Foto Klaus Fröhlich
Musiktheater

Marco Attilio Regolo

Fr 10.02.2012, 19.30 Uhr
  • Deutsche Erstaufführung
  • Zum letzten mal!
  • Mit Werkeinführung 19.00 Uhr
  • Dramma per musica in drei Akten von Alessandro Scarlatti
  • Text Matteo Noris
    In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

    Im Rahmen des Winter in Schwetzingen

  • Beginn: 19.30 Uhr
  • Dauer: ca. 3 Stunden und 20 Minuten, inkl. 1 Pause
  • Rokokotheater Schloss Schwetzingen
Zur Zeit des Ersten Punischen Krieges: Der römische Feldherr Marco Attilio Regolo ist von den Karthagern für die Friedensverhandlungen nach Rom geschickt worden. Dem Karthager Amilcare wurde Eraclea zur Braut versprochen – er ist jedoch in Fausta verliebt, die Frau des Attilio Regolo. Als dieser zurückkehrt und erklärt, der Senat von Rom habe beschlossen, den Krieg fortzusetzen, lässt Amilcare ihn gefangen nehmen und befiehlt dessen Ermordung. Fausta jedoch bleibt standhaft und will sich nun selbst in den Tod stürzen, um dem Gatten weiter treu zu sein. Amilcares Untergebener Santippo wiederum liebt Emilia, die Tochter Attilios und Faustas, und stellt dem Vater die Freiheit in Aussicht, wenn dieser ihm Emilia zur Frau gibt …
Die in freier Form aufgegriffenen Kriegshandlungen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus geben in diesem Dramma per musica von Alessandro Scarlatti, einem der bedeutendsten Vertreter der Neapolitanischen Oper, Anlass zu allerlei Missverständnissen und Liebesintrigen, die in die politischen Ereignisse verwoben sind. Als die verfeindeten Heere erneut zum Kampf zusammentreffen, scheinen sich die persönlichen Wogen zu glätten.

Besetzung


Bilder

Marco Attilio Regolo
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Pressestimmen

  • Regisseurin Eva-Maria Höckmayr transportiert das Stück behutsam in die Gegenwart und bleibt dabei ganz nahe an der Musik. (...) Bühnenbildnerin Nina von Essen nutzt mit großem Geschick die Möglichkeiten der kleinen Bühne im Schwetzinger Rokoko-Theater. Ein Teil des Raumes lässt sich in die Höhe ziehen, was Parallelaktionen ermöglicht, bei denen oft auch Figuren präsent bleiben, die gerade keine Arien singen.
    Auch musikalisch präsentiert sich das Ensemble auf der Höhe zeitgenössischer Barockaufführungen. Man spürt in jedem Ton, dass die Heidelberger Philharmoniker sich im Stil der Zeit inzwischen gut auskennen. (...) vor allem wird leidenschaftlich und emotional musiziert. Dirigent Rubén Dubrovsky verbindet Lust am Affekt mit großem Atem. Besonders schön gelingen die Rezitative, die zum Teil ungewöhnlich instrumentiert sind und nicht einmal einen Anschein von Routine hören lassen. Neben zwei guten Countertenören (Terry Wey und Antonio Giovannini) überzeugen vor allem Sharleen Joynt als stets selbstmordbereite Gattin Fausta und die junge Annika Sophie Rittlewsky als Tochter Emilia. Wie sie nach lyrisch nuancierten Tönen gegen Ende immer dramatischer und schließlich zum Zentrum der Aufführung wird, ist schauspielerisch wie gesanglich umwerfend. Hye-Sung Na als trotz Demütigung um ihre Liebe kämpfende Prinzessin und der sehr sauber singende Tenor Daniel Johannsen als im Liebesdurcheinander fast versinkende Spartanerführer komplettieren ein fabelhaftes Ensemble.
    In der neapolitanischen Oper des Barock scheint das Wühlen nach seither ungespielten Stücken großen Gewinn zu versprechen. Es würde zumindest nicht verwundern, wenn von Schwetzingen eine Wiederentdeckung des Musikdramatikers Alessandro Scarlatti ausgehen würde.

