Theater und Orchester Heidelberg

Der Tempelherr

ein erbauungsstück von Ferdinand Schmalz in der Regie von Philipp Arnold; Deutsches Theater Berlin

Das jüngste Stück von Ferdinand Schmalz beginnt mit der goldenen Aussicht auf eine kleine Heimat weit außerhalb der Stadt. Heinar hat ein Stück Land gekauft: für sich, seine schwangere Frau Petra und für das ungeborene Kind. Doch was als Sinn-Ganzes gedacht ist, als großer Zusammenhang, läuft bald aus dem Ruder. Fassungslos beobachtet seine Umgebung – die Dorfbewohner, sein Financier und Schwiegervater, seine Freunde, seine Ehefrau – wie der Bauherr nach wochenlanger Meditation eigenhändig und wie ein Irrer zu bauen beginnt. Doch was entsteht, ist kein »haus, / mit wänden, / türen, / fenstern, / keller, / speise-, / kinder-, / schlaf-, / und gästezimmer, / bad und klo, / brause im hause, / krüppelwalmdach, / terrasse, / carport«. Statt dieser und ähnlicher Errungenschaften enthüllt Heinar einen strahlend weißen Tempel. Bald wächst die Baustelle ins Unermessliche. »aus den ruinen des kontinents« heraus erfindet der Tempelherr sich und sein Stück Land ganz neu. Alle anderen bleiben Zaungäste. Was ihnen verrückt erscheint, ist Heinar notwendig; was er sich erschafft, bleibt ihnen verschlossen. Der Tempelherr baut Fluchten, Säulengänge, labyrinthische Sinnsucher-Strukturen: eine Schöpfung, die alle Zeiten sprengt und aus dem Gestern ins Morgen hineinragt. Ein neues Haus, eine Stadt, ein Gegenentwurf zu allem Bestehenden, ein Mausoleum, das den Bauherrn am Ende verschluckt.

Besetzung

Regie Philipp Arnold ǀ Bühne Viktor Reim ǀ Kostüme Julia Dietrich ǀ Video Sebastian Pircher ǀ Musik Matthias Lunow ǀ Licht Christina Jedelski ǀ Dramaturgie Bernd Isele, Juliane Koepp
Mit Harald Baumgartner, Edgar Eckert, Bernd Moss, Linn Reusse, Natali Seelig

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Der Tempelherr