Durch Klicken auf das Plakat kann man den zwinger3- Spielplan september / Oktober als PDF herunterladen!
Pressestimmen - Odysseus' Sohn
Ein Netz voller Geschichten
Uraufführung des Stücks „Odysseus’ Sohn“ von Lee Beagley und Anna Siegrot nach Homer traf auf begeisterte Resonanz
Welcher Jugendliche liest heute eigentlich noch die Sagen des klassischen Altertums? Das zu erfahren, wäre eine Umfrage wert. Die aktuelle Einstudierung des Heidelberger Jugendtheaters könnte da einen passenden Einstieg liefern. Es geht in ihr nicht nur – wie es der Stücktitel vermuten lässt – um Telemachos und seine Vatersuche. Das reiche antike Figurenarsenal versammelt sich auf der Bühne des zwinger3, und tritt einer nicht leibhaftig auf, so wird wenigstens von ihm geredet.
Was nicht darstellbar erscheint, gewinnt dann in der Phantasie Gestalt – dank dem Einsatz der acht Heidelberger Darsteller, die mit ungeheurer Energie, Spielfreude und kraftvoller Körpersprache in die Götter- und Menschenwelt von Homers Odyssee entführen und dabei in 31 (!) Charaktere schlüpfen. Zwar können einige Vorkenntnisse nicht schaden, doch schon aufgeweckte Kinder ab zehn Jahren haben, wie die erfolgreiche Premiere der Uraufführung bewies, viel Spaß am temperamentvoll-witzigen Spiel der engagierten Akteure. Nach zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) wurde anhaltend geklatscht und mit den Füßen getrampelt, nicht nur von den Schülern, sondern auch von den Erwachsenen, die das Hauptkontingent des Publikums stellten, denn die Jugendtheaterpremiere fand diesmal ausnahmsweise am Abend statt, wo Kinder eigentlich im Bett liegen sollten.
Der englische Regisseur Lee Beagley hat mit der Ausstatterin Anna Siegrot eng zusammengearbeitet, so dass eine dichte und ungemein atmosphärische Inszenierung „nach Homer“ zustande kam. Schon gleich zu Beginn, als in einem Kessel ein Feuer lodert und zu dem auf der Bühnenmitte aufgebauten historisierenden Szenarium eine suggestive Klangkulisse wabert, wird man in den Sog der Handlung gezogen, und das „Heutige“ tritt in Gestalt der Großmutter auf, die sich, das Notebook auf den Knien, an ihren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Mann erinnert und der Enkelin erzählt, dass ihre Mutter den Vater nie kennen lernte – ähnlich wie Telemach, der zwanzig Jahre alt wurde, bis der durch die Meere irrende Odysseus endlich zuhause auftauchte.
Rückblenden, Erzählungen, auch Projektionen lockern die Handlung auf, die den Trojanischen Krieg (Ilias) als Vorgeschichte der Seefahrergeschichten des Königs von Ithaka nicht ausklammert. Davon erzählt eingangs Agamemnon, und der körperlich missgebildete Theresites, der nur an einer Stelle der Ilias vorkommt, hält die Fäden der Handlung zusammen. Michael Schwyter gibt ihn, äußerlich abstoßend, mit eindrücklicher Selbstverleugnung und nicht zum Wiedererkennen. Zum Abschluss präsentiert er sein „Netz voller Geschichten“.
Es ist also eine spannende tour d’horizon, die hier abläuft, eine Zeitreise, die das Einst mit dem Jetzt verknüpft und den Zuhörer auch das Allzu-Menschliche der griechischen Götterwelt vor Augen führt. So zankt sich die auf dem Olymp thronende Athene auf eine Weise, die auch bei Normalsterblichen üblich ist, und nach temporeichen Szenen gibt es immer wieder Ruhepunkte und auch einiges zu lachen. Viel Gewalt kommt vor, doch es geht auch um die Sehnsucht nach Frieden, um Ehre, Feigheit und die Kraft der Erinnerung. Für witzige Gags sorgen das Trojanische Pferd en miniature oder der genial ersonnene Auftritt des erbosten Poseidon.
Die vorbildliche Ensembleleistung der phantasievoll ausstaffierten Akteure erfordert Respekt. Sie sind ständig gefordert, nicht nur der ausgezeichnete Cédric Pintarelli als wandlungsfähiger Odysseus, sondern auch Dominik Knapp, Marianne Kittel, Carla Weingarten, Kerstin Ohlendorf, Sigrid Meßner und der großartige Massoud Baygan.
