Theater und Orchester Heidelberg

Musiktheater | Tanz

Echnaton

Oper in drei Akten von Philip Glass

  • Archiv – Spielzeit 2014|15

  • Do 05.03.2015, 19.30 Uhr, 2 Stunden und 30 Minuten, eine Pause Marguerre-Saal+
Libretto vom Komponisten in Zusammenarbeit mit Shalom Goldman, Robert Israel und Richard Riddell sowie mit Originaltexten von Shalom Goldman

In englischer, ägyptischer, akkadischer und aramäischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Kooperation des Musiktheaters und der Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg

Tanz auf den Spuren der Pharaonen: Nach Einstein on the Beach und Satyagraha ist Echnaton, 1984 an der Staatsoper Stuttgart uraufgeführt, die dritte Porträtoper des amerikanischen Komponisten Philip Glass. Wandte er sich zuvor Einstein und Gandhi zu, zieht es Glass mit dem Pharao Echnaton ins 14. vorchristliche Jahrhundert. Beginnend mit dessen Krönung und bis hin zu seinem Sturz, beleuchtet die Oper wie in einer Zeitreise Stationen aus Leben und Regentschaft des visionären Herrschers, der sich daran machte, die Grundpfeiler damaligen Glaubens und Weltbildes zu verschieben: Er erhob den Gott Aton in Gestalt der Sonnenscheibe zum höchsten aller Götter und setzte in »menschlicher Parallele« sich und seine Frau Nofretete als Mittler zwischen Gott und Menschen ein. Eher schlaglichtartig als einer stringenten Handlung folgend, beleuchtet Echnaton in Klängen von immenser Sogwirkung charakterliche Aspekte des Pharao. Den atmosphärisch dichten musikalischen Landschaften haucht Nanine Linning visuell und physisch Leben ein: Wie schon im »Tanzkonzert« Requiem verbinden sich in Echnaton Tänzer, Chor und Solisten zu großen und noch dynamischeren Choreografien, verschmelzen Tanz, Gesang, Orchester mit Videoprojektionen und Bühnenbild zu einem Gesamtkunstwerk – zur ersten Heidelberger »Tanzoper«.

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ECHNATON

Trailer von Josanne Buiting

Pressestimmen

  • Von einem »beispiellosen Theaterereignis« berichtet Hans-Klaus Jungheinrich in der Frankfurter Rundschau (18.06.2014) und prophezeit, hier sei in halbjähriger Vorbereitung eine »Kultaufführung entstanden«. Unter der Regie der Choreografin Nanine Linning fügten sich Chor, Vokalsolisten und Tanzensemble zu einer »auf virtuose Weise homogenen szenographischen Einheit«, die »Wucht dieser mehrdimensionalen Optik« werde durch das »komplexe Bühnenbild«, die »phantastischen Kostüme« und die »verblüffenden Video-Effekte« noch verstärkt.

     

    In der Opernwelt (08/2014) schreibt Hans-Klaus Jungheinrich, das Theater Heidelberg habe einen »kultverdächtigen Coup« gelandet, hier sei ein Abend entstanden, der einem »Augen und Ohren übergehen« lasse. »Bruchlos« wirke die Gruppe der 40 Choristen (»eine mitunter den Raum schier zum Bersten bringende Klangattacke«) und die Gruppe der Tänzer miteinander; der »gleißend-autoritativen Partie« des Echnaton habe Artem Krutko »das angemessen erratische Format« verliehen, eine »lyrisch gefärbte Nofretete« habe Amélie Saadia gegeben, in »wohltönendem Englisch« die »poetisch stark überhöhten Sprechertexte« von Dominik Breuer. Dirigent Róbert Faras habe die Klangereignisse zu »zuverlässiger Transparenz« gebracht; »Meisterschaft und Finesse der Instrumentierung« seien hier hörbar geworden.

     

    Über ein »spektakuläres Gesamtkunstwerk aus Tanz, Video und ausgefeilter Choreografie« freute sich Julia Reichelt vom Darmstädter Echo (12.06.2014). Chefchoreografin Nanine Linning »verwischt erneut spartenübergreifend die Grenzen zwischen Tänzern, Chor und Solisten. Die hypnotische Minimalmusik von Philip Glass unterstützt sie bildgewaltig und wie gewohnt mit ausgefallenen Kostümen.« Dank der »flexiblen Bühne (Marc Warning) (…) und dem Kostümspektakel von Georg Meyer-Wiel mit surrealen Kopfbedeckungen, langen Gewändern und überraschenden Details gelingen eindrucksvolle Bilder.« Die Rezensentin hebt außerdem die Performance des Countertenors Artem Krutko hervor, der »stimmlich mit einer Glanzleistung« überzeuge, »die dem 40 Mann starken Chor und dem virtuosen Orchester unter der Leitung von Dietger Holm standhalten kann.«