    Deutschlandradio Kultur, Fazit, Stefan Keim, 25.11.2011
  • Für Deutschlandradio Kultur berichtete Stefan Keim am 25.11.2011 in der Sendung Fazit. Den Audiobeitrag können Sie im Audio-on-demand-Bereich des Deutschlandradio hören.
  • Eva-Maria Höckmayr macht aus der barocken Melange aus Obsessionen und großer Staatsaktion ein Psychokammerspiel von heute, bei dem die Protagonisten im modernen Party-Outfit von Julia Rösler stecken und sich an einer zum Teil in die Höhe und Einsamkeit entschwebenden Tafel von Nina von Essen bekriegen.
    Barock „rockt“ aber nicht nur als absurdes Theater, sondern vor allem als musikalisches Feuerwerk. Und da legt sich Rubén Dubrovsky mit einer erstaunlich historisch auftrumpfenden Formation des Heidelberger Orchesters gewaltig ins Zeug. Er entfesselt in seiner (um die komische Nebenhandlung bereinigten) Fassung eine Dauererregung ohne Durchhänger. Dabei hat er ein handverlesenes junges Sängerensemble zur Verfügung, das zur Hochform aufläuft. Der Countertenor Antonio Giovannini, bei Muti 2009 in Salzburg in „Demofoonte“ zu hören gewesen, ist als Amilcare eine Entdeckung: kraftvoll sicher, spielfreudig mit wunderbarem Timbre.
    Salzburger Nachrichten, Joachim Lange, 30.11.2011
  • Rund 300 Jahre nach ihrer Uraufführung erlebte Alessandro Scarlattis Oper «Marco Attilio Regolo» am Freitagabend im ausverkauften Rokokotheater im Schwetzinger Schloss seine umjubelte deutsche Erstaufführung.
    Regisseurin Eva-Maria Höckmayr wurde ebenso beklatscht wie Dirigent Rubén Dubrovsky, der für eine überzeugende musikalische Umsetzung sorgte. Das Publikum erlebte einen gelungenen Auftakt für das Barockfest «Winter in Schwetzingen». Das Heidelberger Theater lieferte mit dieser Ausgrabung einen echten musikhistorischen Coup. (...)
    Das Schwetzinger Team (Dramaturgie: Heribert Germeshausen) hat «Marco Attilio Regolo» beherzt auf drei Stunden gekürzt und die komödiantische Nebenhandlung radikal gestrichen. So erlebt man ein schlüssig konzipiertes, rasantes Kammerspiel. (...)
    Regisseurin Eva-Maria Höckmayr inszeniert das als Cocktailparty mit tödlichem Ausgang. Die Teilnehmer stecken in modischen Gewändern (Kostüme: Julia Rösler). Nina von Essen zeigt mit ihrem Bühnenbild, wie man auf der kleinen Bühne des historischen Rokokotheaters mit modernsten technischen Tricks für ständige Bewegung sorgt. Bei Scarlatti gibt es am Schluss das übliche harmonische Happy End. In Schwetzingen kann Marco Attilio Regolos Tochter Emilia die Verlogenheit nicht ertragen: Sie ballert die feine Gesellschaft, die gerade ihren finalen Lobgesang auf die Liebe absolviert hat, mit dem Jagdgewehr einfach nieder.
    Der argentinische Dirigent, Musikforscher und Ensemblegründer Rubén Dubrovsky sorgt mit dem bestens aufgelegten Philharmonischen Orchester Heidelberg für einen federnden, schlackenlosen Barock-Sound.
    Terry Wey (Marco Attilio) und Antonio Giovannini (Amilcare) sind zwei Counter auf hohem Niveau. Sharleen Joynt (Fausta) (...) fand rasch zu überzeugender Form. Annika Sophie Ritlewski (Sopran) als Tochter Emilia wechselte überzeugend zwischen zarter Kantilene und dramatischem Furor. Auch Hye-Sung Na als verschmähte Königin Eraclea und Tenor Daniel Johannsen (Santippo) sangen und spielten auf Festival-Niveau.

