Foto Annemone Taake

Pym


  • Uraufführung
  • Oper von Johannes Kalitzke

  • Libretto von Christoph Klimke nach dem Roman The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket von Edgar Allan Poe (1838) und mit Texten von Walter Benjamin und Fernando Pessoa
    Auftragswerk des Theaters und Orchesters Heidelberg

    In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

  • Dauer: 1 Stunde und 45 Minuten
  • Marguerre-Saal

Auf eine Fahrt über das Meer geht der Romanheld Arthur Gordon Pym: blinder Passagier, Schiffbrüchiger, Expeditionsreisender. Katastrophen türmen sich auf, er sieht seltsame  Fabelwesen, gerät in eine Region der vollkommenen Weiße – »es regnet weiße Asche, das Meer kocht milchig …« – und wird schließlich von einem Meeresschlund eingesogen, eine  überirdische Gestalt vor Augen.
Immer neue Fortschreibungen und Deutungen provozierte Poes rätselhafter Roman; eine von ihnen ist die Oper Pym, die der Komponist Johannes Kalitzke, geboren 1959 in Köln, im Auftrag des Theaters und Orchesters Heidelberg schuf. Den dramatischen Szenen des Romans setzt er hier mit Lyrik des 20. Jahrhunderts – vertont für ein  zusätzliches Vokalquartett – Zwischenspiele des Sich-Entfaltens und Neuorientierens entgegen. So wird hörbar, wie sehr die Meeresfahrt, bei aller überbordenden Drastik und Üppigkeit der Szenen, nur die äußere Hülle einer metaphysischen Reise ist: einer Reise der Entdeckungen, neuen Welten, Utopien. Sie führt Pym aus dunkler, sargähnlicher Enge in die Weiten, an einen Ort reinen Denkens – und damit bis in unsere Zeit hinein, in der wir uns zwar nach wie vor mühevoll mit der Materie verstricken, unser Leben aber zugleich immer stärker in immaterielle, virtuelle, geistige Regionen treiben.

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Nachgespräch mit dem Produktionsdramaturgen statt. Alle Zuschauer sind herzlich eingeladen, Fragen zu stellen und ihre Eindrücke zu teilen.

Bilder

Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym); Foto Annemone Taake
Dagang Zhang (Koch), Ipča Ramanović (Augustus), David Otto (Kapitän Barnard), Philipp Stelz (Maat); Foto Annemone Taake
Juan Corres Benito, Charlie Fouchier (Tänzer); Foto Annemone Taake
Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Ipča Ramanović (Augustus), Tänzer; Foto Annemone Taake
Ipča Ramanović (Augustus), Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Charlie Fouchier (Tänzer); Foto Annemone Taake
Ipča Ramanović (Augustus), Tänzer, Bewegungschor; Foto Annemone Taake
Wilfried Staber (Peters), Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Ipča Ramanović (Augustus) (hinten); Foto Annemone Taake
Ipča Ramanović (Augustus), Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Tänzer, Bewegungschor; Foto Annemone Taake
Wilfried Staber (Peters), Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym); Foto Annemone Taake
Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Wilfried Staber (Peters), Tänzer, Bewegungschor; Foto Annemone Taake
Ks. Winfrid Mikus (Kapitän Guy), Bewegungschor, Wilfried Staber (Peters); Foto Annemone Taake
Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Namwon Huh (Weiße Gestalt); Foto Annemone Taake
Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Namwon Huh (Weiße Gestalt); Foto Annemone Taake
Kangmin Justin Kim (Arthur Gordon Pym), Namwon Huh (Weiße Gestalt); Foto Annemone Taake

Videos

Pym

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Uwe Schweikert schreibt in der Aprilausgabe der Theaterfachzeitschrift Opernwelt, das Theater Heidelberg brilliere musikalisch nach der letztjährigen Uraufführung von Johannes Harneits Doppeloper Abends am Fluss/ Hochwasser »erneut mit der phänomenalen Umsetzung einer nicht ganz einfachen Partitur« und behaupte sich erneut als »Ensemblehaus der (zweiten) Moderne«, mit dem jungen »hochbegabten GMD Elias Grandy« am Pult. »Exzellent bis hinunter zur kleinsten Rolle agieren die ganz aus dem Ensemble besetzten Sänger«. Hervorgehoben werden Ipca Ramanovic als Augustus, Wilfried Staber als Peters, der »klangschön singende Tenor Namwon Huh« als Weiße Gestalt sowie das »bestens aufeinander abgestimmte Vokalquartett« mit Rinnat Moriah, Elisabeth Auerbach, Young-O  Na und Zachary Wilson. Überragend der hauseigene Countertenor Kangmin Justin Kim, der die speziell auf ihn zugeschnittene Partie des Pym nicht nur stimmlich souverän, sondern auch mit atemberaubendem Körperspiel bewältigte.«

    Das choreografische Theater, das Regisseur Hans Kresnik entfesselt, sei  ein »faszinierendes Spiel des Absurden und der Grausamkeiten« .

