Das ist Theater!
»Wollen wir ein Theater bauen?« fragt Prinz Leonce seine Prinzessin Lena in Georg Büchners Lustspiel. Dem 1. Akt vorangestellt hat er das Motto »O wär ich doch ein Narr! Mein Ehrgeiz geht auf eine bunte Jacke«. Es ist ein Zitat aus Shakespeares Komödie Wie es euch gefällt. Der Melancholiker Jacques sagt es über den Clown Touchstone, beide sind Selbstporträts ihres Autors William Shakespeare, beide sind Verkörperungen des Theaters selbst. Am Rande der Katastrophe singen diese Leute die schönsten Lieder, geben sich den zartesten, heitersten Liebes geschichten hin in diesem romantischen, so grünen, so schönen, so idyllischen, so bedrohlichen, so bedrohten Wald von Arden, zu dem das Theater an diesem Abend wird. In der Zusammenhanglosigkeit der Szenen dieser Komödie hat Georg Büchner die Zusammenhanglosigkeit eines menschlichen Schicksals wiedererkannt. Der Wald von Arden, das ist die Welt, die er in Leonce und Lena heraufbeschwört. Büchners ironische Stilbrüche zwischen romantischer Gefühlstiefe und der Banalität des Alltagslebens haben Alfred Jarry zu seinem König Ubu inspiriert, jenem tolldreist durchgeknallten Theaterkönigsdrama, das als Initialzündung des absurden Theaters gilt. Die ganze Welt ist eine Bühne: Das sagt nicht erst Samuel Beckett, sondern bereits Jacques in Wie es euch gefällt, der Melancholiker, der so gern ein Clown sein möchte. Theater ist kontrollierter Beziehungswahn. Die ganze Welt ist eine Bühne. Das Heidelberger Stadttheater hat jetzt sogar zwei Bühnen. Drei Sparten unter einem Dach! Willkommen zu Hause.
Jürgen Popig
Leitender Dramaturg Schauspiel