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Die Jury des 43. Heidelberger Stückemarkts, bestehend aus der Dramaturgin Lea Goebel, dem Regisseur Ronny Jakubaschk, der Autorin Caren Jeß, Jürgen Popig, Dramaturg und Künstlerischer Leiter des Stückemarkts, sowie der Kulturjournalistin Shirin Sojitrawalla vergibt insgesamt fünf Preise – drei an die im Autor*innenwettbewerb nominierten Stücke und zwei weitere an eingeladene Inszenierungen.


Der Autor*innenpreis 2026 geht an Lennart Kos für den Text »Balance und Harmony«. In der Komödie verschlägt es eine Handvoll Gäste eines teuren Meditations-Retreats in den Eingangsbereich, wo sie ihr Schweigegelübde brechen können. Aus flüchtigen Bekanntschaften wird eine Schicksalsgemeinschaft und nicht alle verlassen das Retreat lebend.


Der Autor*innenpreis wird gestiftet durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung und ist mit 10.000 Euro dotiert. Zu ihrer Entscheidung für »Balance und Harmony« sagt die Jury unter anderem:

»Lennart Kos’ Text […] zeichnet aus, wie er mit fast beiläufiger Komik ganz präzise freilegt, wie verloren und überfordert Menschen sind, die eigentlich nur versuchen, ihr Leben irgendwie in den Griff zu bekommen. […] Was […] sofort auffällt, ist dieses sehr genaue Theaterhandwerk. Die Figuren sind klar gezeichnet, individuell geführt, sorgfältig gebaut, ohne je konstruiert zu wirken. [Es ist der] Humor, der das Stück so außerordentlich besonders macht. Er ist nicht laut, nicht angestrengt, sondern entsteht aus sozialer Dynamik. […] unter allem liegt eine sehr klare Beobachtung unserer Gegenwart: der Wunsch nach Selbstoptimierung, nach innerer Einkehr, nach Balance. [Lennart Kos’ Text ist] Handwerklich auf allen Ebenen überzeugend gebaut.«


Die vollständige Laudatio auf Lennart Kos können Sie hier nachlesen.
 

 

Intendant Holger Schultze, Caren Jeß und Ronny Jakubaschk (Jury), Preisträger Lennart Kos, Lea Goebel, Shirin Sojitrawalla und Jürgen Popig (Jury); Photo: Susanne Reichardt

Der mit 5.000 Euro dotierte Internationale Autor*innenpreis, gestiftet durch das Land Baden-Württemberg, geht in diesem Jahr an Erin Shields für den Text »Zum Licht« (»To A Flame« – aus dem Englischen von Ulrike Syha):

»Erin Shields hat einen beeindruckend sinnlichen Text entwickelt, der die Mittel des Theaters gleichermaßen bedingt wie herausfordert. Faszinierend ist, wie die Autorin ein Stimmungsbild dreier Schwestern kreiert, das mit subtiler Intensität auf soziale Missstände hinweist. […] Der Einsatz von Gebärdensprache ist Bedingung einer Inszenierung. So erbringt das Stück den Versuch, Sprachwelten zusammenzuführen und Verständnis zwischen Gruppen zu schaffen. »Zum Licht« ist stilistisch in hohem Maße originell und verspricht uns ein innovatives Theatererlebnis«, so die Jury.


Die vollständige Laudatio auf Erin Shields können Sie hier nachlesen.


 

Intendant Holger Schultze, Preisträgerin Erin Shields, Caren Jeß und Lea Goebel (Jury); Photo: Susanne Reichardt

Auch das Publikum durfte beim 43. Heidelberger Stückemarkt aus den nominierten Texten seinen Favoriten wählen. Alle Theaterstücke des Autor*innenwettbewerbs sowie des internationalen Autor*innenwettbewerbs standen zur Wahl für den Publikumspreis.

2026 geht der Publikumspreis an Fayer Koch für den Text »Herz-Emoji, Bizeps«. Mit der Ehrung verbunden ist ein Preisgeld von 2.500 Euro, gestiftet vom Freundeskreis des Theaters und Orchesters Heidelberg.


 

Peter Abelmann (Freundeskreis), Fayer Koch, Intendant Holger Schultze; Photo: Susanne Reichardt

Gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher (Lucia Brandner, Safia Faouzi, Miranda Walter, Ben Reithmann und Siyan Velez) vergibt die Jury den Jugendstückepreis 2026 an das Gastspiel des Theaters der Stadt Aalen »ich sehe was / was du nicht siehst« von Sergej Gößner in der Regie von Julius Max Ferstl. Gestiftet wird der Preis in Höhe von 6.000 Euro seit vielen Jahren von dem Heidelberger Unternehmerehepaar Bettina Schies und Klaus Korte†. Die Auszeichnung ist zudem mit einer Einladung in das Rahmenprogramm der Mülheimer Theatertage verbunden. Wie schon in den beiden Vorjahren geben die Stifter außerdem wieder je 2.000 Euro für die beiden anderen nominierten Jugendstücke, »Endland« von der Schauburg München und »Ein Glücksding« vom Theater der Jungen Welt Leipzig.


Die Laudatio der Jugendjury können Sie hier nachlesen.
 

 

Intendant Holger Schultze, Siyan Velez und Ben Reithmann (Jugendjury), Schauspieler Marius Petrenz, Regisseur Julius Max Ferstl, Safia Faouzi, Lucia Brandner und Miranda Walter (Jugendjury), Stifterin Bettina Schies; Foto: Susanne Reichardt

Mit Blick auf eine nachhaltige Förderung neuer Dramatik wurde 2011 der Nachspielpreis ins Leben gerufen. Den Nachspielpreis gewinnt 2026 das Stück »Wald« von Miriam V. Lesch in der Inszenierung von Katja Wachter am Theater Lübeck.

»Wald« erzählt ebenso absurd-lustig wie liebevoll vom nordeuropäischen Wald, der sich Städte und Agrarflächen zurückerobert, ohne dabei in die bekannten, dystopischen Klischees vom Untergang der Gesellschaft zu verfallen. Stattdessen kommen Bäume, Pilze und Käfer selbst zu Wort. »Wald« setzte sich gegen »Blutbrot« von Miriam Unterthiner vom Theater am Werk, Wien und »faulender  Mond« von Anaïs Clerc vom Münchner Volkstheater durch. Der Nachspielpreis ist undotiert und mit einer Gastspieleinladung zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin verbunden.


Die Jury begründet diese Entscheidung wie folgt: »Selbstbewusst, verspielt, manchmal albern, nie zynisch oder belehrend gehen Text und Inszenierung das Thema der Klimaveränderung, den Konflikt zwischen Mensch und Natur an. Regisseurin & Choreografin Katja Wachter [arbeitet] mit dem fünfköpfigen Ensemble […] szenisch genau sowie eng am Text entlang, schweift aber immer wieder mit Hilfe aufwändig gearbeiteter und kraftvoll getanzter Choreografien ab oder vielmehr weiter.« Die Jury lobt des Weiteren Agnes Hamvas überzeugendes Bühnenbild, dessen Harmonie mit Spiel und Choreografie der Inszenierung sowie das überzeugende Aufgreifen der stückeigenen Themen.


Die vollständige Laudatio zum Nachspielpreis können Sie hier nachlesen.

Holger Schultze, Malte C. Lachmann (Schauspieldirektor Lübeck) und Regisseurin Katja Wachter, Shirin Sojitrawalla und Ronny Jakubaschk (Jury); Foto: Susanne Reichardt