Theater und Orchester Heidelberg
James Homann (Gershom Scholem), Shahar Lavi (Hanna A.), Ks. Winfrid Mikus (Bertolt B.), Miljenko Turk (Walter B.), Denise Seyhan (Dora K.), Yasmin Özkan (Asja L.); Foto Sebastian Bühler

Benjamin

Musiktheater in sieben Stationen von Peter Ruzicka

Libretto von Yona Kim

Empfohlen ab 16 Jahren

Walter Benjamin ist auf der Flucht. Auf dem Weg durch die Pyrenäen über Spanien will er ins vermeintlich sichere amerikanische Exil, um dem Tod durch die Nationalsozialisten zu entgehen.
Der jüdisch-deutsche Philosoph trägt nichts weiter bei sich als eine Aktentasche mit seinen Manuskripten. Begegnungen mit Freunden und Weggefährten wie Hannah Arendt oder Bertolt Brecht, Gedankenwelten und historische Ereignisse kreisen auf dem Weg durch das Gebirge in seinem Kopf wie im Fiebertraum. Eine gedankliche Apokalypse, die mit dem Freitod Benjamins in der spanischen Grenzstadt Port-Bou endet.
Peter Ruzickas Oper beabsichtigt nicht, sich dem Leben des Philosophen und Revolutionärs biografisch zu nähern, sondern »ist vielmehr der Versuch eines Musiktheaters, das in seiner Dramaturgie die magische Gangart seines radikal grenzgängerischen Denkens aufnehmen will«, so Librettistin Yona Kim.

Das Theater Heidelberg wird als erste Bühne nach der Uraufführung im Juni 2018 in Hamburg eine eigene szenische Interpretation präsentieren.

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Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Es ist ein Ereignis«, schreibt Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (11.2.2019) über eine »preisverdächtige« Heidelberger Zweitaufführung, die »in Erinnerung bleiben« werde. Regisseur Ingo Kerkhof gelinge es, über den gesamten Abend einen »Spannungsbogen zu halten« in dem der Musik »Raum zu Entfaltung« gelassen werde – er wisse, dass sich »wirkliches Musik-Theater in Klängen« abspiele. Verlassen könne sich der Regisseur auf die »exorbitanten darstellerischen und sängerischen Fähigkeiten von Ensemble, Chor und Kinderchor sowie des Philharmonischen Orchesters Heidelberg«. GMD Elias Grandy habe das »große Werk absolut sicher im Griff«, die Ensembleleistung sei »grandios« und Miljenko Turk in der Titelrolle ein »herausragender Benjamin«.

     

    In Heidelberg sei etwas »Wunderbares« geschehen, zeigt sich auch Stefan M. Dettlinger im Mannheimer Morgen (11.2.2019) begeistert: Mit »Benjamin« sei ein »fabelhafter Abend« gelungen, der »auf höchstem Niveau in die Tiefe geht, das Format Musiktheater als Forum inhaltlicher Auseinandersetzungen weiterdenkt und der nie zur bleiernen Zeit wird«. Ruzickas Komposition sei »fesselnd«, die Umsetzung durch Regie, Darsteller*innen und Orchester »großartig«: »Dass alle Beteiligten dann auch noch auf höchstem Niveau überzeugen, es steigert die Exzellenz dieses Abends«, der »nebenbei« auch noch eine Menge Philosophie und Geschichte verhandle und so »zu einem wahren Theaterwunder« werde.

     

    In der Frankfurter Rundschau (11.2.2019) bemerkt Judith von Sternburg, es sei »imposant«, wie das Werk sich trotz »kopflastigem Libretto« und »komplexer, vielfältiger Form« der Musik »intuitiv als Alptraum eines Verlorenen« erschließen lasse. Regisseur Ingo Kerkhof habe die Szenen „aus sich selbst« heraus entwickelt. Ein »fabelhaft einsatzfreudig agierender, sprechender und singender Chor«, Miljenko Turk mit »hervorragend profundem, dabei angemessen beweglichem« Bariton in der Titelrolle, Yasmin Özkan als Asja mit »gleißender Strahlkraft« hebt die Rezensentin hervor – außerdem die »enorme« Leistung des Philharmonischen Orchesters, das sich unter der Leitung von GMD Elias Grandy »scheinbar problemlos in die aufwendige, durchaus vertrackte Situation« finde.

     

    Nach der »imponierenden« Zweitaufführung von Rihms »Dionysos« habe das Theater und Orchester Heidelberg nun eine »packende Interpretation« von Ruzickas »Benjamin« vorgelegt, bemerkt Gerhard R. Koch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (16.2.2019). Regisseur Ingo Kerkhof habe ein »multiperspektivisches Ideen-Labyrinth« gebaut, in dem »unterschiedlichste Impulse und Traditionen« aufblitzten. Ruzickas Partitur stelle Ensemble, Orchester und Chor vor »hohe, stilistisch komplexe Aufgaben«, die unter der Leitung von GMD Elias Grandy »vorzüglich gelöst« würden. Fazit des Rezensenten: »Das schwierig-suggestive Stück lohnt sich unbedingt«.

     

    Für das Magazin die deutsche Bühne (online, 10.2.2019) besuchte Detlef Brandenburg die Generalprobe der Oper und beobachtete eine Inszenierung, die vor dem Hintergrund von Brechts epischem Theater Benjamins »Gedankenwelt aufspanne, ohne sie zu illustrieren oder durch allzu viel Handlung zu beunruhigen«. Zudem mache Regisseur Ingo Kerkhof aber mit »präziser Personenführung« auch die »Tragödie des Menschen« Walter Benjamin »spürbar«: »Das ist stark«. »Stark« sei auch die musikalische Umsetzung der Partitur durch das »vorzügliche Orchester«, »wunderbar« geleitet von Elias Grandy, wie auch die Leistungen der Sänger und des Chores. Fazit des Rezensenten: »Die Oper Heidelberg hat damit die Repertoiretauglichkeit dieser Oper unter Beweis gestellt, und ihre eigene beachtliche musikalische Kompetenz gleich mit.«

     

    Im Magazin »SWR2 am Morgen« bespricht Daniel Stender die Premiere. Seinen Beitrag, gesendet am 11. Februar im SWR2, können Sie hier nachhören.

     

    Für das Magazin »Treffpunkt Klassik« des SWR2 sprach Julia Neupert mit Komponist Peter Ruzicka über seine Oper, seinen Einfluss auf die Neuinszenierung und warum er sehr gespannt auf das Ergebnis in Heidelberg ist. Das Interview mit Peter Ruzicka, gesendet am 5. Februar 2019 im SWR2, können Sie im Online-Angebot des SWR nachhören.