Foto Klaus Fröhlich
Musiktheater

Las cartas de Frida

Sa 24.03.2012, 19.30 Uhr
  • Uraufführung
  • Zusatzvorstellung
  • Mit Werkeinführung 19.00 Uhr
  • Kammeroper für Schauspielerin und Sopran von Marcela Rodríguez
  • Text Frida Kahlo
    In spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln
  • Beginn: 19.30 Uhr
  • Dauer: 1 Stunde
  • Zwinger 1
Die mexikanische Malerin Frida Kahlo fasziniert nicht nur mit ihren Bildern. Auch als starke Persönlichkeit, die den lebenslangen schweren Folgen eines Verkehrsunfalls immer wieder Lebensmut und künstlerische Kreativität abtrotzte, ist sie mythenumrankt. 2002 wurde ihr Nachlass veröffentlicht. Aus den Briefen und Tagebuchnotizen hat die international renommierte mexikanische Komponistin Marcela Rodríguez eine Kammeroper geschaffen, die das Leben dieser beeindruckenden Frau facettenreich ausleuchtet: Kahlos politisches Engagement für ein freieres, gerechteres Mexiko und ihr Verhältnis zu Leo Trotzki, den sie im Exil versteckte, ihr kulturelles Umfeld und die Bekanntschaft mit dem europäischen Surrealistenkreis um André Breton, die aufreibende Liebe zu ihrem Mann Diego Rivera und ihre zahlreichen Affären. Dabei legen die Selbstzeugnisse einen Blick frei auf Kahlos Reflexion des künstlerischen Schaffens, das hier allem voran eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit ist und sich speist aus der Ambivalenz zwischen Schmerz, Verzweiflung, Einsamkeit und einer unbändigen Willenskraft, Sinnlichkeit und Lebenslust.

Besetzung


Bilder

Las cartas de Frida
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Pressestimmen

  • Die Komponistin wollte kein schillerndes Lebenskaleidoskop dieser heute sehr kommerziell vermarkteten Kunstikone ihrer Heimat abliefern (siehe Interview vom 26. Oktober), und so bietet ihre Kammeroper, die jetzt im Zwinger1 des Heidelberger Theaters uraufgeführt wurde, kein touristisches Kahlo-Sight-seeing. Etwa ein Dutzend Szenen sind in loser Folge aneinandergefügt, einer „Nummernoper“ ähnlich. Sie werfen auf der Grundlage persönlicher Briefe und Tagebucheintragungen einzelne Schlaglichter auf unterschiedlichste Lebensstationen.
    Die Regisseurin Johanna Wehner widerstand der Versuchung, ein bildreiches Panoptikum aus dem Stück zu machen. (…) Die Komponistin stellt die Abfolge der Szenen frei. Melanie Fürst (Bühne) hat eine variable Szene geschaffen mit verschiebbaren Stellwänden, die relativ abstrahierte Details aus Kahlos Bildern zeigen. (…)
    Die Sopranistin Sybille Witkowski formte die Rolle der Frida Kahlo sängerisch zu einem dichten Porträt. Sie überzeugte durch saubere Stimmführung und präzise Höhen, wusste aber auch die häufigen, humorvoll-sarkastischen Töne („Nichts gilt mehr als das Lachen!“) gut zu artikulieren. (…)
    Die musikalische Leitung von Heidelbergs neuer Kapellmeisterin Mirga Gražinytė geriet zum Ereignis dieser Uraufführungsproduktion: Präzise hielt sie die Balance zwischen Strenge und Freiheit, zwischen emphatischem Gefühl und musikalischer Rationalität, zwischen plastischer Klangmalerei und ironisch gebrochenem Ausdruck. Hervorragend koordinierte Gražinytė Instrumentalensemble und die Bühne im Vordergrund. Die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters spielten konzentriert und klangvoll. Starker Beifall für alle Beteiligten und die anwesende Komponistin.

