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Pressestimmen - 2. Kammerkonzert
Wie gemalt von Kandinsky
„Zwei mal zwei“: Kammerkonzert im Heidelberger Prinz Carl
Was wäre der Mensch ohne die Malerei? Was ist er mit ihr? Wenn die Sprache vor einer Musik versagt, dann gibt es da immer noch bildnerische Vergleichsebenen, die dem Hörer durch den Geist spuken, mangels bestehender Begrifflichkeit. So geschehen bei dem zweiten Kammerkonzert „Zwei mal zwei“ unter der Mitwirkung von Barbara Rosnitschek (Flöte), Sophia Brenneke (Fagott), Tomasz Daroch (Cello) und Michael Schneider (Kontrabass). Die Solisten, die abwechselnd als Bläserensemble und als Streicherduett Werke von Robert Lindley und Beethoven bis zu Hans Kunstovny, Pierre Gabaye und Alan Leech vortrugen, sind versierte, erfahrene Spieler, zeichnen sich durch Temperament, ein feines, differenziertes Ausdrucksvermögen und ein sensibel-intelligentes Zusammenspiel aus. Besonders Rosnitschek konnte ihre Meisterschaft bei der Wiedergabe der Carmen-Fantasie-Bearbeitung von François Borne präsentieren. Darochs Interpretation der Kammermusik-Miniatur „Das Kurze und die sechzehn noch kürzeren“ von Kunstovny lud zu mancher Erheiterung ein. Als lustiger Einfall, in dem die einzelnen Sätze von Takt zu Takt kürzer werden, bis nur noch ein Bogenstrich im leeren Luftraum übrigbleibt, mag die Komposition hingehen. Eine Parodie auf die Tonkunst ist das vielleicht, so wie Magrittes Bild einer Pfeife, die keine ist. Und die anderen Werke? Alain Webers „Sonatine für Flöte und Fagott“ aquarelliert ein ruhiges Stimmungsbild sich überlappender Legatolinien. Pierre Gabayes Sonatine für dieselben Instrumente romantisiert die Moderne, und Alan Leechs „Ranch-on Danzon“ für Holzbläser entwirft Arrangements weich gezeichneter Balken, die in ihrer Geometrie einen Mondrian und in ihrer Asymmetrie einen Kandinsky in den Sinn kommen lassen. Kandinsky, den Synästheten, dem keine bessere Methode einfiel, seine musikalischen Kompositionen für die Ewigkeit festzuhalten, als Bilder zu malen, konnte Töne in Farben sehen. Architektonische Linien, die dazu passen, lieferte das Streicherduo mit Alfred Schnittkes „Hymnus II“, der zwischen finstren Tiefen und beängstigenden Höhenlagen keine Mitte fand. Am Ende zitierte Harald Genzmer in seinen „Sechs Bagatellen“ für Cello und Kontrabass die Kinderlieder „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ und „Sur le pont d’Avignon“: Auch diese Persiflage gelang, das Publikum lachte. Doch war da nicht auch etwas Ratlosigkeit?

















