Theater und Orchester Heidelberg

der herzerlfresser

von Ferdinand Schmalz
Burgtheater im Akademietheater Wien, Regie Alexander Wiegold

  • Archiv – Spielzeit 2016|17

  • Gastspiel

    Fr 05.05.2017, 20.30 Uhr, 1 Stunde und 30 Minuten Marguerre-Saal+
Österreichische Erstaufführung

Nominierung NachSpielPreis

im Anschluss Publikumsgespräch

Der Gangsterer Andi entdeckt im Sumpf eine weibliche Leiche. Das Herz ist ihr herausgerissen. Der Sumpf ist aber gar nicht mehr so sumpfig, wie er früher einmal war. Alles ist frisch zubetoniert. Ein Einkaufsparadies ist auf ihm entstanden, an einem verkehrsgünstigen, zukunftsorientierten Standort in der Region mit Arbeitsplätzen, Wachstumsperspektiven. Die Eröffnung steht bevor. Da kommt so eine Frauenleiche reichlich ungelegen. Und dann wird noch eine zweite Dame ohne Herz gefunden. Heimlich im Moor entsorgen, so heißt die Krisenstrategie des Bürgermeisters, der den Gangsterer Andi mit der Leichenbeseitigung beauftragt. Und während das Eröffnungsfest zum Kaufrausch lädt, dringt der Sumpf durch alle Ritzen. Beim Tanz zur munteren Musik schlagen die einen Herzen höher und die anderen gar nicht mehr. Ein Schuss und Schluss.

Im herzerlfresser erinnert Ferdinand Schmalz an eine grausame Mordserie aus dem steirischen Mürztal vor fast 250 Jahren. Der Legende nach war der Knecht und Kartenspieler Paul Reininger von dem Wahn besessen, sieben noch warme Mädchenherzen verschlingen zu müssen. Ferdinand Schmalz holt diese düstere Überlieferung in eine heutige Kleinstadt und überprüft an ihr die Liebe in Zeiten des Neoliberalismus. »Die Grillen werden singen von der Liebe. Und die Herzen werden zirpen bis sie platzen.«

Barbara Behrendt, Kuratorin: »Im Glitzerwald von Katrin Brack fällt das Morden äußerst hübsch aus. Das passt zu Ferdinand Schmalz’ ausgefeilter Sprachkunst, mit der er in schaurige menschliche Abgründe blickt. Alexander Wiegold und seine famosen Schauspieler setzen ganz auf diese Sprache – und aufs Herzerl, das im Innern der skurrilen Typen brennt.«

Besetzung

Regie Alexander Wiegold | Bühne Katrin Brack | Kostüme Lane Schäfer | Musik Hannes Gwisdek | Chorarrangement Bernhard Moshammer | Choreografie Daniela Mühlbauer | Licht Michael Hofer | Dramaturgie Klaus Missbach | Mit Peter Knaack, Johann Adam Oest, Merlin Sandmeyer, Irina Sulaver, Sebastian Wendelin sowie Marlene Grois, Philine Hofmann, Esther Leoni, Daria Lik, Ylva-Maj Rohsmann, Franziska Stadler