    Rhein-Neckar-Zeitung, Matthias Roth, 28.10.2011
  • Das Theater Heidelberg geht dieser Frage mit der Kammeroper „ Las Cartas de Frida“ (Die Briefe der Frida) nach, wenn die mexikanische Komponistin Marcela Rodríguez unbekannte Briefe und Tagebuchnotizen in 13 Szenen zu einem Kaleidoskop zusammenfügt, das vielerlei Facetten im Seelenleben der Frida Kahlo aufdecken will. Die Uraufführung dieser Kammeroper für Singstimme, Schauspielerin (als Alter Ego) und Kammerorchester geriet im Heidelberger Zwinger zu einer dinglichen Sichtung, wie Kunst sich einem Menschen nähern könnte, wenn sie ihn zu entziffern versucht. Szenisch (Regie: Johanna Wehner); Bühne: Melanie Fürst; Kostüme: Miriam Draxl) gelingt das durch Spaltung der Persönlichkeit. Die Sängerin (großartig: Sopranistin Sybille Witkowski), durchstreift wie ein Schatten ihrer selbst die mit Bildfragmenten durchsetzte Bühne. Sie begegnet, mal abwehrend, dann wieder begehrend, ihrem Spiegelbild, der hellen Lichtgestalt der Hoffnung (Karen Dahmen spielt sie schillernd und mehrdimensional). (…)
    Die Dirigentin machte einen souveränen Eindruck, steuerte das perfekt agierende Kammerorchester brillant durch die Partitur. Die neue Kapellmeisterin Mirga Grazinyté hatte einen hervorragenden Einstand. (…)
    Das Premierenpublikum war berührt und begeistert.
    Mannheimer Morgen, Eckhard Britsch, 28.10.2011
  • Wer als Künstler ein Auftragswerk abzuliefern hat, tut sich oft schwer. Denn Erwartungshaltungen seitens der Auftragsgeber schlagen sich irgendwo im Gehirn nieder und hemmen manchmal den Gedankenfluss. Bei der aus Mexiko stammenden Komponistin Marcela Rodriguez bestand diese Gefahr ausweislich ihrer Musik für die Kammeroper Las Cartas de Frida (Die Briefe der Frida) offenbar nicht, denn ihre Eingebungen wirken frisch und unverbraucht, griffig und dem Sujet angemessen. (…)
    Der Kunstgriff, der Sängerin – großartig die junge Sopranistin Sybille Witkowski in Stimme, Klangvielfalt, Ausdruck und Spiel – ein Alter Ego zuzuordnen, scheint zuerst banal. Die eine schwarz und schmerzgebeugt, die andere hell und licht wie ein Seelen-Engel als träumerisch-ideale Frida, das wirkt doch allzu einfach. Aber: Es ist wirkungsvoll, zumal mit der Schauspielerin Karen Dahmen sehr gut besetzt. (…) Marcela Rodriguez stattet die Szenen mit völlig unterschiedlichen, dennoch genau aufeinander abgestimmten Valeurs aus. Da prallen raue Intervallreibungen auf reizvolle Folklore-Anklänge, und nach innen gerichtete Lyrismen auf heftige Implosionen, als ob eine Welt zusammenstürzen wollte. Dabei ist es doch „nur“ ein Kammerensemble der Heidelberger Philharmoniker, das die Theater-Experimentierstätte „Zwinger“ so pulsierend erfüllt. Das aber scheint wesentlich das Verdienst der jungen, neu in Heidelberg engagierten Kapellmeisterin Mirga Gražinytė zu sein, die dermaßen punktgenau und federnd zugleich schlägt, dass die Musik in ihrer Unmittelbarkeit aufblüht und ihre Hintergründigkeit offenbart.
    Die Premierenbesucher waren von dieser Uraufführung überzeugt, ja begeistert.
    opernnetz.de, Eckhard Britsch, Oktober 2011
  • Als grandiose Malerin und als Ikone der Frauenbewegung kennt man Frida Kahlo hierzulande, nun steht sie erstmals im Mittelpunkt eines Musiktheaterwerks, das Marcela Rodríguez (Jahrgang 1951) komponiert hat. Zu den Lehrmeistern der Mexikanerin gehörten der Kubaner Leo Brouwer, vor allem aber ihre beiden Landsleute Jesús Estrada und Mario Lavista, allesamt nicht unbedingt Vertreter eines nationalromantischen Stils. So schöpft denn die Musik der einstündigen Kammeroper am Heidelberger Theater auch weniger aus der vielfältigen Folklore ihrer Heimat, sie ist vielmehr ein sehr elegantes Gespinst, das die Musiken des alten Hispanien mit zeitgenössischen Klängen verbindet. Gesungen wird die Titelpartie von der Sopranistin Sybille Witkowski, und die ist nicht nur eine starke Interpretin der in Noten gesetzten Brieftexte der Kahlo, sie verkörpert auch überzeugend die zur Schau gestellte Verletzlichkeit, den Ehrgeiz und den spöttischen Witz der Malerin. (…)
    Für das Kammerspiel hat Melanie Fürst eine karge Bühne eingerichtet und dafür Ausschnitte aus Bildern der Malerin genutzt. Aufgezogen auf transparente Rahmen lassen sich diese „ Kulissen“ leicht verschieben, werden immer wieder neu zusammengesetzt. Den Hintergrund füllt ein Bild, das die Malerin in ihrer Lieblingspose zeigt, die schwarzen Haare straff zurückgekämmt und streng geschminkt. Ganz die „Dornenkönigin“, zu der sie sich in ihrer Kunst stilisiert hat. Mit auf der Bühne sitzt auch das Kammerorchester, das unter der Leitung von Mirga Grazinyte passgenau zur Stimme musiziert: vier Streicher, drei Bläser und ein Vibraphon.

    Badische Zeitung, Gerd Döring, 31.10.2011