    dpa, Deutsche Presse-Agentur, Martin Roeber, 26.11.2011
  • (....) Dubrovsky versteht es auch, eine Formation des Philharmonischen Orchesters Heidelberg zu aufführungspraktischem Engagement und überzeugendem Barockklang anzuspornen, wie sein Dirigat der ausgegrabenen Oper "Marco Attilio Regolo" von Alessandro Scarlatti zeigt. Eine vielversprechende Konstellation für die nächsten Jahre, in denen der Schwerpunkt des Winterfestivals auf der Neapolitanischen Schule liegen soll (...). (...)
    Der Ton ist hoch, im doppelten Sinne, die tiefste Stimme ein Tenor. Wurden zu Scalattis Zeit alle übrigen Partien von Kastraten gesungen, verkörpern in Schwetzingen zwei ausgezeichnete Countertenöre, Terry Wey und Antonio Giovannini, die männlichen Hauptfiguren in einem gemischten, bemerkenswert ausgeglichenem und mit barocker Gesangstechnik vertrautem jungen Ensemble.
    Süddeutsche Zeitung, Kristina Maidt-Zinke, 17.12.2012
  • In der gescheit modernisierenden und dabei sinnlichen Deutung von Eva-Maria Höckmayr kommt die Geschichte als Psychokammerspiel daher. Die Hakenschläge des barocken Intrigenknäuels aus Obsession und großer Staatskulisse funktionieren als absurde, dekadente Übersteigerung eben auch dann, wenn ihre Protagonisten im modernen bürgerlichen Party-Outfit stecken. (…)
    Höckmayr verschweigt das vorgesehene Zusammenfinden freier glücklicher Paaren nicht. Sie zeigt aber, welchen Preis so etwas hätte. Die gefangenen Frauen sind bei ihr so tief traumatisiert, dass die junge Emilia dem Opernglück mit einem kleinen Amoklauf ein Ende setzt. Höckmayr und ihr Team bestehen damit auch noch die letzte Nagelprobe für das Gelingen einer ambitionierten Barockinszenierung. So kann man sich eine fast 300 Jahre verspätete Scarlatti-Inszenierung jenseits musealer Andacht kaum besser wünschen!
    Die Welt, Joachim Lange, 30.11.2011
  • Die Handlung, die sich aus solchen emotional aufgeladenen Konstellationen zwischen Liebe und Politik entwickelt, ist – auch wenn sie gelegentlich verwirrend scheint – voller bühnenwirksamer Möglichkeiten. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr wusste sie zu nutzen und macht daraus ein differenziertes psychologisches Kammerspiel auf Nina von Essens Bühne, die sowohl in der Vertikalen als auch in der Tiefe alle Gegebenheiten des Rokokotheaters positiv nutzt. Die Figuren selbst sind prägnant gezeichnet, das Ganze wird spannend erzählt und wartet mit einem unerwartet tragischen Ende auf. Die frühere Assistentin von Claus Guth legt eine durchdachte, solide Arbeit vor, die auch im Heute (Kostüme: Julia Rösler) durchaus stimmig ist.
    Eine kleine Sensation sind die sechs Vokalisten dieser Produktion, die Festspielglanz verbreiten. Neapel war die Wiege der Kastraten, und so sind die durchweg hohen Stimmlagen – ein Tenor ist das Fundament des Ensembles – ganz typisch für die neapolitanische Oper. Neben drei Frauenstimmen stehen in Schwetzingen zwei Countertenöre auf der Bühne: Terry Wey in der Titelrolle ist stimmlich der lyrische Typ, geschmeidig, ohne einem Dauerlegato zu verfallen, und warm im Ton. Antonio Giovannini als sein karthagischer Gegenspieler Amilcare dreht dagegen in virtuosen Koloraturen richtig