     

    Nanine Linnings kreative Antwort auf Philip Glass Oper besteche vor allem durch den »enormen Formenreichtum und die Qualität der Bewegungssprache«, wie Bettina Weber für Die Deutsche Bühne (11.06.2014, online) bemerkt. Als »sehr beeindruckend« empfand die Rezensentin außerdem die erlebbaren »Körperformen als Ausdruck von Emotionen der Masse«. Linnings »begrüßenswerter Mut zur (Wieder-)Entdeckung und zum spartenübergreifenden Inszenieren« sei am Ende »vom Publikum mit beinahe kreischendem Jubel gefeiert« worden.

     

    »Zweieinhalb faszinierende Stunden« bescherte das Heidelberger Ensemble einem begeisterten Publikum, wie Matthias Roth für die Rhein-Neckar-Zeitung (11.06.2014) schreibt. So bezeichnet er die 1984 erstmals uraufgeführte Oper als »ein sonderbares Stück«, deren Ausgrabung sich nun als ein »sensationeller Comeback-Erfolg« entpuppt. Beeindruckt zeigt er sich außerdem von Marc Warnings bühnenbildnerischen Geschick. So sei die »ausgeklügelte Stahlkonstruktion« der umgedrehten Pyramide ein »optisches Highlight dieser Produktion«.

     

    »Grandiose Heidelberger ›Echnaton‹-Oper« titelt der Mannheimer Morgen (09.06.2014, online) und Rezensent Stephan M. Dettlinger zeigt sich beeindruckt von einem »bewegenden Gesamtkunstwerk, einem rauschenden Bilder- und Tanzfest«. »Viel zu selten« werde Glass‘ Oper gespielt und sei nun in der Heidelberger Inszenierung von Nanine Linning in einer Version zu sehen, »deren Opulenz, Magie und Prächtigkeit wir uns nicht entziehen können«. Das Orchester pulsiere »spannend aus der Tiefe herauf« und Linning zeige schon in der ersten Szene »bildhaft, wie auch die Musik von Glass funktioniert«. In Heidelberg gelänge die Zusammenarbeit der Sparten in einem »groß angelegten Projekt«: »Toll, dass ein so kleines Theater einen so großen Abend entstehen lässt.«

     

    Die Minimal Music von Glass entfalte einen »erheblichen suggestiven Sog« mit »Suchtpotential«, der durch die »stilisiert ästhetische Inszenierung von Nanine Linning« im Laufe des Abends sogar noch verstärkt werde, »große Bilder« und die Kostüme in »opulenter Melange aus Historie und Fantasie« entwickelten einen »eigenen Reiz«, schreibt Joachim Lange für die nmz – Neue Musikzeitung (09.06.2014). Das Theater Heidelberg mache sich hier erneut um das »Nachspielen neuer Musiktheaterwerke« verdient und dem Orchester gelänge die Wiedergabe des anspruchsvollen Werks unter der Leitung von Dietger Holm »ziemlich überzeugend«. »Grandios« und »vokales Kraftzentrum« sei der Counter Artem Krutko als Echnaton, »ebenbürtig an seiner Seite« die Nofretete von Amélie Saadia.

     

    Eine »atmosphärisch dichte Inszenierung« mit durchweg »exzellent und kreativ choreografierten« Szenen sowie »ästhetisch wirkender« Bühne und »prachtvollen« Kostümen beobachtete Udo Pacolt für den Online Merker (07.07.2014). Als »erstklassig« habe sich das Sängerensemble erwiesen, allen voran Artem Krutko (»zog alle Register seines Könnens«) und Amélie Saadia (»glasklare Stimme«); Chor und Extrachor hätten »enorme Stimmkraft« gezeigt, »phänomenal agiert« habe mit »akrobatisch und ästhetisch wirkenden Leistungen« die Dance Company.

