Theater und Orchester Heidelberg

Schauspiel

Das weiẞe Dorf

von Teresa Dopler

    Deutsche Erstaufführung
    Fr 17.09.2021, 20.00 Uhr Zwinger 1+
Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2019

Empfohlen ab 16 Jahren

Ruth und Ivan begegnen sich auf einer Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas wieder. Es ist schon einige Jahre her, dass sie sich »ein paar Monate lang gekannt haben«, bevor Ivan beruflich nach Amerika ging und Ruth ihre erste Stelle in der Schweiz antrat. Inzwischen haben beide Karriere gemacht und sind in neuen Beziehungen, die auf ihre Weisen durchaus gut funktionieren – und dennoch brennt die Luft zwischen Ivan und Ruth. Es wäre vielleicht eine vollkommene Liebe gewesen, so vollkommen wie das weiße Dorf in Andalusien, von dem Ruth nur Ivan erzählt, und in dem sie sich im nächsten Sommer höchstwahrscheinlich doch nicht treffen werden. Zu sehr haben sie verinnerlicht, Menschen zu sein, »die über Dinge hinwegkommen«, »denen nichts sehr viel bedeutet«.

Teresa Dopler entwirft ein tieftrauriges Porträt zweier Menschen, das unter dem Mantel großer Leichtigkeit falsche Lebensentscheidungen in Frage stellt. Die Autorin wurde 1990 in Linz geboren und lebt in Wien. Sie studierte Sprachkunst und Theaterwissenschaft in Wien. 2014 und 2016 wurde ihr das DramatikerInnenstipendium des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung zuerkannt. 2015 wurde sie für den Osnabrücker Dramatikerpreis nominiert, zudem erhielt sie das Literaturstipendium der Stadt Linz. Mit »Das weiße Dorf« gewann Teresa Dopler den Autor*innenpreis 2019 des Heidelberger Stückemarkts.

Regisseur Ron Zimmering inszeniert mit der Uraufführung von »Das weiße Dorf« erstmals am Theater und Orchester Heidelberg. Er studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig sowie 2012 bis 2016 Regie an der Theaterakademie Hamburg. Zimmering inszenierte bereits verschiedene gegenwartsdramatische Stoffe unter anderem am Theater Osnabrück, zudem realisierte er zahlreiche dokumentarische Arbeiten und Stückentwicklungen, die sich durch die Verbindung klassischer Stoffe mit dokumentarischen und biografischen Elementen auszeichnen.

Die digitale Premiere fand am 30. April 2021 statt.

Termine

Sa 18 September
20.00 Uhr > Zwinger 1

Das weiẞe Dorf

von Teresa Dopler

Fr 22 Oktober
20.00 Uhr > Zwinger 1

Das weiẞe Dorf

von Teresa Dopler

Weitere Termine
Sa 23 Oktober
20.00 Uhr > Zwinger 1

Das weiẞe Dorf

von Teresa Dopler

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Änderungen vorbehalten

Besetzung

Regieassistenz und Inspizienz Georg Zahn
Kostümassistenz Naomi Kean
Soufflage Sarah Kreß
Regiehospitanz Lina Weißenberg

Technischer Direktor Peer Rudolph
Technischer Produktionsleiter Jens Weise
Technischer Leiter Zwinger Dirk Wiegleb
Technische Mannschaft Christian Brecht, Alexander Dressler, Jonah Fellhauer, Christian Raudzis, Roland Rogg, Kristin Rohleder, Martin Rohr, Michael Theil
Leiter der Beleuchtungsabteilung Ralf Kabrhel
Leiter der Tonabteilung Alexander Wodniok
Leiterin der Kostümabteilung Katharina Kromminga, Kristina Flachs (stellv.)
Kostümbearbeitung Kristina Flachs
Gewandmeisterin Damen Karen Becker
Gewandmeisterinnen Herren Rebecca Meurer, Alexandra Partzsch
Chefmaskenbildnerin Kerstin Geiger, Martina Müller (stellv.)
Abendmaske Ramona Bauer
Leiterin der Requisite Lotte Linnenbrügger
Requisite Wolf Brückmann, Christiane Petersen
Vorstand des Malersaals Dietmar Lechner
Leiter der Dekorationswerkstatt Markus Rothmund
Leiter der Schlosserei Karl-Heinz Weis
Leiter der Schreinerei Klaus Volpp