auf, hat kraftvolle Spitzen und zeigt fast zirzensische Gurgelakrobatik. (…) Von den Frauen ist Annika Sophie Ritlewski in Heidelberg gut bekannt und gibt Tochter Emilia mit fein geschliffener Stimme, höhensicher, ohne Registerbrüche und mit edlen Farben: eine fantastische Sängerin, sehr diszipliniert in der Stimmführung, aber ebenso emotional agierend auf der Bühne. Sie spielt die 16-17-jährige Göre sehr überzeugend und wandelt sie dabei zur entschlossenen Erwachsenen. Ein großartiges Rollenprofil.
    Sharleen Joynt als ihre Mutter Fausta setzt sängerisch mehr auf Volumen (…). Als Darstellerin bewies sich die Kanadierin besonders talentiert, und sie singt auch noch, wenn’s staubt. Alle Achtung! Hye-Sung Na als Eraclea, die Verlobte des Karthagerherrschers, ist durchaus vertraut mit dem Barockgesang und verzierte die Dacapos ihrer Arien ganz geschmackvoll. Außergewöhnlich ist der österreichische Tenor Daniel Johannsen als Santippo. Die Rolle in der Scarlatti-Oper wächst im Laufe des Abends, und so hat man immer mehr von seinem Gesang, je weiter das Stück fortschreitet. Sein Ton ist kraftvoll, aber leicht, die Höhe mühelos, aber auch das mittlere und tiefe Register sind perfekt und tonschön. Dieser Sänger ist ein ganz Großer.
    Das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg (…) hat den Wechsel zum neuen musikalischen Leiter Rubén Dubrovsky gut bewältigt. Der Klang des Orchesters ist im weitesten Sinne historisch, die Streicher musizieren ohne Vibrato und artikulieren mit kurzem Barockbogen, das Blech ist „naturbelassen“, nur die Holzbläser sind „modern“.
    Rhein-Neckar-Zeitung, Matthias Roth, 28.11.2011
  • Das dortige Theater ist ideal geeignet, um die Intimität des Kammerspiels herbeizuzaubern. Alessandro Scarlatti, um 1700 Mitbegründer des neapolitanischen Opernstils, vermengt in seiner 1719 uraufgeführten Oper „Marco Attilio Regolo“ historische Politik mit privaten Seelenzuständen (…).
    (...) Der – aus heutiger Sicht – seltsame Plot ist typisch für die Barockoper, doch mit der deutschen Erstaufführung macht die Inszenierung plausibel, dass die Probleme recht zeitübergreifend verstanden werden können, weil egomanes Verhalten den Blick trübt und Verblendung abstruse Folgen haben kann. Die Aktualität unterstreicht Julia Rösler durch heutige Kostümierung der Protagonisten, und die szenische Umsetzung beinhaltet hohen Unterhaltungswert.
    Die Heidelberger Philharmoniker haben sich in den letzten Jahren, als beim „Winter in Schwetzingen“ die venezianische Oper im Mittelpunkt stand, eine hohe Kompetenz in historischer Spielweise erarbeitet. Dirigent Rubén Dubrovsky nutzt diese, um dieser Oper griffiges Gepräge voller Affekte durchaus auch mit harten Kanten zu verleihen. (…) Die Garde der Sopranistinnen führt Sharleen Joynt als Fausta an, denn von Hysterie bis hinreißend schöner Linie gibt sie dieser Figur attraktives Profil. Annika Sophie Ritlewski wird schon vom Äußeren her zur idealen Verkörperung eines Backfischs, und ihre Stimme kann inniges Leuchten ebenso wie liebestolle Verzweiflung ausdrücken. Und Hye-Sung Na besticht als Eraclea durch klare Stimmführung und burschikosen Ausdruck. Bei den Herren gefällt vor allem der variable Tenor von Daniel Johannsen als Santippo, der zum Befreier der Gefangenen wird. Terry Wey bietet in der Titelpartie einen runden, ja oft samtenen Counter auf (...).
