Deborah York
Konzert

Wahnsinnsarien

Sa 14.01.2012, 19.30 Uhr

Deborah York zählt zu den exzellentesten Barocksängerinnen der Gegenwart. Die lyrische Koloratur-Sopranistin wurde in Sheffield geboren und schloss ihre musikalische Ausbildung in Manchester mit Auszeichnung ab. Mit den Werken der barocken Meister des Nordens wie denen Italiens ist sie gleichermaßen vertraut. Sie war bereits mit Philippe Herreweghe und seinem Collegium Vocale Gent sowie mit Ton Koopman und dessen Amsterdam Baroque Orchestra auf Tournee. Ferner arbeitete sie unter anderem mit Marcus Creed, Marc Minkowski, Christoph Rousset, Paul McCreesh, Alessandro de Marchi, Trevor Pinnock und Rinaldo Alessandrini zusammen und hat zahlreiche CDs eingespielt. Für die Rolle der Anne Truelove in Strawinskys The Rake’s Progress mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von John Eliot Gardiner erhielt sie einen »Grammy«. Mit ihrem eigenen Ensemble Amrita widmet sich Deborah York mit großem Erfolg dem Kantaten-Repertoire.

In ihrem Konzert im Rahmen des Winter in Schwetzingen präsentiert sie die 1708 in Rom entstandene Kantate La Lucrezia für Sopran und Basso continuo des herausragenden Barockmeisters Georg Friedrich Händel und widmet sich intensiv dem englischen Komponisten Henry Purcell, bekannt und gerühmt insbesondere für seine Opern und Semi-Opern wie Dido and Aeneas, King Arthur und The Fairy Queen. Es erklingen die gleichermaßen zarten wie ausdrucksstarken Songs beziehungsweise Lieder des englischen Frühbarock Corinna is divinely fair, Not all my torments, Bes of Bedlam (From silent shades, and the Elizium groves) und Let each gallant heart sowie, in einem zweiten Block, die beiden unterschiedlichen Fassungen von What a sad fate, die weitere Songs umschließen und damit den Bogen zwischen einzelnen Phasen im Schaffen des Komponisten spannen.
Ergänzt wird das Programm durch Instrumentalwerke derselben Epoche, der Pavan and Galliard: Earl Strafford von Thomas Tomkins für Cembalo Solo sowie der Sonata für Violoncello und Basso Continuo Nr. 3 op. 2 a-Moll des Italieners Benedetto Marcello.

Besetzung

  • Sopran Deborah York
  • Cembalo Jeremy Joseph
  • Violoncello Dmitri Dichtiar

  • Amrita Ensemble

Pressestimmen

  • Ihre Stimme ist nicht groß, mächtig, oder auf den ersten Ton überwältigend. Aber fein, differenziert im Ausdruck, sauber geschult und perfekt abgestimmt mit den sie begleitenden Musikern: Die Koloratursopranistin Deborah York (…) zählt heute zu den Großen ihres Fachs, des Barockgesangs. Beim Festival „Winter in Schwetzingen“ des Heidelberger Theaters sang sie nun „Wahnsinnsarien“ von Purcell und Händel. Wer zu Beginn vielleicht eine Weile brauchte, um sich auf diesen schlanken, geraden und klaren Ton der Sängerin einzulassen, wurde nachher, bei der Händel-Kantate „O numi eterni“ (HWV 145) sowie den beiden Zugaben (darunter Händels „Lascia ch’io pianga“ aus „Rinaldo“) um so mehr in Bann gezogen von dieser wendig-leichten, im Ausdruck flexiblen Stimme.
    Im Purcell-Programmblock stach das Minidrama aus dem Sterbejahr des Komponisten „From Rosy Bow’rs“ (1695) hervor (…). Es zeigt die unglaublich hohe Expressivität dieser sich an keine Formvorgabe haltenden, die Seele umstülpenden, sprunghaft emotionalen Musik, die Deborah York mit brennender Intensität und nuancenreicher Farbpalette vortrug. Es brauchte keine Kulissen, um das Bühnendrama, das sich hier abspielt, deutlich nachzuempfinden. Ähnlich fulminant geriet Händels Kantate der Lucretia „O numi eterni“ (…). Sopranistin Deborah York wusste den Ausdruck, die Art der Verzierungen, ein bewusst gesetztes Vibrieren der Stimme genauso wie den fahlen Klang des nahenden Suizids fantastisch stilsicher und zeitgemäß in klangliche Szene zu setzen.
    Ihre Mitmusiker hatten daran bedeutenden Anteil: Der Südafrikaner Jeremy Joseph ist ein begnadeter Cembalist. Ein Derwisch an den Tasten. Hervorragend historisch ausgebildet (in Kopenhagen und Lübeck) scheint er von der niederländischen Schule eines Bob van Asperen beeinflusst, spielt rauschend improvisierte Arpeggien, die aber stets kontrapunktisch mit der Melodiestimme verzahnt sind. Große Kunst am Cembalo, wie auch die Solostücke von Tomkins und eine Cello-Sonate von Marcello zeigte, die Dmitri Dichtiar (Moskau/Karlsruhe), ebenso historisch gekonnt und musikalisch virtuos darbot.
    Rhein-Neckar-Zeitung, Matthias Roth, 16.1.2012