Elses Geschichte
- Uraufführung
- ab 9 Jahren
- nach dem Kinderbuch von Michail Krausnick
- für die Bühne bearbeitet von Nada Kokotovic und Nedjo Osman
- Beginn: 10.00 Uhr
- Dauer: 1 Stunde
Zwinger 3
Geschichte für Kinder? Und dann auch noch eine so schwere wie die Zeit des Krieges und des Holocaust? Macht das Sinn und was möchte man damit bezwecken?
Das JUNGE THEATER Heidelberg bringt nun mit Elses Geschichte eine Uraufführung auf die Bühne, die sich thematisch mit einer problematischen Zeitgeschichte, aber vor allem auch mit dem Gefühl des Andersseins und der Ausgrenzung beschäftigt: Else Matulat wächst Ende der 1930er Jahre am Rande von Hamburg auf. Es herrscht Krieg. Trotzdem gehen Else und ihre Freundinnen zur Schule und versuchen ein normales Leben zu führen. Was Else damals nicht weiß: Sie ist nicht das leibliche Kind ihrer Eltern und sie wurde von den Nazis als „Zigeunermischling“ klassifiziert. In einer Frühjahrsnacht 1944 ändert sich für das achtjährige Mädchen alles: Sie wird abgeholt und mit anderen Sinti- und Roma-Familien nach Auschwitz deportiert. Vater Matulat setzt alle Hebel in Bewegung, um Else zurückzuholen.
Else hat das Konzentrationslager überlebt, und Michail Krausnick erzählt ihre Geschichte behutsam und unverstellt nach. Die Rolle der Else wird in der Heidelberger Inszenierung von einem Kind gespielt, um eine möglichst hohe Identifikation der Zuschauer zu ermöglichen.
Ausgehend von der historischen Thematik sucht das JUNGE THEATER nach Anknüpfungspunkten für heutige Kinder, um möglicherweise auch ein erstes Interesse an der (eigenen) Geschichte zu wecken und Fragen zu stellen. Neben hoch aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Mobbing, Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung werden aber auch positive Aspekte, wie z. B. das Kämpfen für eine lohnende Sache im Vordergrund stehen. Das JUNGE THEATER ist sich bewusst, wie sensibel man die Geschichte gerade für Kinder ab 9 Jahren erzählen muss. Daher ist das Team bei den Proben mit der jungen Hauptdarstellerin immer wieder in der Lage, sich rück zu versichern und gemeinsam nach einer adäquaten Umsetzung für die Bühne zu suchen.
Elses Geschichte beim Kinder- und Jugendtheaterfestival »Schöne Aussicht« in Stuttgart!
Das Junge Theater ist beim diesjährigen internationalen und baden-württembergischen Kinder- und Jugendtheaterfestival »Schöne Aussicht« in Stuttgart mit Elses Geschichte eingeladen. Das Festival wird im Wechsel mit den baden-württembergischen Theatertagen alle zwei Jahre veranstaltet. In diesem Jahr wird es neben Gastspielen aller professionellen baden-württembergischen Kinder- und Jugendtheater auch wieder zahlreiche Gastspiele aus dem Ausland geben. Erstmals wird zudem auch die freie Kinder- und Jugendtheaterszene mit eingebunden sein. »Schöne Aussicht« ist von großer Bedeutung für die internationale Kinder- und Jugendtheaterszene und dient als Arbeitstreffen auch dem Austausch der Theaterschaffenden untereinander. Wir freuen uns sehr, mit Elses Geschichte einen starken und mutigen Beitrag zu diesem Festival leisten zu können.
Das Festival »Schöne Aussicht« findet dieses Jahr vom 16. bis 24. Juni statt.
Elses Geschichte wird am 20. Juni 2012 um 17 Uhr im Theater Rampe zu sehen sein.
