Nachhaltigkeit am Theater und Orchester Heidelberg

 

Das Theater und Orchester Heidelberg arbeitet stetig daran, nachhaltiger zu werden und klimafreundlichere Praktiken in sämtliche Arbeitsprozesse zu integrieren. Dabei verstehen wir Nachhaltigkeit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als kontinuierlichen Prozess, der alle Bereiche unseres Hauses betrifft – von den Foyers über die Bühnen bis in die Verwaltung, die Haustechnik und die Werkstätten.

In den folgenden Rubriken zeigen wir, wie wir Verantwortung übernehmen, Ressourcen schonen und aktiv daran arbeiten, unseren kulturellen Auftrag mit ökologischer Haltung zu verbinden.

Unser Kostümfundus ist eine über viele Jahrzehnte gewachsene Sammlung von derzeit etwa 40.000 Kostümteilen aller Art aus allen Epochen, die auf 1.200 laufenden Metern Kostümstangen aufbewahrt werden. Kostüme aus vergangenen Produktionen werden umgestaltet und in neue Konzepte eingearbeitet. So statten wir neue Produktionen zu etwa 80 bis 95 % mit Kostümen aus dem Fundus aus. Die nötigen Anpassungen für die Darstellenden erfolgen in unserer hauseigenen Schneiderei.

In unserer Maskenabteilung werden Masken und Perücken ebenfalls immer wieder umgestaltet und weiterverwendet. Seit dieser Spielzeit verwenden wir vermehrt Kunsthaar für das Knüpfen neuer Perücken. Es ist widerstandsfähiger und langlebiger als Echthaar und muss seltener gewaschen und frisiert werden. Dadurch sparen wir rund 50 % Wasser und Energie. Zudem nutzen wir waschbare Abschminktücher, die pro Vorstellung bis zu 50 Einmaltücher ersetzen.

Foto: Susanne Reichardt

Um einen abwechslungsreichen Spielplan anbieten zu können, richten wir unsere Bühnen fast täglich für eine andere Inszenierung ein. Unsere Spielstätten in der Theaterstraße (Marguerre-Saal und Alter Saal) und in der Zwingerstraße (Zwinger 1 und Zwinger 3) verfügen jeweils über geräumige Lagerflächen für Dekorationsteile direkt neben den Bühnen. So vermeiden wir täglich mehrere Transportfahrten zu unseren Außenlagern.

Im Theater Heidelberg haben wir die Dachflächen des Orchestersaals und des Marguerre-Saals mit dem Bühnenturm extensiv begrünt. Auch im Zwinger ist das Dach der Lagerhalle von Pflanzen bedeckt. Dachbegrünungen wirken wie natürliche Klimaregulatoren: Sie dämmen das Gebäude, kühlen im Sommer, binden Feinstaub und schaffen Lebensraum für Insekten. Insgesamt tragen wir mit 1.410 m² Dachbegrünung zu einem ausgeglichenen Klima in der Heidelberger Altstadt bei.

Foto: Sebastian Bühler

Unser Heiz- und Lüftungssystem besteht aus vielen nachhaltigen Bausteinen. Dank der Sanierung unseres Theaterhauptgebäudes in der Theaterstraße 10 (abgeschlossen 2012) greifen wir auf hochmoderne, energiesparende Technik zurück, unterstützt durch eine moderne Gebäudeleittechnik.

Wir heizen zum größten Teil mit regionaler Fernwärme der Stadtwerke Heidelberg, die zu 50 % CO₂-frei ist. In der kalten Jahreszeit nutzen wir die Wärme unserer Abluft zum Aufheizen der frischen Zuluft. So werden bis zu zwei Drittel der Abwärme des Theaters wiederverwendet. Im Sommer funktioniert dies auf ähnliche Weise. Die adiabate Kühlung – ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung – dient an heißen Tagen als zusätzliche Kältequelle für unsere frische Zuluft.

Unsere Kältewärmemaschine mit einem Kälte- und Wärmespeicher stellt vor allem im Winter zusätzliche Wärme zur Unterstützung der Heizsysteme zur Verfügung. Zusätzlich unterstützen mehrere Erdsonden die Wärme- und Kältebedarfe durch Geothermie.

Unsere vielen Arbeitsbereiche hinter den Kulissen belüften wir nur bei Nutzung. In unseren Werkstätten, dem Marguerre-Saal, dem Alten Saal und auf den Probebühnen gibt es frische Luft genau dann, wenn Sie und wir sie benötigen. Ansonsten bleiben die Lüftungsanlagen ausgeschaltet und wir sparen Energie.