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Das weiẞe Dorf

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Pressestimmen

  • In der Süddeutschen Zeitung (2. Mai 2021) berichtet Christine Dössel von einem »guten Festival-Start«. Die »unverkennbare dramatische Begabung« der Autorin sowie ihr »großes psychologisches Menschenverständnis« vermittele sich schnell. Die kurzen, »streng komponierten und rhythmisierten« Gespräche der Protagonisten gingen tief. Katharina Ley und Friedrich Witte seien »gut, überzeugend gefangen in ihrem Korsett«, das Teresa Dopler »gekonnt« gesetzt habe. »Ein starkes Framing« für den Text habe Regisseur Ron Zimmering mit der Ausstatterin Ute Radler gesetzt: die rostige Plattform, die »in einem Spiel von Checks and Balances permanent austariert werden« müsse, lasse zwar nicht viel Freiraum für das Spiel, halte »aber buchstäblich alles in der Schwebe«.

     

    Für die Deutsche Bühne (online, 1. Mai 2021) berichtet Anne Fritsch von der deutschen Erstaufführung des »reduzierten« Texts, der »die Zwischentöne hörbar macht und ohne unnötige Erklärungen in den Kern dieser Beziehung vordringt«. Regisseur Ron Zimmerung habe ganz »dem dichten Text« vertraut, lasse »die Atmosphäre aus den Worten erwachsen und den Pausen zwischen den Worten«, habe es klug vermieden, den Text mit »Kitsch« zu überziehen. Katharina Ley und Friedrich Witte hielten »Sicherheitsabstand« nicht nur wegen Corona, sondern spielten »zwei, die ihre Leben im Griff haben, sich an die Regeln halten«; den »Ausbruch von Ekstase« erlaubten nur die eingefügten Traumsequenzen zwischen den Szenen.

     

    Auch Anna Landefeld benennt auf nachtkritik.de (1. Mai 2021) das »heikle(s) Kitschpotential« der Story und ist »Autorin und Ensemble sehr dankbar«, dass sie »diesem nicht erliegen«. Das »nihilistische Kammerspiel« lasse einen »ganz und gar nicht« gleichgültig, sei »verstörend entzeitlicht und rätselhaft in seiner Sartrescher-Becketthaftigkeit«. So »symbolisch geladen« die Bühne von Ute Radler, so wenig sei es die Textvorlage mit ihrer zugleich »alltäglich(en) und künstlich(en)« Sprache: »Zu auskomponiert ist dieses absurde Distanzduett, liegt diesem Dialog eine spröde Musikalität inne, bekommt Rhythmus und durch mechanische Wiederholungen von Worthülsen.

     

    Eine »Beckett’sche Absurdität, eine gewissen Komik des Grotesken« hörte auch Martin Vögele in den »Wortschleifen beidseitiger Zufriedenheits-Zusicherung« der beiden Figuren Ivan und Ruth. Im Mannheimer Morgen (online, 1. Mai 2021) schreibt der Rezensent weiter, Zimmerings Inszenierung wie auch das Spiel von Katharina Ley und Friedrich Witte ließen es nicht zu, dass die Zuschauer*innen gemeinsam »mit Ruth und Ivan in resignierende Gleichgültigkeit treiben«. In »feinen Spielnuancen« entzündeten die beiden »an Doplers klug gesponnenem Text die Ahnung eines ganz anderen Lebens, lassen die Zweifel, die Erschöpfung hinter den immer angespannten Erfolgsmuskeln spüren«.