Theater und Orchester Heidelberg

Deutschsprachiger Autor*innenwettbewerb Teil I

Texte von Natascha Gangl, Sina Ahlers und Philippe Heule

  • Archiv – Spielzeit 2019|20

  • Lesung im Videostream

Vorgestellt werden
»Menschen im Wald« von Natascha Gangl (Lesung um 13.30 Uhr),
»Schamparadies« von Sina Ahlers (Lesung um 14.30 Uhr) und
»Das Haus brennt« von Philippe Heule (Lesung um 16.00 Uhr).

Der Heidelberger Stückemarkt wird zum ersten Mal in seiner 36-jährigen Geschichte nicht stattfinden. Wir präsentieren aber die Stücke im Rennen um den deutschsprachigen Autor*innenwettbewerb zur regulär für das Festival geplanten Zeit online als Videos auf theaterheidelberg.de.

»Menschen im Wald« von Natascha Gangl

Es lesen Nicole Averkamp, Sheila Eckhardt und Sophie Melbinger
Einrichtung Jürgen Popig

Natascha Gangl; Foto Marcel Rius

Ein Wald – der im Laufe des Abends zu verschwinden droht. In ihm drei Frauen auf Wanderung: die Lehrerin, die Bürgermeisterin und die Trafikantin. Was ist der Wald für sie? Was für die Menschheit? Sehnsuchtsort – vielbeschrieben, vielbesungen? Kollektives Lebenselixier, das es zu erhalten gilt? Oder einfach eine gewinnbringende Kapitalanlage? Über verschiedene Sprachstile und Sprechweisen von konkreter Poesie bis Mundart kreiert die Autorin Natascha Gangl in Überschreibung zahlreicher literarischer Quellen von Ernst Jünger bis zu den österreichischen Heimatromanen von Reinmichl eine Art hoffnungsvolles Requiem auf das Verhältnis von Mensch und Natur – poetisch, bestürzend und komisch. Eine Sprachsinfonie zwischen Anbetung und Abholzung.

 

Natascha Gangl
schreibt Theatertexte, Prosa, Essays und erarbeitet in unterschiedlichen Kollektiven szenische Installationen, Hörstücke oder Live-Klangcomics, in denen sie die Grenze zwischen Sprache und Musik, verstehbarem und erfahrbarem Sinn auslotet. 2013ǀ14 war sie Hausautorin am Staatstheater Mainz. Natascha Gangls Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

»Schamparadies« von Sina Ahlers

Es lesen Marco Albrecht, Nicole Averkamp, Johanna Dähler, Benedict Fellmer, Simon Labhart, Sophie Melbinger und Magdalena Wabitsch
Einrichtung Josefine Rausch

Sina Ahlers

Direkt am Kanal ein Haus. Oben wohnen Mutter und Tochter, ihre finanzielle Lage ist prekär, wenn sich keine Lösung findet, sitzen sie nächste Woche auf der Straße. Unten eröffnen zwei junge Männer ein Suppenrestaurant. Die Gegend ist im Kommen, nur jetzt noch nicht, denken sie. In den Büschen am Kanal zwei Furien, sie sind jung und dennoch längst verbraucht. Die Wege der Sechs kreuzen sich, sie alle haben eines gemeinsam: Wünsche und Fantasien, alles ist heimlich und muss im Verborgenen bleiben. Und doch bricht es aus ihnen heraus, auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals, im Schamparadies. Ein Ort wie ein Intimbereich. Alles offen, alles verwundbar. Sina Ahlers wagt sich in ihrem Stück an die Scham; an den Komplex aus körperlicher Schutzreaktion, Angst, Intimität. Was füttert die Scham? Was vermag sie zu besänftigen? Ist Scham politisch?

 

Sina Ahlers
wurde 1990 in Stuttgart geboren. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Tübingen und begann ein Masterstudium in Dramaturgie an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg, bevor sie in den Studiengang Szenisches Schreiben an die Universität der Künste in Berlin wechselte. Sie ist Gründungsmitglied des Rohbautheater Kollektivs.

»Das Haus brennt« von Philippe Heule

Es lesen Magdalena Neuhaus, Jonah Moritz Quast, Katharina Quast und Hendrik Richter
Einrichtung Laura Becker

Philippe Heule

Sonntag ist Zeit für die Familie: Quality Time! Anstatt vor dem Fernseher herumzulungern, wird bei Familie W. der allwöchentliche Tatort live im Wohnzimmer miteinander gespielt. Michael W., Vater und Familienoberhaupt, ist Privatdetektiv und bereichert das außergewöhnliche Krimierlebnis gerne mit seinen Alltagserfahrungen. Aber was ist mit seinen Lieben eigentlich los? Irgendwie ist alles im Umbruch – Tochter und Sohn sind auf dem Sprung ins eigene Leben und auch Ehefrau Celine will sich Reflexzonen massierend nun endlich selbstverwirklichen. Ist sein Status als Ernährer und Patriarch etwa gefährdet? Beim Kerzenausblasen am 18. Geburtstag des Sohns kommt es zum Showdown und die Grenzen zwischen Spiel und Realität drohen zu verschwimmen …  Eine irrwitzige schwarze Komödie über Macht und Männlichkeit, Verdrängung und Manipulation.

Philippe Heule
ist Autor, Regisseur und Schauspieler. Er ist Begründer des Performance-Kollektivs helium x. Sein Stück »Die Simulanten« wurde 2016 am Theater Dortmund als Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen uraufgeführt. In der Spielzeit 2015ǀ16 war Phillipe Heule Hausautor am Theater Basel und 2018 erhielt er den Else-Lasker-Schüler-Stückepreis..