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AMPHITRYON
Lustspiel nach Molière von Heinrich von Kleist
Wiederaufnahme wegen des großen Erfolgs
Regie Simone Blattner
Kostüme Claudia Gonzáles
Dramaturgie Katrin Breschke
Mit Daniel Stock, Paul Grill, Susanne Buchenberger, Ute Baggeröhr, Frank Wiegard, Matthias Rott
Premiere Do 8.7., 20.30 Uhr, Dicker Turm
Weitere Termine Mo 12.7., Di 20.7., Mi 28.7., Do 5.8.,
Zusatzvorstellung wegen der großen Nachfrage: Fr 6.8.
Von der Nacht der Nächte, die alles ins Schwanken bringt
„Auch der Olymp ist öde ohne Liebe.“ Deshalb macht sich der Göttervater Jupiter auf den Weg zur Erde. In Gestalt Amphitryons nähert er sich dessen Frau Alkmene, die ihren Mann im Krieg gegen die Athener glaubt. Fünf Monate verzichtet sie bereits auf ihren Gatten. Beglückt nun über die Heimkehr und berauscht nach einer außergewöhnlichen Liebesnacht (durch die Macht und Hilfe der Götter dauert die Nacht mit Jupiter ganze 17 Stunden), geht Alkmene in ihrer Liebe für den Idealgatten auf. Als am Morgen aber der wirkliche Amphitryon vor ihr steht, beginnt nicht nur eine Verwechslungskomödie sondern auch eine Tragödie um die Identität.
Wer geht dort?
Ich.
Was für ein Ich?
Meins mit Verlaub.
Alkmene traut sich selbst und ihrem Gefühl nicht mehr. Amphitryon geht in seiner Eifersucht auf, klagt Alkmene des Ehebruchs an, sieht seine Ehre und sein öffentliches Ansehen in Gefahr. Jupiter dagegen will eigentlich nur gemeint und geliebt werden. Die aufrichtige Liebe Alkmenes zu Amphitryon verzückt Jupiter, macht ihn aber auch einsam.
Komische Züge zeigt die Parallelhandlung um das Dienerehepaar: Sosias und Charis. Nach elf Ehejahren ist hier die feurige Verliebtheit bereits längst vorbei. Auch Charis wird von einem Gott in Gestalt ihres Ehemannes besucht, Merkur – der hat aber bei weitem nicht so viel Lust wie Jupiter, sich auf erotische Abenteuer einzulassen. Lieber bringt er Sosias durcheinander, der für alle der Prügelknabe ist. Als Narrenfigur fasst Sosias die abgesprochene Identität durch den eigenen Doppelgänger und den Doppelgänger Amphitryons zusammen:
Und kurz ich bin entsosiatisiert,
Wie man Euch entamphitryonisiert.
Als Jupiter das Verwirrspiel am Ende auflöst, schenkt er dem Ehepaar Alkmene und Amphitryon zwar den Halbgott Herakles als Sohn, lässt die beiden aber auch mit allen ausgesprochenen Vorwürfen und Unsicherheiten allein. Die Unfassbarkeit der Geschehnisse kann Alkmene nur noch mit einem kurzen „Ach“ kommentieren.
Der Stoff aus der antiken Mythologie wurde von zahlreichen Dichtern bearbeitet. Heinrich von Kleist plante zunächst eine Übersetzung der Komödiebearbeitung von Molière. Seine Arbeit ging darüber weit hinaus. In Grundzügen übernahm Kleist den Text zwar wortgetreu, weitete aber die satirisch-burleske Gesellschaftskomödie Molières zu einem tragischen Schauspiel um Identitätskrisen und Entfremdung aus. In einer Sprache, die durch Prägnanz und Rhythmus besticht, mit Hintersinn und Ironie arbeitet, erzählt Kleist die ungeheuerlichsten Begebenheiten. Alle seine Figuren geraten in existenzielle Ausnahmesituationen, unterliegen (Selbst-)Täuschungen, sehen sich auf sich selbst verwiesen, ohne zu wissen, was dieses Selbst ist und können sich anderen oft nicht verständlich machen. Sie gehen auf schwankendem Boden.
„Als die Sonne herabsank war es mir, als ob mein Glück unterginge. Mich schauderte, wenn ich dachte, dass ich vielleicht von allem scheiden müsste, von allem, was mir teuer ist.“
Heinrich von Kleist an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge in einem Brief vom 16.11.1800

















