Theater und Orchester Heidelberg
Foto Susanne Reichardt

Der Untertan

nach Heinrich Mann

Bühnenfassung von Markolf Naujoks

Empfohlen ab 15 Jahren

»Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.« So beginnt Heinrich Manns Erfolgsroman »Der Untertan«, zu Papier gebracht zwischen 1906 und 1914, vollständig veröffentlicht 1918 nach Ende des Ersten Weltkriegs. Was muss nun geschehen, dass der kleine Diedel in seiner weichen Schale einen knallharten Kern offenbart: Eine Persönlichkeit, die selbstgerecht das eigene Fähnchen nach jedem Wind dreht, der ihren verdrehten Idealen in die Segel bläst, dabei begeistert vor der Macht buckelt und nebenbei über Leichen geht? Der Nährboden ist fruchtbar im Deutschen Kaiserreich, wo sich zwischen Burschenschaft und Bierkeller, Lust und Schmerz, Lokalpolitik und Profitgier der Prototyp des Untertans prächtig entwickelt. Rund hundert Jahre nach der Erstveröffentlichung ist Diederichs »Way of Life« noch immer äußerst Erfolg versprechend – und im Klima eines erstarkenden Rechtspopulismus alles andere als ungefährlich.

Der Regisseur und Theatermusiker Markolf Naujoks arbeitet seit 2013 regelmäßig am Theater und Orchester Heidelberg, zuletzt entstanden hier seine Bühnenadaptionen von »Kleiner Mann – was nun?« und »Das kalte Herz«. Zudem inszeniert er unter anderem an den Staatstheatern Mainz und Kassel.

Theaterpädagogisches Begleitangebot: Probenklasse | Mal gucken! | Begleitmaterial | Vorbereitung | Nachgespräch 

Termine

Weitere Termine
So 23 Februar
19.00–20.50 Uhr > Zwinger 1

Der Untertan

nach Heinrich Mann

Mi 4 März
20.00–21.50 Uhr > Zwinger 1

Der Untertan

nach Heinrich Mann

Do 5 März
20.00–21.50 Uhr > Zwinger 1

Der Untertan

nach Heinrich Mann

Fr 6 März
20.00–21.50 Uhr > Zwinger 1

Der Untertan

nach Heinrich Mann

So 8 März
19.00–20.50 Uhr > Zwinger 1

Der Untertan

nach Heinrich Mann

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Änderungen vorbehalten

Allgemeine Information zum Kartenkauf:

Entgegen unserer Voraussagen und Planungen von Anfang November 2019 müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass sich die Eröffnung der Bühnen im Zwinger nochmals verschiebt. Aufgrund von Verzögerungen seitens der bauverantwortlichen Stellen können wir nicht wie geplant im Dezember 2019 den Zwinger wieder beziehen. Leider verzögern sich die Baumaßnahmen bis Ende Januar 2020.
Bitte beachten Sie, dass die Vorstellungen von »Der Untertan« bis Ende Januar in der HebelHalle, Hebelstraße 9, stattfinden.

Weitere Vorstellungstermine sind in Planung. Diese entnehmen Sie bitte den gedruckten Monatsspielplänen. Zum jeweiligen Vorverkaufsstart werden diese Termine auch hier sowie im Online-Spielplan veröffentlicht.

Besetzung

Licht Andreas Rehfeld*, Kristin Rohleder
Regieassistenz Georg Zahn
Soufflage Sara Eichhorn

Technischer Direktor Peer Rudolph
Technischer Produktionsleiter Jens Weise
Technischer Leiter Zwinger 1 und 3 Dirk Wiegleb
Seitenmeister/Vorarbeiter Christian Brecht, Kai Engelhardt*
Leiter der Beleuchtungsabteilung Ralf Kabrhel
Leiter der Tonabteilung Alexander Wodniok
Tontechniker Martin Rohr, Janusz Zajonz*
Leiterin der Kostümabteilung Katharina Kromminga, Kristina Flachs (stellv.)
Gewandmeisterin Damen Karen Becker
Gewandmeisterin Herren Rebecca Meurer
Chefmaskenbildnerin Kerstin Geiger, Martina Müller (stellv.)
Abendmaske Ramona Bauer, Laura Stumpf
Leiterin der Abteilung Requisite Lotte Linnenbrügger
Requisiteur Wolf Brückmann
Vorstand des Malersaals Dietmar Lechner
Leiter der Dekorationswerkstatt Markus Rothmund
Leiter der Schlosserei Karl-Heinz Weis
Leiter der Schreinerei Klaus Volpp

*Betreuung in der HebelHalle

Bilder


Pressestimmen

  • Für die Rhein-Neckar-Zeitung (31. Dezember 2019) berichtet Volker Oesterreich von einem Abend mit revueartigem Zuschnitt frei nach Heinrich Manns satirischem Zeitroman, in dem »patriotisch-nationalistisches Liedgut« hervorragend kontrastiere »mit dem Untertanengeist Diederich Heßling, der im Elternhaus und in der Schule, bei seinen Corpsstudenten und vom Militär gedrillt wird, seinen Kaiser immerfort anhimmelt, aber seinen Mitmenschen übel mitspielt«. Dabei zeigten sich die Ensemblemitglieder »darstellerisch und gesanglich ganz auf der Höhe« und zeigten, wie »während des Wilhelminismus viele Menschen zu untertänigen Charakterkrüppeln verbogen wurden. Von wegen herrliche Tage!«. Es genügten »wenige Requisiten, ein paar wilhelminische Uniformen und die gekonnte parodistische Unterstützung durch den Männergesangverein Kirchheim für eine rundum geglückte Produktion, die nicht sklavisch am Text des Buches klebt, aber dennoch dem Geist des Werks ausgezeichnet gerecht wird«.

     

    Im Darmstädter Echo (2. Januar 2020) beschreibt auch Stefan Benz eine »geschickte« Übersetzung des Romans auf die Bühne als »pfiffige Mischung aus satirischer Revue und nationalromantischem Liederabend«. Mit »Mut zur Lücke« habe Regisseur Markolf Naujoks Episoden aus der Vorlage ausgesucht und sie mit musikalischen Kommentaren zu einem »eigenständigen Werk« verknüpft, wobei er dem Gedanken widerstanden habe, den Roman »las Mahnschrift für die 2020er umzudeuten«. Er mache es »geschickter, indem er sein Ensemble immer wieder als Chor formiert«. Die von Günter Lehr mit den Darsteller*innen einstudierten »großartigen Arrangements« würden »so schön gesungen, dass es schleichend irritiert«. Der Abend beweise: »Hässliche Geister haben bisweilen schöne Stimmen, die ihre bösen Lieder bestürzend gut klingen lassen.«

     

    Als »bemerkenswerte Ergänzungen« des Textes beurteilt Alfred Huber im Mannheimer Morgen (31. Dezember 2019) die zahlreichen Gesangseinlagen der Schauspieler*innen, »mal martialisch, mal schnulzig«. »Unterhaltsam« sei der Abend, überzeugend vor allem durch das »famos agierende Ensemble«, das beweise, dass »selbst die chaotischste Verwirrung der Gefühle einen Sinn haben kann, wenn dabei der Wahn des zackigen Preußentums herrlich veralbert wird«.