     

    Nanine Linning habe mit »vielen dramatischen visuellen Effekten« die »handlungsarme Geschichte zum spannenden Ideendrama« gemacht, schreibt Isabelle von Neumann-Cosel für tanznetz.de (09.06.2014). Glass‘ Vorlage fordere ein »ungemein präzises Symphonieorchester« einen »mindestens genauso präzisen Chor, einen Countertenor für die Titelpartie und eine zündende Idee für die szenische Umsetzung langer Instrumentalpartien« und hier zeige sich, dass die Oper »geradezu auf Heidelberg zugeschnitten« scheine. Zum Erfolg beigetragen hätten neben den Musikern, Sängern, Chor und Tänzern auf der Bühne in der »intensiven« Inszenierung durch die Regisseurin und Choreografin auch das »phantastische«, »raffinierte« Bühnenbild mit »Videos und effektvollen Schattenspielen«; der Abend sei vom Publikum daher auch mit »langem, langem Beifall« und »Blumen-Weitwurf« bedacht worden. Die gesamte Rezension können Sie hier nachlesen.

     

    Von einem »großartigen Gesamtkunstwerk« berichtet Hanswerner Kruse in der Fuldaer Zeitung (01.07.2014). Linning habe Glass‘ Minimal Music nicht illustriert, sondern »sichtbar gemacht«, sie verwandele »Töne, später auch Gesänge in lebende Bilder«. Die »bewegte und bewegende Regiearbeit« sei der »Höhepunkt von Linnings Schaffen in Heidelberg«; ihre Inszenierungen gehörten »zum Innovativsten und Interessantesten, was derzeit in Mitteleuropa im Tanztheater zu erleben ist – man wird noch viel von ihr hören«, prophezeit der Rezensent.

     

    Für die Kreiszeitung Böblinger Bote (24.06.2014) berichtet Hartmut Regitz von einer Aufführung, die mit »der Uraufführungs-Inszenierung Achim Freyers durchaus mithalten« könne. »Sogkraft« besitze sie sowieso, nicht nur durch ihre starken Bilder, sondern auch »dank Dietger Holm, der dem Philharmonischen Orchester wie auch allen Sängern die Sicherheiten gibt, die man bei der Vielsprachigekeit der Vorlage braucht«. Allen voran Artem Krutko in der Titelrolle lasse »immer wieder aufhorchen« und auch Amélie Saadia, Irida Herri, Winfrid Mikus, Michael Zahn und Zachary Wilson trügen »wesentlich zum Erfolg einer Vorstellung bei«, die in Heidelberg mit »einhelligem Jubel« gefeiert worden sei.

     

    Für bachtrack.com (07.07.2014) bespricht Hedy Mühleck die Heidelberger Inszenierung. Die Produktion verbinde »Oper und Tanz zu einer stimmigen Einheit«, eine »stimmliche Einheit« bildeten auch Artem Krutko und Amélie Saadia, besonders im »ergreifenden« Liebesduett hätten sich beide Sänger »stimmschön und rhythmisch akkurat« gezeigt. Mit »Bravour« hätten auch die übrigen Solorollen und der Chor ihre Partien und die Bewegungen gemeistert. Fazit: die Inszenierung sei »in jedem Falle einen Besuch wert«.

     

    Die Regie habe eine »große Herausforderung (…) gemeistert«, berichtet Manfred Langner im Opernfreund (08.06.2014), »das Mit- und Gegeneinander von Chor und Ballett« sei »bühnenästhetisch sehr gelungen«; Chor und Extrachor hätten auch vokal »guten Einruck hinterlassen« und seien »ebenso stringent und präzise choreographiert« wie die Tänzer der Dance Company Nanine Linning. In »einem überzeugenden Spannungsbogen habe das Philharmonische Orchester die Oper präsentiert«, Lob auch für die Sängersolisten, insbesondere Artem Krutko, der »mit hellen, klaren, ganz natürlich wirkenden Linien überzeugte« und Amélie Saadia mit »samtig weich intoniertem, betörenden Mezzo-Sopran« sowie Irida Herri als Königin Teje »mit einem schlanken leuchtenden Sopran«. Am Ende schreibt der Kritiker, habe es »lang anhaltenden jubelnden Beifall für diese ästhetisch hochstehende Aufführung aus dem vollen Premierensaal« gegeben.

  • Einen Beitrag zu Echnaton sendete das SWR-Fernsehen in »Kunscht!« am 12.06.2014 ab 22.45 Uhr. Gesendet wurde der Beitrag auch auf 3sat im Magazin »Kulturzeit« am 27.06.2014. Den Beitrag können Sie in der 3sat-Mediathek sehen.

  • Das Rhein-Neckar-Fernsehen besuchte die Proben zu Echnaton und sprach mit Chefchoreografin Nanine Linning und Operndirektor Heribert Germeshausen. Den Beitrag, gesendet im RNF am 06.06.2014, können Sie jetzt in der Mediathek des RNF ansehen.

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