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Leinen los! - Junges Theater im Delta
Die von der BASF SE großzügig geförderte Kooperation des Nationaltheaters Mannheim, des Theaters im Pfalzbau Ludwigshafen und des Theaters & Philharmonischen Orchesters der Stadt Heidelberg hat den Austausch der vielfältigen theaterpädagogischen Arbeiten zum Ziel.
Beim Festival LEINEN LOS! vom 26. bis 29.5.11 präsentieren die Kinder- und Jugendclubs ihre Inszenierungen und Werkschauen in Heidelberg.
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Erfolgreiches Festival 2010!
Das bundesweit einzigartige, von der BASF SE großzügig geförderte Projekt zur kulturellen Bildung, das Vernetzung und Austausch ganz unterschiedlicher theaterpädagogischer Ansätze in der Region fördert, fand in diesem Jahr zum 5. Mal statt. Neben den drei Gründungstheatern NATIONALTHEATER MANNHEIM, THEATER IM PFALZBAU Ludwigshafen und THEATER & ORCHESTER HEIDELBERG war in diesem Jahr als neuer Partner auch die NIBELUNGENHORDE e. V. aus Worms vertreten.
Vom 17. bis zum 20. Juni 2010 trafen sich Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 21 Jahren im THEATER IM PFALZBAU Ludwigshafen, um ihre Aufführungen zu präsentieren. In 14 Premieren und 9 Werkschauen zeigten die Spielclubs ihre Arbeiten, nahmen gemeinsam an Workshops teil und diskutierten über die Vorstellungen des Festivals. Der Höhepunkt für die Teilnehmer war die Übernachtung auf der großen Bühne, in der das Theater zum Zuhause wurde. Ernsthaft und engagiert formulierten die Kinder und Jugendlichen in einer heißen Diskussion über das Theaterspielen und seine Bedeutung ihre Positionen. Das Theater ist für die jungen Leute ein wichtiger Übungsraum und eine Bewährungsprobe für das Leben. „In meiner Klasse könnte ich nie Königin sein, im Theater aber schon. Hier kann ich ganz andere Rollen spielen“, sagte eine Schülerin.
Ludwigshafen: Wenn Sonne und Mond sich streiten
Dreieinhalb Tage lang hieß es im Theater im Ludwigshafener Pfalzbau "Leinen los" für das Jugendtheaterfestival der Metropolregion. Auf vier Bühnen und in allen Foyers tummelten sich rund 350 junge Theatermacher in und zwischen 23 Vorstellungen. Die theaterpädagogischen Projekte der drei großen Bühnen in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg waren in Form von kleineren Präsentationen, halb fertigen, fast fertigen und ganz fertigen Produktionen zu bestaunen. Alles war so unterschiedlich, wie die Kinder und Jugendlichen, die hier mitmachen. Das Festival "Leinen los" ist nicht auf Premieren, sondern auf ganzjährige Theaterarbeit ausgerichtet. Die Mehrzahl der Aufführungen sind Werkschauen, die zeigen, womit sich eine Gruppe gerade beschäftigt und wie weit sie damit ist. Ganzjahreskurse enden in der Regel mit einer fertigen Vorstellung. Weil die Sommerferien in Baden-Württemberg noch fern sind, kamen vor allem aus Mannheim und Heidelberg Produktionen, die noch nicht fertig waren. Viel Fertiges gab es dafür aus Ludwigshafen. "Die drei Musketiere" vom Kinder-Spiel-Theater (KTS) beeindruckten durch Spielfluss und Präzision. Die Brüder-Grimm-Grundschule präsentierte "Die magischen Bücher" nach ihrer Premiere in der Schultheaterwoche. Die Theatergruppe der Schule ist eigenständiger Ludwigshafener Kooperationspartner im Jungen Theater im Delta. Die ebenfalls kooperierende Staatsphilharmonie brachte Humperdincks populäre Oper "Hänsel und Gretel" in der ursprünglichen kammermusikalischen Fassung mit dem Blechbläserensemble der Philharmonie und kleinem Chor. Ursula Hamm-Keller und Jochen Keller haben sie mit 75 Kindern aus Kindergärten und Grundschulen inszeniert. Ganz am Rand sitzen die Musiker. Die liebevoll ausgestattete Riesenbühne gehört den Kindern in ihren märchendeutschen Kostümen: Sie agieren, sprechen, tanzen im Stil des traditionellen Singspiels. Vom Theater in Heidelberg gab es die Jugend-Rockoper "Amadeus on the Rocks". Es fehlte noch die Ausstattung. Die Band war auf einer erhöhten Estrade platziert, die Sänger agierten etwas opernhaft statisch davor. Die zu Grunde liegende Handlung von Mozarts "Zauberflöte" wurde zu einer Gegenwartsgeschichte aktualisiert. In einem Kooperationskurs mit dem Wilhelm-Hack-Museum hat Eva Adorján, die Leiterin der Jugendtheater-Aktivitäten am Pfalzbau, aus Malewitschs berühmtem Bild mit den zwei Quadraten kleine Szenen entwickelt, bei denen die Kinder in farbigen Säcken stecken. Fernsehen bestimmt den Alltag der Kinder. In einer Kooperation Mannheim-Heidelberg wird eine Geschichte um das Raumschiff Orion erzählt, die an einschlägige Serien angelehnt ist. Realistische Abenteuer und Gesellschaftskritik kamen dabei aber nicht recht unter einen Hut. Bei einer Kindergruppe vom Heidelberger Jugendtheater Zwinger versinkt die Erde unter Eis, weil Sonne und Mond sich streiten. Eine kesse Puppe aus dem Kaufhaus rettet die Welt. Ein Masterkurs für sechs junge Regisseure, die im Jungen Nationaltheater groß geworden sind, setzte sich mit dem Mannheimer Spielzeitthema "Grenzenlos" in sechs Minidramen auseinander. Selbst geschrieben, mit reduzierter Ausstattung bildmächtig inszeniert und von jeweils zwei oder drei Kollegen bravourös gespielt, wiesen sie alles auf, was ein gutes Stück ausmacht: fesselnden Text, Atmosphäre und einen dramatischen Konflikt in perfektem Spannungsbogen. Die Theatergruppe der Mannheimer Friedrich-List-Schule zeigte Gruppenszenen über Geld, geldwerte Wünsche, deren Erfüllung oder Verweigerung. Es waren Trainingseinblicke in ihren Weg zu Dürrenmatts "Besuch der alten Dame". Muss das eine Inszenierung werden, wenn schon die Werkschau so mitreißend war? Als neuer Juniorpartner im Jungen Theater im Delta platzierte sich die Nibelungenhorde aus Worms mit Episoden von Franz Xaver Kroetz über Arbeitslosigkeit. Das Festival "Leinen los" ist zu einem Schaufenster für zukunftweisende Theaterarbeit mit jungen Menschen geworden. Es wartet mit einer Fülle unterschiedlicher Ansätze auf und macht die integrative Kraft, die Schiller dem Theater zuschrieb, zum beglückenden Ereignis. (max)

















