Theater und Orchester Heidelberg
Foto Sebastian Bühler

Schauspiel

Zwischenraum (Istanbul − Heidelberg)

Rechercheprojekt von Zinnure Türe

  • Archiv – Spielzeit 2018|19

  • Uraufführung

    PremiereFr 01.03.2019, 20.00–21.40 Uhr Zwinger 1+

Übersetzung aus dem Türkischen von Tunçay Kulaoğlu
In deutscher Sprache mit türkischen Übertiteln

Empfohlen ab 16 Jahren

Die Arbeitsbedingungen von Theaterschaffenden in der Türkei verschlechtern sich rapide. »Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für deutsche Künstler, sich solidarisch zu zeigen«, schrieb Can Dündar in der »Zeit«. Denn Theater werden geschlossen, Proben- und Aufführungsräume stehen plötzlich nicht mehr zur Verfügung, Subventionen werden zum Teil auf null heruntergekürzt, Theaterstücke verboten. Viele verlassen ihre Heimat, darunter vor allem auch große Teile der Bildungsschicht. »Brain-Drain«, Talentabwanderung, nennt sich dieser Vorgang – im Gegensatz zu »Brain-Gain«, der Zuwanderung von talentierten und gebildeten Menschen. Mit der Frage, wie diese Form von Migration die Welt verändert, setzt sich die türkische Schauspielerin und Regisseurin Zinnure Türe in ihrem Uraufführungsprojekt auseinander. Es basiert auf Interviews, die Zinnure Türe in Deutschland und in der Türkei geführt hat.

Zinnure Türe wurde 1981 in Tettnang als Tochter türkischer Gastarbeiter geboren. Im Alter von drei Jahren zog sie mit ihrer Familie in die Türkei, wo sie aufwuchs und ein Bachelor-Studium in Stadtplanung sowie 2009 bis 2012 ihren Master in Schauspiel an der Kadir Has Universität absolvierte. In ihrer Arbeit beschäftigt sich Zinnure Türe mit der türkischen Lebenswirklichkeit und reflektiert Themenfelder wie die Rolle der Frau in einer patriarchalen Gesellschaft, staatliche Einflussnahme auf Stadtentwicklung sowie Flucht und Migration. Aktuell ist eine öffentliche künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Themen in der Türkei mit Repressionen verbunden.

Theaterpädagogisches Begleitangebot: »Mal gucken!« | Nachgespräch

Bilder


Videos

Zwischenraum (Istanbul – Heidelberg)

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Für das Deutschlandradio beobachtete Christian Gampert die Premiere und berichtete im Anschluss live im Magazin »Fazit« des Deutschlandfunk Kultur. Den Beitrag des Kritikers im Gespräch mit Eckhard Roelcke, gesendet am 1.3.2019, können Sie im Online-Angebot des Deutschlandradios nachhören.

     

    Im Fachmagazin Theater der Zeit (April 2019) freut sich Björn Hayer besonders über die »abseitigen Momente, die dem Fremden seine Rätselhaftigkeit und Exotik lassen«, und mit denen Zinnure Türe mehr anbiete als die derzeit verbreitete Darstellung von Migrationsthemen in »Belehrungsinszenierungen« auf vielen deutschen Bühnen. Der Abend setze mit »reichlich Geschichten« und vielen Bildern einen »Wirbel an Assoziationen« in Gang und biete mit »einfallsreichen Detailmetaphern« eine szenische Collage, »deren Uneinheitlichkeit allen Versuchen, etwas zu vereindeutigen« zuwiderlaufe und somit klischeehaften Bildern etwas entgegensetze. Laut dem Rezensenten begibt sich der Abend – wie es der Titel verspricht – in »Zwischengefilde, die sich plakativer Zuschreibungen entziehen« und sei ein »hervorragender Auftakt« für den bevorstehenden Stückemarkt mit seinem Gastland Türkei.

     

    Daniel Stender besuchte die Premiere für den Südwestrundfunk. Seine Rezension, gesendet am 2.3.2019 im SWR2-Magazin »Journal am Mittag«, können Sie hier nachhören.

     

    Die vier Darsteller hätten die von Zinnure Türe collagierten Interviews »wirkungsvoll als so multiple wie schillernde Individualwelten« auf die Bühne gebracht, berichtet Heribert Vogt in der Rhein-Neckar-Zeitung (4.3.2019). Türes Inszenierung sprenge vor allem »Klischee-Vorstellungen im deutsch-türkischen Verhältnis« und mache den »Blick frei auf die so konkrete wie unterschiedliche Lebenswirklichkeit der Menschen aus der Türkei in ihrer ganzen Zerrissenheit«. Für den Rezensenten ein Theaterabend, der »Appetit auf mehr Türkei machte« – so beim Heidelberger Stückemarkt.

     

    Die Autorin und Regisseurin zeige eine Gesellschaft, »die nirgendwo wirklich zu Hause zu sein scheint«, beschreibt Sebastian Koch im Mannheimer Morgen (6.3.2019). Dabei sei es Zinnure Türe gelungen, die Motive und Entscheidungen der Protagonisten mit »starken« Darstellern nachvollziehbar zu machen. Die erzählten Schicksale regten zum Nachdenken an, machten betroffen – seien alleine Grund genug, das Stück anzuschauen.