Rhein-Neckar-Zeitung, 7./8.03.09, Heide Seele
Schauspiel: Mit "Odysseus' Sohn" wird Homers Epos als fulminantes Spektakel auf die Bühne des Heidelberger zwinger3 gebracht
Schlachten, Schauder oder Schattenspiel
Am Ende bot die Bühne ein Bild der Verwüstung; schließlich war sie gerade noch das Schlachtfeld gewesen, auf dem sich ein 20-jähriges Gemetzel abgespielt hatte: Der Kampf eines griechischen Helden zunächst an Land um die verletzte Ehre des Agamemnon, dann auf See, "von den verärgerten Göttern herumgeblasen". Doch noch ein zweiter stillerer Kampf hatte hier stattgefunden: der eines Jungen mit dem Erwachsenwerden und seine Auseinandersetzung mit dem Vater, den er nur aus Erzählungen kannte. Homers Odyssee und Telemachie - das gewaltige Epos aus 24 Gesängen, verfasst in 12 200 Hexameterversen - im Zeitraffer von zwei Stunden Schülern ab neun Jahren lebendig vor Augen zu führen, das gelang dem englischen Autor Lee Beagley mit einer grandiosen Bühnenfassung.
In einer äußerst aufwändigen Ausstattung von Anna Siegrot wurde "Odysseus' Sohn" im Heidelberger Kinder- und Jugendtheater zwinger3 uraufgeführt als ein fulminantes, nicht selten humorvolles Spektakel aus Götterberatungen, Schlachten und Irrfahrtstationen, aus Erzählungen, Puppen- und Schattenspiel.
Während im alten Griechenland die Feuerschale auflodert und vom Mut und den Qualen des König Odysseus kündet, sitzt die Professorin des 20. Jahrhunderts über den Schriften Homers und beantwortet die Fragen ihrer Enkelin. Bald schon verschmelzen beide Situationen und verdeutlichen die ewige Gültigkeit der Frage nach Sinn und Unsinn des Krieges und dem Eintreten für die Ehre. Der Suche des Telemachos nach Erkenntnis stellt Beagley zwei homerische Randfiguren hilfreich zur Seite: den verunstalteten rebellischen Krieger Theresites sowie die wissende Amme Eurykleia. Beide begleiten das Aufeinandertreffen von Vater und Sohn als einen Prozess aus Rache und Vergebung.
Ein großes Lob an das achtköpfige Ensemble, das hier rasant mehrere Rollen bewältigte und höchst überzeugend in das Leben der Antike blicken ließ.
Mannheimer Morgen, 11.03.09, Christine Altmann
Mit mächtigen Bildern
Verspieltes und Gewichtiges: Kinder- und Jugendstücke bei den Theatertagen in Freiburg
(...) Ganz großes Theater zeigte das achtköpfige Ensemble des Kinder- und Jugendtheater zwinger3 Heidelberg mit seiner opulenten Inszenierung „Odysseus' Sohn“ von Lee Beagley und Anna Siegrot. Gebannt folgte das junge Publikum im Freiburger E-Werk über zwei Stunden lang den Irrfahrten dieses unbeirrbaren Helden und damit auch zeitlosen Fragen nach Vorbildern, Rache und Vergebung.
Was selten mit so komplexen, mythologischen Stoffen funktioniert, gelingt hier fabelhaft: Verspielt, voller Spannung, Witz und Magie vollzieht sich der Transfer ins Hier und Jetzt. In einem Feuerwerk aus Ideen, Requisiten und unterschiedlichen Mitteln wie Schatten-, Figuren- und Maskentheater verzahnen sich unterschiedliche Spielebenen und Parallelschauplätze zur aufregenden Theater-Zeitreise (Regie: Lee Beagley, Bühne und Kostüme: Anna Siegrot).
Saß die Enkelin eben noch mit Oma gemütlich im Sessel über Homers Geschichten, steuert sie schon wenig später das Floß mit Odysseus und seinen Gefährten durch Poseidons wütende Wellenberge. Ihr Ziel: Dem Sohn Telemachos unbedingt seinen Vater zurückbringen! Schließlich starb auch ihr unbekannter Opa vor sechzig Jahren als vermeintlicher Kriegsheld an einem griechischen Strand... Das ewige Rad der Rache und des Blutvergießens stoppen – ein Thema so alt wie die Menschheit.
Das Kinder- und Jugendtheater zwinger3 Heidelberg setzt es seinerseits schillernd in Szene: mit schnellen Schnitten, mächtigen Bildern, viel Spaß, Aktion und jede Menge Grübelstoff. So lebendig kann Kindertheater sein!
Badische Zeitung Freiburg, 28.06.09, Marion Klötzer