    opernnetz.de, Eckhard Britsch, November 2011
  • Dem Theater Heidelberg (…) gelang mit der Ausgrabung der Oper „Marco Attilio Regolo“ von Alessandro Scarlatti eine kleine Opernsensation. Das Dramma per musica in drei Akten, das 1719 in Rom uraufgeführt wurde, entpuppte sich im schmucken Rokokotheater des Schlosses als musikalisches Meisterwerk, dessen Entdeckung für Barockfans mit Sicherheit eine Reise nach Schwetzingen wert war.
    Für die musikalische Qualität der Produktion sorgte das Philharmonische Orchester Heidelberg unter seinem Dirigenten Rubén Dubrovsky (…). Das von ihm bestens eingestimmte Orchester wartete mit einem barocken Feuerwerk auf, das vom erstklassigen Sängerensemble immer wieder aufs Neue gezündet wurde.
    Allen voran der Countertenor Terry Wey in der Titelrolle, der mit seiner schmiegsamen, schönen Stimme seine Gefühlsskala brillant auszudrücken verstand. Ihm ebenbürtig die kanadische Koloratursopranistin Sharleen Joynt, die auch darstellerisch ihre schwierige Partie (…) blendend bewältigte. Die Sopranistin Annika Sophie Ritlewski als Tochter Emilia schaffte es, die zwischen Hass und Liebe schwankenden Gefühle einer jungen Frau stimmlich wie darstellerisch eloquent zu vermitteln. In der Rolle des Karthager Amilcare bot der italienische Countertenor Antonio Giovannini sowohl stimmlich wie vor allem darstellerisch eine überzeugende Leistung. Mit einer kraftvollen, lyrischen Stimme wartete der österreichische Tenor Daniel Johannsen als Santippo aus Sparta auf, der mit seiner starken Bühnenpräsenz die Fäden im Stück geschickt zog. (…)
    Das Publikum, von Musik und Gesang sichtlich begeistert, bejubelte am Ende der Vorstellung alle Protagonisten, den Dirigenten und das Orchester für ihre eindrucksvollen Leistungen minutenlang.
    Der neue Merker, Udo Pacol, Februar 2012
  • Scarlatti (…) kann mit seiner Musik in die Seele der Menschen blicken, zeigt uns nicht nur zur Schau gestellte Affekte, sondern emotionale Ausnahmesituationen. Nicht die exzentrische-expressive Entäußerung, die definierten Regeln der barocken Oper folgt, bestimmt sein Werk, sondern vielmehr die emotionale Interaktion zwischen den Hauptfiguren. (…)
    Wir sehen in der Inszenierung von Eva-Maria Höckmayr und in zeitgenössischen Kostümen von Julia Rösler ein Kammerspiel um Leben und Tod, was ja nichts anders meint als: ein Psychogramm der Liebe. Nina von Essen hat dafür einen auf- und abfahrenden Kubus gebaut, der, sobald er in der Luft ist. Gefährlich schwankt und wackelt. Sicheren Grund gibt es hier keinen mehr. Lieben am Abgrund. (…)
    Das Ensemble liefert eine großartige sängerische Leistung ab, angefangen mit den Countertenören Terry Wey in der Titelpartie und Antonio Giovannini als Amilcare. Ebenso überzeugend: Sharleen Joynt( Fausta), Annika Sophie Ritlewski (Emilia), Hye Sung Na (Eraclea) und Daniel Johannsen(Santippo). Das Orchester des Heidelberger Theaters schlägt sich weiter mehr als tapfer auf dem ungewohnten Barockterrain mit ungewohnten historischen Instrumenten. (…)

