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Pressestimmen - Meine Mutter Medea
Theater spricht alle an
Heidelberger Jugendtheater geht in die Schule: „Meine Mutter Medea“ greift aktuelle Themen auf und wird in der Klasse gespielt
Diese beiden Unterrichtstunden hatten es in sich: Schwierige Themen, vor denen man lieber die Augen verschließt, in einer provokant-derben Sprache, die man nur ungern hören will. Probleme wie Migration und Integration, Fremdheit und Anderssein, Trennung und Scheidung standen auf dem Plan, die gerade in Schule tagtäglich ihre (Aus-) Wirkungen zeigen und daher umso mehr der Aufmerksamkeit und des gemeinsamen Austausches bedürfen.
Dieser Aufgabe hat sich Holger Schober in seinem Theaterstück „Meine Mutter Medea“ angenommen, das nun in der Klasse 9b der Waldparkschule im Heidelberger Stadtteil Boxberg uraufgeführt wurde. Es beschreibt den antiken Medea-Mythos der rasen-eifersüchtigen Mutter, die aus Rache auf ihren Mann Jason ihre Kinder tötete, auf ganz neue Weise – nämlich aus der Sicht der ermordeten Kinder.
Diese Stück lässt die Schauspieler ohne Kulisse und Bühne und beabsichtigt die Interaktion mit den Schülern. Es ist ein Ergebnis des Projekts „Young Europe“, mit dem sich der „zwinger3“ und sein Kooperationspartner der Comédie de Genève in Genf am größten europäischen Netzwerk von Theatern, der ETC (European Theatre Convention), beteiligen. „Mit den Klassenzimmerstücken holt das Theater die Schüler direkt in ihrer Lebenswelt ab. Wir wollen damit Hemmschwellen abbauen und zeigen, das Theater alle anspricht, alle angeh und nichts rein Bürgerliches ist“, sagt die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Heidelberg, Annette Büschelberger, über Ziele und Absichten solcher Stücke.
Diese erfordern großes schauspielerisches Können. Denn es gibt zwar einen vorgefertigten Rahmen, doch muss auf Aussagen und Fragen der Schüler spontan reagiert werden. Das Stück bleibt nichts Festes, sondern gestaltet sich im Spielen selbst.
Diese Herausforderung haben die beiden Schauspieler Marianne Kittel (Eriopis) und Cédric Pintarelli als Polyxenos mit Bravour gemeistert. Ohne großes Zögern nahm sich Kittel eine auf dem Tisch eines Schülers stehende Capri-Sonne und löschte damit ihren trockenen Hals, nachdem sie heftig schreiend ihr Schicksal offenbart hatte. Und das ist alles andere als erfreulich: Als Kinder berühmter Eltern müssen die beiden nicht nur auf ihren Vater Jason verzichten, der sich lieber als Held der Weltgeschichte feiern lässt, sonder als Dauer-Flüchtlinge auch immer neu anfangen. Sie fühlen sich immer fremd, anders und ausgegrenzt.
Währen Eriopis mit dieser Situation zickig und arrogant umgeht, mit schwarzer Sonnenbrille die Augen verdeckend, flucht schreit und schimpft und „sich nicht anpassen will, wo man nicht erwünscht ist“, versucht ihr jüngerer schüchterner Bruder Polyxenos stolz auf seine griechische Herkunft und seinen heroischen Vater zu sein. Die Gegensätzlichkeit der beiden offenbart sich im Streit darüber, wie man sich als geflüchtetes Scheidungskind, als „verkorkste Existenz, vaterlos geboren und mutterseelenallein“ angemessen vor einer neuen Schulklasse vorzustellen hat. Die über 2000 Jahre alte Geschichte ist so ganz alltäglich und nah.














