Theater und Orchester Heidelberg

Vereinte Nationen

von Clemens J. Setz in der Regie von Holle Münster (Prinzip Gonzo), Volkstheater Wien in Kooperation mit dem Max-Reinhardt-Seminar Wien

Auf den ersten Blick würde man meinen, Martina wird von ihren Eltern nur zu streng behandelt. Das siebenjährige Mädchen muss essen, was auf den Tisch kommt, auch wenn es schon etwas gammelig schmeckt, und falls sie das nicht tut, dann setzt es eine Konsequenz. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich der Horror dieses äußerlich funktionierenden Drei-Personen-Haushalts. Martina wird laufend Verhaltensprüfungen, Vorwürfen und Moralpredigten ausgesetzt (»Den Ton kannst du bei den Vereinten Nationen anschlagen, nicht bei mir!«), bei denen sie nur versagen kann – und die Eltern filmen diese Prüfungen heimlich für ein kommerzielles Videoprojekt mit. In der Cornflakes-Packung ist eine Kamera versteckt. Martina ist unwissentlich die alleinige Hauptdarstellerin eines privaten Dschungelcamps, Vater und Mutter sind die Produzent*innen.

Mounia Meiborg, Kuratorin: »Clemens Setz’ Stück um ein Mädchen, dessen Eltern Geld mit Erziehungsvideos im Internet verdienen, wird hier klug fortgeschrieben. Eine erwachsene Protagonistin zappt sich durch ihre Kindheit: Ist Missbrauch messbar? Welche Spuren hinterlässt er? Und kann man den eigenen Erinnerungen trauen?«

Besetzung

Regie Holle Münster (Prinzip Gonzo) | Künstlerische Mitarbeit Alida Breitag (Prinzip Gonzo) | Bühne und Kostüme Thea Hoffmann-Axthelm | Musik Robert Hartmann (Prinzip Gonzo) | Dramaturgie Michael Isenberg

Mit Philipp Auer, Nélida Martinez, Emilia Rupperti, Clara Schulze-Wegener, Anton Widauer