    Die Rheinpfalz, Frank Pommer, 28.11.2011
  • Ein attraktives Stück, das beim "Winter in Schwetzingen" als deutsche Erstaufführung auf breite Zustimmung stieß, denn die szenische und musikalische Umsetzung zeigt (selbst)quälerische Seelenzustände, welche die Figuren aller Statuarik entkleiden. Menschen von heute findet Regisseurin Eva-Maria Höckmayr vor und modelliert sie durch individuelle Typisierung. (…)
    Nina von Essen baute die fürs Schwetzinger Theaterchen passgenaue Bühne. (…) Genügend Spielräume, um die heutig kostümierten Figuren (Julia Rösler) in Zorn und Zuneigung zu zeigen, ihnen Folter und Versöhnung anzutun, was sich in der Musik spiegelt, wenn Rubén Dubrovsky die Heidelberger Philharmoniker barocke Affekte ausspielen lässt und dabei auch harte Kanten einbaut. Dieses Orchester hat sich in den letzten Jahren bemerkenswert gut die Spieltechniken angeeignet.
    Prächtig besetzt sind die Sopran-Frauenstimmen: Sharleen Joynt gibt der Fausta hoch differenziertes Profil, von Hysterien bis zu wunderschön geformten Lyrismen. Hye-Sung Na besticht als Eraclea durch attraktive Stimmführung, und die Emilia findet in Annika Sophie Ritlewski eine ideale Backfisch-Verkörperung, in der inniges Leuchten und schmerzvoller Zweifel nahegehenden Ausdruck erhalten. Da wollen die Herren mithalten: Daniel Johannsen glänzt als Santippo mit vielen Tenor-Registern; Terry Wey argumentiert in der Titelpartie mit einer schön gerundeten Counter-Stimme, fast zu schön, um die Zerquältheit auszuformulieren. Counter Antonio Giovannini singt den Amilcare durchaus nuanciert (...). Eine niveauvolle, griffige Aufführung (…).
    Mannheimer Morgen, Eckhard Britsch, 28.11.2011
  • Am geschicktesten vielleicht die Maßnahme, die immense volle Tiefe der Bühne immer wieder zur Geltung zu bringen. Mit wenigen Architekturteilen (darunter einem hochziehbaren Rahmen als zweitem, simultan nutzbaren Spielort) schuf Nina von Essen ein praktikables, gut modifiziertes Bühnenbild. Zum eigentlich ledern-beliebigen Versöhnungsschluss fielen der Regisseurin noch ein paar „Explosionen“ ein, die an ambitionierte, spielverderberische Ausdeutungen der finalen „Così fan tutte“-Kostellation erinnerten.
    Die (…) sechs auf der Bühne tätigen Sänger füllen ihre Rolle insgesamt vorzüglich aus, besonders die beiden männlichen Altisten Antonio Giovannini (Amilcare) und Terry Wey in der Titelpartie. Neapel war damals ein Eldorado der Kastraten. Daniel Johannsen konnte als Santippo mit angenehmer Tenorstimme aufwarten. Sharleen Joynts Fausta-Sopran sprach in den Höhenlagen fein und eloquent an. Kerniger und robuster das jugendliche Timbre von Annika Sophie Ritlewski. Ruhig geführt das voluminöse Organ von Hye-Sung Na (Ericlea). Unter der musikalischen Direktion von Rubén Dubrovsky spielten die barockkundigen Instrumentalisten des Philharmonischen Orchesters Heidelberg in (...) kompetent-kennerhafter Solidität.
    Frankfurter Rundschau, Hans-Klaus Jungheinrich, 28.11.2011
  • Regisseurin Eva-Maria Höckmayr lässt die Handlung in unserer Zeit spielen und hat für die Grausamkeiten des Tyrannen passende Bilder. Russisches Roulette lässt dieser spielen und beteiligt sich selbst daran. Weil der Bühnenraum im Rokoko-Theater des Schwetzinger Schlosses über eine enorme Tiefe verfügt, wird diese auch spannend ausgenutzt. Da wird mal mit akustischem Ferneffekt auf der Hinterbühne gesungen oder werden mit filmischer Technik Simultanszenen arrangiert, mit Ariosem im Vordergrund und gleichzeitiger Rückblende (mit Schauspieler-Doubles) im Hintergrund. Diese Bühne (Nina von Essen) bietet reiche Möglichkeiten szenischer Ausgestaltung. (…)
    Dementsprechend bringen die exzellenten Sängerdarsteller auch gesanglich Emotionen zum Kochen. In der Titelpartie verströmt der Countertenor Terry Wey schönste Nuancen einer ausdrucksstarken, schmiegsamen und farbenstarken Stimme. Der zweite Countertenor Antonio Giovannini ließ als sein Gegenspieler Amilcare furiose Koloraturen flackern. Sharleen Joynt ist die neue Koloratur-Sopranistin in Heidelberg und die führte sich als Fausta gleich prächtig ein mit hochintensiv und virtuos geformtem Gesang und einer hübschen Stimme, die sich zu tiefem Ausdruck befähigt zeigte. Der Alte-Musik-Spezialist Rubén Dubrovsky ist der künstlerische Leiter des Festivals und stand auch am Pult der auf historischen Instrumenten musizierenden Heidelberger Philharmoniker, die dem Farbenreichtum dieser Wiederentdeckung kaum etwas schuldig blieben.
    Darmstädter Echo, Rainer Köhl, 1.12.2011
  • Vorbericht von Bruno Dumbeck, gesendet am 25.11.2011 in SWR4 Baden-Württemberg, Kurpfalzradio, als mp3

  • Vorbericht von Karsten Umlauf, gesendet am 25.11.2011 im SWR2 Journal am Mittag, als mp3