Theater und Orchester Heidelberg
Probenfoto von Annemone Taake

Wir gratulieren (Mazl tov) / Der Ring des Polykrates

Opern von Mieczysław Weinberg und Erich Wolfgang Korngold

Wir gratulieren (Mazl tov)
Deutsche Erstaufführung der Originalfassung
Oper in zwei Akten von Mieczysław Weinberg
Libretto von Mieczysław Weinberg nach dem Schauspiel Mazl tov von Scholem Alejchem
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Der Ring des Polykrates
Heitere Oper in einem Akt von Erich Wolfgang Korngold
Freie Adaption der gleichnamigen Komödie von Heinrich Teweles
In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Zwei (tragi-)komische Opern verbünden sich zu einem bezaubernd bizarren Opernabend; zwei exilierte Komponisten begegnen einander musikalisch. Unter dem übermächtigen Schatten seines bewunderten Freundes Schostakowitsch verschwand der Name Mieczysław Weinberg, polnischer Jude im russischen Exil, als bloßer »Epigone«. Seine Wiederentdeckung erregt nun allseits große Begeisterung. Der 1897 geborene Erich Wolfgang Korngold hingegen galt als Wunderkind und war einer der bekanntesten österreichischen Komponisten der 1920er-Jahre. Später teilte er jedoch das Schicksal fast aller jüdischen Komponisten seiner Generation: Seine Musik wurde von den Nazis verboten und nach 1945 konnte er nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen.

Wir gratulieren (Mazl tov) ist geprägt vom Humor des ostjüdischen Autors Scholem Alejchem: Vier Dienstboten kommen einander in der Küche über geteilten Frust und viel Klatsch und Tratsch paarweise nahe, wobei »denen da oben« nicht immer zum Lachen zumute sein dürfte. In Korngolds Opernerstling Der Ring des Polykrates hingegen befinden sich Hausherren und Dienerschaft in schönster Einträchtigkeit. Erst ein Gast bringt Unruhe in die Liebeskonstellationen, die aus diesen Prüfungen allerdings gestärkt hervorgehen.

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Wir gratulieren (Mazl tov)/Der Ring des Polykrates

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Dem Theater und Orchester Heidelberg sei »eine spannende und hochklassige Produktion« gelungen, so Elisabeth Richter in ihrem ausführlichen Beitrag für das »Musikjournal« des Deutschlandfunks am 29.05.2017, den Sie im Online-Angebot des Deutschlandfunks nachlesen und hören können. Sängerisch war das gesamte Ensemble ihrer Meinung nach sehr homogen und exzellent besetzt, wobei sie besonders Gloria Rehm, Irina Simmes und Ks. Winfrid Mikus hervorhebt. Ausführlich nimmt die Autorin auch auf das am Premierentag veranstalte Symposion zu »Komponieren und Dichten unter politischer Repression« Bezug.

     

    Ein »grandioser Doppelabend« sei gelungen, titelt die Frankfurter Rundschau (01.06.2017). In ihrer Rezension bemerkt Judith von Sternburg, hier würden zwei Opernraritäten von »großem musikalischem Interesse« auf »äußerst sinnige Weise« verbunden, und vom Philharmonsichen Orchester Heidelberg unter der Leitung von Olivier Pols mit »nebelfreier Leidenschaft« präsentiert. Ein »Feuerwerk an musikalischen Einfällen« zeige Weinberg, Korngolds Einakter sei der »frühe Spaß eines Junggenies«. Fazit: Ein »praktisch unwiderstehlicher Abend mit Werken zweier Komponisten, die permanent gelobt und trotzdem noch unterschätzt werden«.

     

    »Ein großer Abend eines kleinen Hauses«  ̶  so lautet Uwe Schweikerts Fazit in der Opernwelt (07/2017). Yona Kim habe mit der Verknüpfung der beiden Opern einen »glänzenden Heidelberger Doppelabend« gestaltet, unterstützt durch die »szenische Steilvorlage« des »mit genialem Griff« gezeichneten Bühnenbilds von Margrit Flagner. Am »Vergnügen des Abends« hätten auch die Solisten teil, bei Weinberg allen voran »das Heidelberger Urgestein Winfrid Mikus«, der Reb Alter mit »komischer Grandezza spielte und sang, die unendlich berührte«, bei Korngold die »betörend schön singende Irina Simmes« sowie Alexander Geller »mit vorzüglichen Leistungen«. »Exzellent« auch die Leistung des Philharmonischen Orchesters Heidelberg unter dem »hochtalentierten« Olivier Pols.