     

    Für das Musikmagazin des SWR2 besuchte Bernhard Doppler die Premiere von Pym und sprach kurz vor der Vorstellung mit Komponist Johannes Kalitzke. Seinen Beitrag, gesendet am 19.02.2016 im Magazin SWR2 Cluster, können Sie hier nachhören.

     

    Musikkritiker Frieder Reininghaus berichtete im Deutschlandfunk von der Premiere in Heidelberg. Seinen Beitrag, gesendet am 21.02.2016 in »Kultur heute«, können Sie hier nachhören.

     

    Für die Online-Ausgabe der Deutschen Bühne (19.02.2016) berichtet Detlef Brandenburg von der Premiere: Komponist Johannes Kalitzke habe einen »faszinierenden Klangkosmos« geschaffen und GMD Elias Grandy sorge mit »bestens gesteuerter Präzision und aufmerksamer Sängerführung« dafür, dass sich die innere Struktur der Musik »optimal entfalten« könne. Überhaupt habe Grandy großen Anteil an den »durchweg exzellenten musikalischen Leistungen« des Abends. »Maßstabsetzend« sei die Interpretation von Kangmin Justin Kim in der Titelrolle, auch Ipča Ramanovićs »klar konturierter Bariton« und der »bassmarkig-herbe« Wilfried Staber machten »ihre Sache hervorragend«. »Absolut hochklassig besetzt« auch die kleineren Partien. Johann Kresnik veranschauliche in seiner Inszenierung mit »beklemmender Dringlichkeit« die Traumata der Hauptfigur, seine Tableaus und Konfrontationen der Körper hätten »wirklich starke Momente«.

     

    Eine »aufgewühlte und aufwühlende Musik« habe Johannes Kalitzke komponiert, in »komplexer Verdichtung seine musikalischen Einfälle in einen üppigen Orchesterapparat« gepackt, schreibt Josef Oehrlein in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (23.02.2016). Kresniks »opulente Inszenierung mit hochvirtuosen akrobatischen Einlagen der Tänzer« passe sich Kalitzkes Vorlage »überraschend gut« an. »Bewundernswert« findet der Kritiker die Leistung des durch Elias Grandy »umsichtig und präzise geleiteten« Heidelberger Orchesters und des Counters Kangmin Justin Kim in der Titelrolle. Dieser sei der »anspruchsvollen Partie« nicht nur mit »facetten- und farbenreicher Stimmführung« gerecht geworden, sondern habe sich auch »körperlich überaus beweglich« gezeigt.

     

    »Voll ins Zeug« gelegt habe sich das Orchester und GMD Elias Grandy sei Herr geblieben über »die blechreich aufrauschenden Klangwogen, den Zusammenhalt von Eloquenz im Graben und auf der Bühne oder dem Triumphieren der Dämonen«, schreibt Joachim Lange für die Welt (27.02.2016) und die Dresdner Neuesten Nachrichten (26.02.2016). Sehr »theaterwirksam« sei diese Musik »mit Sogfaktor« und Regisseur Johann Kresnik zeige sich in »vitaler Hochform«, habe in Heidelberg »alle Register seines Könnens« gezogen – hier habe es so »viel kreativen Tanz wie schon lange nicht bei ihm gegeben«, unterstützt vom Ensemble des Hauses: »Vor allem mit dem fabelhaften Counter Kangmin Justin Kim in der Titelrolle und dem eleganten Bariton Ipca Ramanovic als Augustus bietet das Heidelberger Ensemble zwei junge Sängerdarsteller, die sich auch dem Tanztheaterveteranen anvertraut haben, ohne dass es Abstriche an ihrem vokalen Format gab.«

     

    »Sehr versiert und präzise« sei die »hochanspruchsvolle Partitur« vom Philharmonischen Orchester unter Elias Grandy musiziert worden, so Rainer Koehl in den Badischen Neuesten Nachrichten (23.02.2016). »Bilderstark und nicht selten drastisch« sei die Reise in »die Abgründe menschlicher Psyche« von Regisseur Johann Kresnik auf die Bühne gebracht worden, »vortrefflich umgesetzt« vom Sängerensemble, das der Uraufführung »starkes Profil« verliehen hätte.