Gewählter Termin
Weitere Termine
Besetzung
- Kinderbuch Michail Krausnick
- Regie und Bühne Nada Kokotovic
- Fassung Nada Kokotovic | Nedjo Osman
- Kostüme Hella Bünte
- Dramaturgie Jürgen Popig
- Theaterpädagogik Hannes Michl
- Else Laura Burckhardt | Lilly Wilke
- Erzählerin/Wanda/Polin Elisabeth Hütter
- Erzählerin/Nussi/Lehrerin/Rotkreuzschwester Sibel Polat
- Erzählerin/Mutter/Meka Joanna Kapsch
- Erzähler/Vater/Herr mit goldener Brille/Soldat Massoud Baygan
- Erzähler/Lehrer/Soldat David Grimaud
Pressestimmen
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"Pünktlich, ordentlich und brav" hat ein "deutsches Mädel" zu sein, und dem entspricht Else, gespielt von der gerade elfjährigen Laura Burckhardt, nach Kräften. Doch derlei ist plötzlich nicht mehr von Bedeutung, seit auf ihren Arm das "Z" für "Zigeuner" tätowiert wurde. Ein Begriff, den sie bislang nur mit üblen Klischeebildern assoziierte - die ihr vollkommen fremd sind. Vor denkbar grausamem Hintergrund gelingt Regisseurin Kokotovic in ihrer gemeinsam mit Nedjo Osman erarbeiteten Bühnenfassung kindgerecht-subtil der pädagogische Fingerzeig auf längst nicht überwundene Vorurteile gegenüber Sinti und Roma. In bewegenden Bildern stellt sie das Mädchen nach dem Abtransport eine schmerzhafte Weile allein ins Dunkel, einzig von einem schwachen Spot erhellt, bis sich Leidensgenossinnen (Elisabeth Hütter, Joanna Kapsch, Sibel Polat) selbstlos ihrer annehmen und sie vor dem sicheren Tod bewahren.Mannheimer Morgen, Dennis Baranski, 5.3.2012
Gestützt durch ein spielfreudiges Ensemble (außerdem: David Grimaud), trifft das temporeiche Stück dabei stets den richtigen Ton zwischen Mahnung und Gedenken und kann darüber am Premierenabend mit einem echten Wunder aufwarten: Die Holocaust-Überlebende Else Baker, geborene Schmidt, war persönlich anwesend. -
Die Uraufführung von „Elses Geschichte“ (…) ist von Anfang an geprägt von einer Stimmung der Gewalt und Machtausübung. Immerzu wird gerannt, nichts kann schnell genug gehen, auch Zärtlichkeitsbekundungen sind in ihrer Heftigkeit fast gewalttätig. Else (in der Premiere hervorragend besetzt mit Laura Burckhard; später wird sie auch von Lilly Wilke gespielt) wird dabei von den Erwachsenen herumgezerrt, verschleppt, gescheucht, hingestellt und herumkommandiert als wäre sie eine Puppe und nicht ein lebendiges, fröhliches Mädchen. (…)Rhein-Neckar-Zeitung, Lena Rosenbaum, 5.3.2012
Drei Quader auf Rollen dienen der Bühne als bewegliche Elemente, um ein kleines Zimmer oder einen weiten Platz darzustellen. Die Schauspieler selbst bewegen diese Quader, wirbeln sie um ihre Achse, während wieder lauter Punk (von den beiden Bands „Gogol Bordello“ und „SunnO“) auf die Ohren dröhnt, stoßen sie von sich und reißen sie schließlich zurück. Auch das vermittelt Gewalt. Der mittlere Quader trägt mehrere Schichten Tapete, die nach und nach heruntergerissen wird, so dass das Wohnzimmer der Matulats in grün-weiß-gestreift, die Lagerräume aber in Betongrau erscheinen. Zwischendurch verlässt die Handlung den zeitlichen Erzählstrang und springt in die Zeit „danach“, wenn eine Frau mit adrettem grauem Hütchen (Sibel Polat) Else an den Bühnenrand drängt und ihr, von rotem Licht beschienen, einredet, sie lüge doch, sie könne das doch gar nicht alles erlebt haben, sie solle das doch alles vergessen. Um so bedrückender erlebt man dadurch die Geschehnisse mit, wenn die Handlung wieder in die Situation im Lager zurückspringt, denn man weiß zwar, dass Else überleben wird, doch um wie viel alleingelassener muss sie sich gefühlt haben, als dann niemand von ihren Erlebnissen hören wollte. (…)
Das Stück endet nicht mit der gelungenen Befreiung Elses, sondern zeigt über das „Happy End“ hinaus den Versuch, das alte Leben wieder aufzunehmen und die Erkenntnis, dass es niemals wieder wie früher werden würde. Dialoge und die Erzählerstimme halten sich sehr stark an die Kinderbuchvorlage des Heidelbergers Michail Krausnick, die zusammen mit dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma Heidelberg entstand. Ein sichtlich bewegter Manfred Lautenschläger, dessen Stiftung die Bühnenfassung unterstützte, dankte nicht nur Romani Rose, Holger Schultze und den Schauspielern, sondern begrüßte auch die wahre Else Schmidt, heute Baker, auf der Bühne. Auch sie zeigte sich bewegt davon, ihr Leben auf der Bühne zu sehen (…). -
meier, Cathérine Börschinger, April 2012
Else Matulat, stark gespielt von der zwölfjährigen Laura Burckhardt, wächst als behütetes Mädchen in Hamburg auf. (…) Das Stück wühlt auf, nicht nur wegen der Thematik, sondern auch wegen der unverblümten Darstellung. Und es ist nicht nur für Kinder sehenswert.
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Einen Fernsehbeitrag von Eberhard Reuß, gesendet in der SWR-Landesschau am 7.3.2012, können Sie in der SWR-Mediathek ansehen.
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Einen Vorbericht von Eberhard Reuß, gesendet am 1.2.2012 im SWR2 Journal am Mittag, können Sie hier anhören.















