Theater und Orchester Heidelberg

Amiwiesen / Born with the USA

von Kerstin Specht
im Rahmen des Theaterspektakels Born with the USA

Mit dem geistig behinderten Mädchen ihrer einstigen Arbeitgeberin, die jetzt tot ist, dafür hat sie eigenhändig gesorgt, streift die Dienstmagd Anna Kern über matschige Wiesen. Die Amiwiesen an der bayrisch-thüringischen Grenze, wo sie eine Zeitlang glücklich war. Unmittelbar nach dem Krieg, verliebt in einen GI, aber es sollte nicht von Dauer sein. Er war verheiratet und ließ sie allein. Geheiratet hat sie später Herbert, doch das ersehnte Kind ging ihr ab, und sie verlor auch Herbert zu früh. Immer ist sie eine »Pechmarie« gewesen. Nach dem frühen Tod auch ihres Arbeitgebers war für Anna vom deutschen Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit nicht viel zu spüren. Tyrannisiert von dessen Frau hat sie nur noch Verachtung für sie übrig. Ihr Triumph kommt spät, aber nun hat sie endlich ein Kind, »ein Kindla« ganz für sich allein. Auf dem Acker sitzend vergegenwärtigt sie sich ihr Leben, in der Erde nach Karto eln grabend, singend, dem Kind ihr Leben erzählend, zusehends erschöpft. Ihr Resümee eines elenden Lebens kontrastiert der Traum vom fernen Amerika. »Und wenn mir in Amerika wären, da könnten mir Schadensersatz kriegen. Da hat sich eine in Tschikago mit einer beheizten Klobrille den Arsch verbrannt. Da hat sie eine halbe Million kriegt. Dollar. Da hätte ich ihn mir zweimal verbrennt, hättn mir ausgesorgt. Wenn mir halt in Amerika wären. Aber mir kommen da noch hin.«

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