Theater und Orchester Heidelberg

Internationaler Autor*innen­wettbewerb Türkei

Texte von Halil Babür, Fatma Onat und Ömer Kaçar

Vorgestellt werden
»Das Feuer in mir« von Halil Babür (Lesung um 13.30 Uhr),
»Gefüllte Weinblätter mit Ruß« von Fatma Onat (Lesung um 14.30 Uhr) und
»Der Gast« von Ömer Kaçar (Lesung um 16.00 Uhr).

Im Anschluss an jede Lesung findet ein Publikumsgespräch statt.

»Das Feuer in mir« | »İçimdeki Yangın« von Halil Babür

Aus dem Türkischen von Recai Hallaç
Es lesen Marco Albrecht, Sophie Melbinger, Christina Rubruck, Jonathan Schimmer
Einrichtung Jürgen Popig, Tobias Schindler

Foto Onat Esenman

Foto Onat Esenman

Eine Dystopie in fünf Episoden. Derya und Umut, Julia und Fabien begegnen uns in immer neuen Konstellationen in fünf unterschiedlichen Endzeit-Szenarien globaler Katastrophen und privater Konflikte, die durch das Motiv des Feuers miteinander verbunden sind. Da gibt es zum Beispiel ein schickes familiäres Abendessen, begleitet von fernen und näheren Bombenexplosionen. Doch die handelnden Personen lächeln unentwegt. Umut hat zwei freudige Überraschungen für seine Eltern: die Leber seiner Freundin Derya kommt in Frage als Organ(teil)spende für seinen schwer kranken Vater Fabian. Zweite Überraschung: Derya ist schwanger. Unter dem wachsenden Druck willigt Derya ein, ihre Leber zu spenden. Die Explosion einer gewaltigen Bombe beendet die makabre Diskussion. Die letzte der fünf Episoden betrachtet vom Mond aus den Untergang des Planeten Erde.

Halil Babür

geboren 1987 in Bitlis, entdeckte durch die Lektüre von Beckett und Ionesco das Theater für sich. Er studierte Schauspiel am Haliç-Konservatorium in Istanbul. Parallel begann er, Theaterstücke zu schreiben. Seine Stücke »Kasap (The Butcher)« und »He-Go« waren große Erfolge in der freien Szene Istanbuls. Halil Babür schreibt außerdem Fernsehdrehbücher. »Das Feuer in mir« ist sein viertes Theaterstück.

»Gefüllte Weinblätter mit Ruß« | »İsli Yaprak Sarması« von Fatma Onat

Aus dem Türkischen von Recai Hallaç
Es lesen Nicole Averkamp, Sheila Eckhardt, Katharina Quast
Einrichtung Maria Schneider

Fatma Onat, Foto Mehmet Cüneyt Onat

Fatma Onat, Foto Mehmet Cüneyt Onat

Gewalt gegen Frauen ist ein sehr wichtiges Thema in der Türkei. Jedes Jahr werden viele Frauen von Männern getötet, einfach aus Eifersucht. Oder weil die Frauen die Scheidung möchten. Die Strafen sind nicht abschreckend. Das Leben der Frauen ist nichts wert. Fatma Onats Stück zu diesem Thema konzentriert sich auf drei Frauenfiguren: Yaprak, ihre ältere Schwester und ihre Freundin Refika. Man sieht, wie die Frauen einander gegenseitig unterstützen. Zugleich wird ihre fortwährende Angst erlebbar. Und zu guter Letzt muss man mit anschauen, wie das System die Männer schützt und ihnen Glauben schenkt.

Die Autorin Fatma Onat über ihre Arbeit: »Wir leben in derselben Welt, im selben Land, sogar im selben Haus, ohne einander zu helfen. Das ist erbärmlich. Du hast nicht die Kraft, all die Tragödien zu beenden, die sich unmittelbar vor dir abspielen, aber es gibt einen anderen Weg: darüber zu schreiben! Ich erinnerte mich an gefüllte Weinblätter als eine Metapher für Solidarität aus meiner Kindheit. Frauen kommen zusammen, rollen Weinblätter mit ihren Händen und reden über das Leben, ihre Träume, über Politik. Der Geruch der Weinblätter hat mich inspiriert.«


Fatma Onat

studierte Kreatives Schreiben, Dramaturgie und Theaterkritik in Istanbul. Sie arbeitet als Kritikerin, Dramaturgin und Theaterautorin.

»Der Gast« | »Misafir« von Ömer Kaçar

Aus dem Türkischen von Recai Hallaç
Es lesen Nicole Averkamp, Hendrik Richter, Andreas Seifert, Martin Wißner
Einrichtung Jürgen Popig

Ömer Kacar, Foto Yesim Gürsucu

Ömer Kacar, Foto Yesim Gürsucu

Eine Familie. Ein Haus. Ein Gästezimmer. Niemand betritt je diesen Raum. Sie haben zwar ein Gästezimmer, aber sie haben seit zwanzig Jahren keine Gäste mehr gehabt. Denn es ist zu gefährlich. Im Zimmer sind wertvolle Messer und Gabeln. Zu wertvoll. Da plötzlich steht ein Fremder vor der Tür. Sie nennen ihn Lalo. Sie möchten ihn nicht im Haus haben, aber er kommt herein. Sie versuchen, freundlich zu dem Fremden zu sein. Doch es ist eine grausame Freundlichkeit. Eines Tages sind die Messer und Gabeln verschwunden. Zunächst verdächtigt jeder jeden. Dann beschließen sie, dass Lalo, der Gast, der Dieb gewesen sein muss. Sie veröffentlichen eine Nachricht über den Vorfall in der Zeitung. Diese Nachricht ist voll falscher Informationen, doch sie erfüllt ihren Zweck: Aufmerksamkeit zu erregen.

Die sprichwörtliche türkische Gastfreundschaft hat sich verändert, seitdem vermehrt Flüchtlinge ins Land kommen. Das Stück behandelt mit absurdem Humor, Ironie und Provokation die neue Fremdenfeindlichkeit und den erstarkenden Nationalismus – nicht nur in der Türkei.


Ömer Kaçar

wurde in Balıkesir geboren. Er studierte Szenisches Schreiben und arbeitet als Nachrichtenredakteur und Theaterautor sowie für Radio, Fernsehen und Kino.