     

    »Die Heidelberger Uraufführung dieses Auftragswerks besticht in Johann Kresniks Inszenierung auch durch außerordentlich starke Bilder«, schreibt Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (20.02.2016). Kresnik habe die Musik »sehr genau studiert« und umgesetzt – er arbeite hier »auf der Höhe seiner Bildmächtigkeit«, was die Uraufführung sehenswert mache. »Bewundernswert und mit großem Überblick« habe GMD Elias Grandy die Partitur zusammengehalten. Neben dem »phänomenalen« Kangmin Justin Kim, der die Titelfigur sängerisch wie tänzerisch »fantastisch« verkörpere, machten auch alle weiteren Mitwirkenden die Uraufführung »zu einem packenden pausenlosen Abend«.

     

    In der neuen musikzeitung (19.02.2016) schreibt Frieder Reininghaus, der »smarte Counter« Kangmin Justin Kim schöpfe »das Areal der Befürchtungen so überzeugend aus wie die Untertöne des Hysterischen«, seinem Freund Augustus verschaffe Ipča Ramanović »ein so markantes wie sympathisches Stimm-Profil«. Der »junge Dirigent« Elias Grandy habe die »Feuerprobe«, besser »Äquatortaufe« bestanden und sich als »Kompass im Ungewissen« erwiesen, »steuerte mit sicherer Gewissheit durch die erste komplexe neue Partitur seiner Laufbahn.« Fazit des Kritikers: »In Heidelberg wurde ein Werk promoviert, das weit mehr ist als eine Literaturoper herkömmlicher Machart: Durch die Reduktion der kostümfilmreifen Handlung auf die Lebens- und Sterbens-Probleme des Mr. Pym wurde ein plausibler Zugang gefunden zu einem Bühnenwerk, in dem sich die Choreographie der geschundenen Körper zumindest gleichberechtigt zu den Dimensionen der Stimmen behauptet.«

     

    »Ambitioniertes zeitgenössisches Musiktheater scheint in Heidelberg gewissermaßen solider Opernalltag zu sein«, schreibt Bernhard Doppler im österreichischen Standard (22.02.2016). Johannes Kalitzkes Oper, die ganz auf Heidelberg und das Ensemble zugeschnitten sei, zeige »die Früchte einer solch mutigen Dramaturgie« der hiesigen Opernsparte, die im Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters »eben gerade nicht auf nur spektakuläre Ausnahmeereignisse und Experimente Wert legte, sondern mit Beharren auf Kontinuität setzt«.

     

    Jörn Florian Fuchs berichtet für die Salzburger Nachrichten (22.02.2016), mit »Pym« habe Operndirektor Heribert Germeshausen »wieder einen großen Fisch an Land gezogen«, Dirigent Elias Grandy die Partitur »grandios mit Energie versorgt«. »Von kaum zu überbietender Brillanz« seien die Sängersolisten: »Fulminant« Namwon Huh, »engelsgleich verletzlich« singe und spiele Kangmin Justin Kim und als »vokal und darstellerisch starke Gefährten« würden sich Ipča Ramanović und Wilfried Staber erweisen.

     

    In der Eßlinger Zeitung (04.03.2016) bemerkt Thomas Rothschild, das Heidelberger Theater könne sich bestätigt fühlen: Aufträge an lebende Autoren und Komponisten seien »bei allem Risiko nicht nur statthaft« sondern »unverzichtbar«. Johannes Kalitzke habe hier eine »dichte, von Blechbläsern und Perkussion geprägte,aber eher transparente als auftrumpfende Partitur geschrieben, die sich einen hohen Grad an Autonomie bewahrt und bloß andeutungsweise illustrativ eingesetzt« werde. Mit »Bravour« hätten die Sänger, allen voran Kangmin Justin Kim, die »nicht gerade einfache Komposition« bewältigt.

     

    Im Mannheimer Morgen (20.02.2016) bemerkt Stefan M. Dettlinger, man müsse »Orchester, Solisten, Sänger, Technik und Generalmusikdirektor Elias Grandy loben, dass sie diesen komplexen Abend bedingungsloser Überfrachtung in dieser Qualität stemmen können« und auch den Regisseur Johann Kresnik müsse man loben, dass er »diese für das kleine Heidelberger Theater doch sehr komplexe Mega-Produktion« geschafft habe.

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