierung da, wo wo sie sich »kammerspielartig ganz auf das Seelenleben« der Protagonisten konzentriere, so Frank Pommer in der Rheinpfalz (31.05.2016). Gad Kadosh am Pult des Philharmonischen Orchesters breite den Solisten den »roten Klangteppich« aus, lasse ihnen »alle Freiheiten«, ihre »großen Kantilenen« auszusingen. Einen »herausragenden Rodolfo« habe mit »außerordentlicher Stimme« Andrea Shin gesungen, Hye-Sung Na als Mimi habe vor allem den Schlussakt »äußerst intensiv« gestaltet.

     

    Ihre stärksten Momente habe die Inszenierung in der »genauen Zeichnung der Figuren« und dort, wo sie sich auf die »Kraft und Emotionalität« von Puccinis Musik einlasse, so Claus Walters in den Badischen Neuesten Nachrichten (01.06.2016). Das Orchester finde im Laufe des Abends unter Gad Kadosh zu »beachtlicher Suggestivität«, sei zum »Garant für den Erfolg« der Premiere geworen. Dazu in hohem Maße beigetragen habe auch das »ausgewogen besetzte Solistenensemble«; besonders Andrea Shin mit »Schmelz und Ausdruckskraft«, »Farbigkeit und Emotionalität« sowie Hye-Sung Na als »begeisternde Mimì«, die mit »cremigen Sopran« ihre Figur »sehr nachdrücklich gestaltet« habe.

     

    Wer bereit sei, sich auf die eher unkonventionelle Interpretation der Regisseurin einzulassen, werde »mit einem grandiosen Spiel auf vielfacher Ebene belohnt«, schreibt Jakob Bauer im ruprecht (06/2016). Hye-Sung Na und Andrea Shin sorgten »vielfach für Gänsehaut-Momente«: »Verzweifelt liebend singen sie sich dem Abgrund entgegen und lassen hierbei besonders in den leisen Momenten die Zuschauer tiefer in die Seelen und Gefühle ihrer Charaktere eindringen, als dies jeglicher Inszenierung möglich wäre.«