Theater und Orchester Heidelberg

Der Hessische Landbote

von Georg Büchner

Erste Botschaft, Darmstadt, im Juli 1834: »Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Leben des Bauern ist ein langer Werktag, Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.«
Georg Büchner hat in seinem kurzen Leben viel versucht und viel gewagt. Gemeinsam mit dem Theologen Friedrich Ludwig Weidig verfasste er die sozialrevolutionäre Flugschrift Der Hessische Landbote und verbreitete sie in etwa 1.000 Exemplaren, von denen 200 beschlagnahmt wurden, in den ländlichen Gegenden Oberhessens. Es handelt sich vermutlich um den Höhepunkt der revolutionären Publizistik im deutschen Vormärz, »die einzige deutsche politische Flugschrift, die zum Verständnis und Herz des Volkes gelangt ist« (August Becker 1837). Büchner: »Der materielle Druck, unter welchem ein großer Teil Deutschlands liegt, ist ebenso traurig und schimpflich als der geistige; und es ist in meinen Augen bei Weitem nicht so betrübend, dass dieser oder jener Liberale seine Gedanken nicht drucken lassen darf, als dass viele Familien nicht imstande sind, ihre Kartoffel zu schmälzen.« Und heute?

Zum 200.Geburtstag Georg Büchners überprüfen wir den Hessischen Landboten auf seine Aktualität und stellen ihn als Theaterprojekt erneut zur Diskussion – im Friedrich 5, der Probe- und Experimentierbühne im Theaterneubau. »Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«