Foto: Susanne Reichardt

Alle öffentlichen Waschbecken in den Publikumsbereichen unseres Theaterhauptgebäudes und im Zwinger sind mit wassersparenden Armaturen ausgestattet. Gleiches gilt für die Sanitäranlagen in den Garderoben der Künstler*innen und des technischen Personals in der Theaterstraße 10. So sparen wir nicht nur Wasser, sondern auch Wärme, denn in unseren öffentlichen Sanitäranlagen stellen wir nur kaltes Wasser zur Verfügung.

Foto: Susanne Reichardt
Eine Hand unter einem laufenden Wasserhahn, daneben ein Seifenspender.

Unsere Räumlichkeiten erstrahlen zu 100 % in energiesparendem LED-Licht. Flure und Treppenhäuser sind zusätzlich mit Bewegungsmeldern ausgestattet, sodass Strom und Licht nur bei Bedarf verbraucht werden. Außerdem haben wir die Zahl der Leuchtmittel auf das nötige Minimum reduziert. Dadurch sparen wir dauerhaft etwa 40 – 50 % der vorherigen Energie ein.

Foto: Susanne Reichardt

Die Anreise zum Theater kann für unterschiedliche Personengruppen eine Herausforderung sein. Nicht alle Stadtteile und Orte in unserem Einzugsgebiet sind gleichermaßen gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und nicht alle Theaterinteressierte verfügen über einen PKW oder sind mobil.

Mit unserem Theaterbus bieten wir auch mobilitätseingeschränkten Gäst*innen aus weniger gut angebundenen Orten eine bequeme Anreisemöglichkeit zu unseren Vorstellungen. Zu ausgewählten Veranstaltungen decken wir einen Umkreis von rund 16 Kilometern mit acht Buslinien ab. In der Spielzeit 2024/25 konnten wir so rund 1.400 Zuschauer*innen den Weg zu uns erleichtern.

Mit dem VRN-Kombi-Ticket, das in allen Tickets enthalten ist, können Besucher*innen aus dem gesamten VRN-Gebiet bequem und ohne zusätzliche Kosten mit dem öffentlichen Nahverkehr an- und abreisen. Das ermöglicht eine emissionsarme Anfahrt und entlastet zugleich den städtischen Verkehr sowie die Parksituation in der Altstadt.

Foto: Susanne Reichardt

Mobilität von Mitarbeiter*innen:
Unsere rund 350 Mitarbeiter*innen legen für ihren einfachen Arbeitsweg im Durchschnitt täglich 12,5 km zurück. Ganze 50 % kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit, weitere 26 % nutzen den öffentlichen Nahverkehr, 6 % das E-Bike. Nur 19 % sind mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs.

Mobilität von Besucher*innen:
Im Juni 2025 haben wir eine Umfrage zur Mobilität unseres Publikums durchgeführt. Die Antworten zeigen eindeutig: Auch unseren Besucher*innen liegt das Thema Nachhaltigkeit am Herzen. Ein Großteil nutzt unser ÖPNV-Kombiticket und unsere Theaterbusse. Entsprechend reisen unsere Besucher*innen mit dem öffentlichen Nahverkehr, zu Fuß oder mit dem Fahrrad an. Wir sagen Danke!

Foto: Sebastian Bühler

Der nachhaltige Umgang mit unseren Printprodukten beginnt bereits bei der sorgfältigen Planung aller Veröffentlichungen. Regelmäßig erscheinende Materialien werden auf hochwertigem, ressourcenschonendem Offsetpapier produziert. Wir überprüfen die Auflagen kontinuierlich und passen sie flexibel an den tatsächlichen Bedarf an. So halten wir die Druckmengen möglichst gering und reduzieren den Material- und Energieverbrauch.

Eine gezielte Verteilung stellt sicher, dass wir nur die Druckerzeugnisse produzieren, die auch wirklich benötigt werden. Zudem entstehen unsere Programmhefte möglichst lokal und auf FSC-zertifizierten Materialien, also aus nachhaltiger und umweltgerechter Waldbewirtschaftung.