     

    »Musikalisch auf beachtlichem Niveau« bewege sich diese Doppelpremiere, konstatiert der Rezensent der Badischen Neuesten Nachrichten (30.05.2017), das Orchester verleihe Weinbergs »schroffen Klängen« unter der Leitung von Olivier Pols »prägnante Konturen« und bringe auch Korngolds »Schmelz und die Instrumentationsfinessen immer wieder zum Leuchten«. Aus einem »beachtenswert geschlossenen Ensemble« hebt der Kritiker Irina Simmes und Alexander Geller wie Ipča Ramanović und Elisabeth Auerbach hervor; auch Winfrid Mikus und Gloria Rehm in den kleineren Rollen blieben »in Erinnerung«.

     

    Regisseurin Yona Kim sei die Klammer um beide Opernabende überraschend »überzeugend gelungen«, bemerkt der Kritiker des Opernglas-Magazins (J.-M. Wienecke; 7-8/2017). Durchweg zeugten die Sängerdarsteller von der »bemerkenswerten Qualität des Heidelberger Ensembles«. Als ein den Sängern »aufmerksamer Begleiter« habe Olivier Pols durch beherzten Zugriff »immer wieder für Höhepunkte aus dem Graben gesorgt«.

     

    Beide Werke hätten neben Schwächen in den Libretti musikalisch ihre Stärken, schreibt Detlef Brandenburg in der Online-Ausgabe der Deutschen Bühne (29.05.2017), bei Korngold sei es die hörenswerte, »pubertär überbordende Opulenz«, bei Weinberg der »extrem hybride Stilmix«, ja »kühne Eklektizismus«, der fast modern zu nennen sei. Auf der Bühne funktioniere der Doppelabend nur durch einen »wirklich intelligenten inszenatorischen Zugriff« auf die Werke, den Regisseurin Yona Kim hier auch zeige. Sie bediene sich des »naheligenden Mittels der grotesken Überzeichnung«, so dass der Abend »eine Menge Spaß« bereite, »konterkariere die Groteske« aber auch durch eine »kühne Metaerzählung«, die beide Opern mit einer »raffinierten« Klammer fasse. Man müsse den Abend gesehen und gehört haben, so der Rezensent, auch wegen der »exzellenten Sängerbesetzung« mit Stimmen und Sängerdarstellern auf einem »Niveau, das auch einem weit größeren Haus Ehre machen würde«. Mit »viel Einfühlung« habe schließlich Kapellmeister Olivier Pols der Musik den »richtigen stilistischen und auch rhythmischen Schliff« gegeben.

     

    Die Regisseurin würde hier »eindrucksvoll belegen«, dass beide Werke mit den »realen Lebensläufen der Dichter und Komponisten in Übereinstimmung« zu bringen seien und habe so beide Opern zu einem »geschlossenen« Ganzen gefügt, beobachtet Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (30.05.2017). Den »musikalischen Wiederentdeckungen« habe Olivier Pols »mit hoher Differenzierung klanglich individuelle Farbe und Physiognomie« gegeben, »hinreißend umgesetzt« habe das Philharmonische Orchester Heidelberg die »anspruchsvollen und bei Korngold in ihrer klanglichen Leichtigkeit höchst diffizilen Partituren. »Augezeichnet besetzt« findet er die Partien, allen voran Irina Simmes, Ipča Ramanović und Gloria Rehm mit »exzellenten Stimmen und ausgezeichneter Darstellung« aber auch den »herausragenden« Alexander Geller mit »strahlender Stimme«.

     

    In der neuen musik zeitung online (30.05.) gefällt Joachim Lange, dass Regisseurin Yona Kim beide Stücke mit Blick auf die Biografien der Komponisten »ineinander gespiegelt« habe; ihre »szenische Rechnung« gehe zu der »musikalischen und vokalen Prachtentfaltung beeindruckend« auf, sei »nicht nur klug gedacht«, sondern funktioniere auch szenisch. Auch musikalisch machten »das fabelhafte Ensemble und die Musiker« die »Kombination dieser zwei fremdvertrauten musikalischen Handschriften zwischen Meister-Souveränität und Wunderkind-Geniestreich zu einer Mischung aus Entdeckung und purem Genuss«. Entsprechend sei der Jubel für alle Beteiligten gewesen.

     

    Im Mannheimer Morgen (30.05.2017) gefällt Hans-Günter Fischer vor allem Korngolds Oper, die sehr »hellhörig mit ihrem schönen Schein spiele«, sich stellenweise »selbst demaskiere« als »falsche Opernkulinarik einer prächtigen Salonkomödie«. Gesungen werde hier vor allem in den »Herrschaftsrollen fabelhaft«: Alexander Geller strahle »vokale Siegerlaune« aus, Irina Simmes rasple dazu »betörend Süßholz«.

     

    Für »Cluster«, das Musikmagazin des SWR2, befragte Martin Hagen die Musikredakteurin Lotte Tahler nach ihren Eindrücken vom Premierenabend. Das Gespräch wurde am 29.05.2017 im SWR2 ausgestrahlt, den Audiobeitrag können Sie hier nachhören.