Ergänzend dazu haben wir in der Theaterstraße die bisherige Litfaßsäule durch eine digitale Info-Stele ersetzt. Sie stellt aktuelle Informationen direkt vor Ort bereit und reduziert den Bedarf an gedruckten Plakaten und Flyern. Unser Programm ist damit jederzeit digital abrufbar und kann flexibel aktualisiert werden.

Unser Theater arbeitet mit der Firma Reciclage zusammen, um nachhaltige Merchandise-Artikel herzustellen, die sowohl umweltbewusst als auch einzigartig sind. Aus alten Bannern und Fahnen entstehen dabei Taschen und andere Produkte, die ein zweites Leben erhalten und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen fördern. Jedes Produkt von Reciclage ist ein Unikat, das mit viel Hingabe und Kreativität aus wiederverwerteten Materialien gefertigt wird. Wir möchten damit nicht nur unsere Besucher*innen inspirieren, sondern auch ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen.

Die Taschen aus der Reciclage-Kollektion sind an unserer Theaterkasse erhältlich – ein praktisches und nachhaltiges Souvenir für alle, die sich für die Umwelt engagieren.

Seit 2024 ist das Philharmonische Orchester Heidelberg Mitglied des Orchester des Wandels e. V. Das Orchester des Wandels ist ein aktives Netzwerk aus Musiker*innen deutscher Orchester, die den Schutz von Klima, Natur und Arten als wesentlichen Teil ihres Kulturauftrags verstehen. Der Verein sammelt Spenden für zwei Projekte, die sich für den Schutz von Bogen- und Instrumentenhölzern in Madagaskar und Brasilien einsetzen.

Auch kreativ setzt sich unser Orchester dabei mit dem Thema Umweltschutz auseinander. In der vergangenen Spielzeit bot unser Konzertprogramm »Amazonia« eine Plattform für das Orchester des Wandels. Spenden sammeln die Orchestermitglieder zudem durch den Verkauf der Orchester-des-Wandels-Schokolade, deren Erlöse unter anderem Initiativen zur Regenwaldaufforstung zugutekommen. Zu ausgewählten Veranstaltungen ist die Schokolade im Foyer erhältlich.

Gemeinsam mit unserem hauseigenen Nachhaltigkeitsausschuss unterstützen unsere Musiker*innen außerdem die vom Orchester des Wandels angestoßene Konzeptentwicklung für emissionsarmes und nachhaltiges Handeln.

Foto: Susanne Reichardt

In unserer Bühnentechnik setzen wir konsequent auf Wiederverwendbarkeit und langlebige Lösungen. Für unsere Bühnenaufbauten nutzen wir überwiegend standardisierte Elemente wie Zargen, Rollensätze, pneumatische Heberollen zum Anheben und Bewegen schwerer Bühnenelemente, Antriebe und Podestbau-Module. Diese einmalig angeschaffte Grundausstattung ist vielseitig einsetzbar, beliebig kombinierbar und kommt immer wieder zum Einsatz.

Foto: Peer Rudolph

Auch in der Beleuchtungsabteilung verfolgen wir diesen Ansatz. Seit 2011 tauschen wir konventionelle Leuchtmittel kontinuierlich gegen energiesparende LED-Scheinwerfer aus und reduzieren so dauerhaft den Energieverbrauch im Spielbetrieb. Inzwischen sind rund 60 % der Bühnenbeleuchtung umgestellt – Tendenz steigend. Wir verwenden, wo immer es geht, ausschließlich diese bereits umgestellten 60 %, wodurch rund 90 % der Leuchtmittel, die auf unseren Bühnen zum Einsatz kommen, LEDs sind. Da sich die technischen Möglichkeiten nachhaltiger Leuchtmittel stetig weiterentwickeln, begleiten wir diesen Prozess von Beginn an fortlaufend und passen unsere Ausstattung entsprechend an.

Foto: Susanne Reichardt

Unser Möbel- und Ausstattungsfundus wird stetig erweitert und gepflegt. Anstatt für jede Produktion neu zu beschaffen, greifen wir auf vorhandene Möbel und Requisiten zurück, die vielfach umgestaltet und wiederverwendet werden können. So vermeiden wir Einmalproduktionen und unnötiges Entsorgen.

Darüber hinaus verwenden wir in unseren Werkstätten gefertigte Dekorationsteile mehrfach weiter. Ein aktuelles Beispiel ist die Umnutzung von Bühnenelementen der Oper »Macbeth«, die in der Barock-Oper »Der in seiner Freiheit vergnügte Alcibiades« ein zweites Leben fanden.