Theater und Orchester Heidelberg

Deutschsprachiger Autor*innenwettbewerb Teil I

Texte von Magdalena Schrefel, Daniel Ratthei und Caren Jeß

Vorgestellt werden
»Ein Berg, viele« von Magdalena Schrefel (Lesung um 13.30 Uhr),
»Werther in love« von Daniel Ratthei (Lesung um 14.30 Uhr) und
»Bookpink« von Caren Jeß (Lesung um 16.00 Uhr).

Im Anschluss an jede Lesung findet ein Publikumsgespräch statt.

»Ein Berg, viele« von Magdalena Schrefel

Es lesen Massoud Baygan, Lisa Förster, Simon Labhart, Nadja Rui, Marco Sykora, Ulrich Westermann
Einrichtung Lene Grösch

Sören Hornung; Foto Arda Funda

Magdalena Schrefel; Foto Sarah Horvath

England, 18. Jahrhundert: Küste, Klippen, beißender Wind. Im hell erleuchteten Turmzimmer grübelt ein Geograf über einer Afrika-Karte. Warum nur macht der Fluss auf der Karte einen rätselhaften Knick? »Hier sind Löwen« ist auf seinen alten Karten »terra incognita« benannt. Aber der Geograf will gegen die Löwen ankämpfen, er will die Welt ordnen – und erfindet kurzerhand den Berg Kong, der den Fluss davon abhält, seinen natürlichen Lauf zu nehmen. Und die Welt glaubt ihm. – Berg Kong, Gegenwart: Sand, Strand, kein Berg weit und breit. Die Filmemacherin Pearl trifft auf Ismael, der nach der Küstenwache Ausschau hält und Europa als gefräßigen Kraken bezeichnet. Wenn Ismael seinen Kopf in einen Atlas steckt, dann kann er den Berg wahrhaftig sehen und Europa ist nur einen Daumen weit entfernt. Die Macht der Sprache kann Fakten schaffen. Aber manchmal ist es gut, nicht alles zu glauben, was andere behaupten.

 

Magdalena Schrefel,
geboren 1984, studierte in Wien Europäische Ethnologie/Volkskunde sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Mit ihren preisgekrönten Stücken war sie unter anderem bereits an den Münchner Kammerspielen, beim Heidelberger Stückemarkt und bei der Europäischen Theaterbiennale Wiesbaden zu Gast.

»Werther in love« von Daniel Ratthei

Es lesen Johanna Dähler, Simon Labhart, Marco Sykora
Einrichtung Viktoria Klawitter

Esther Becker; Foto Françoise Caraco

Daniel Ratthei; Foto privat

Werther besitzt kein Handy, keinen Führerschein, trinkt keinen Alkohol, ernährt sich vegan, versucht sich als bildender Künstler – er ist »durchgeknallt«, würde sein Kumpel Wilhelm sagen – und ist auf der Suche nach Liebe, während Wilhelm eher nach der schnellen Nummer sucht. Als sie auf dem Weg zu einer Party Lotte kennenlernen, weiß Werther sofort: Das ist sie, seine große Liebe. Er ist hin und weg. Doch Lotte ist bereits vergeben; an Albert, und der ist eigentlich auch ganz in Ordnung. Aber ist da nicht doch etwas zwischen Lotte und Werther? Das kann nicht sein, dass nur er diese Funken spürt. Daniel Ratthei holt Goethes legendären Briefroman von 1774 auf kluge Weise in unsere heutige Zeit. Ihm ist damit eine kraftvolle Bearbeitung mit ganz eigenen Zügen gelungen, die zudem sehr viel Spaß macht.

 

Daniel Ratthei,
geboren 1979 in Cottbus, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig. Seit seinem Abschluss ist er an verschiedenen Theatern sowie in der freien Szene als Schauspieler engagiert. Für Jugendliche hat Daniel Ratthei schon mehrere Stücke geschrieben. Mit »Der goldene Ronny« war er 2017 für den Jugendstückepreis des Heidelberger Stückemarkts nominiert.

»Bookpink« von Caren Jeß

Es lesen Lisa Förster, Dominik Lindhorst-Apfelthaler, Julia Lindhorst-Apfelthaler, Nadja Rui, Marco Sykora, Ulrich Westermann
Einrichtung Lene Grösch

Caren Jeß, Foto Mathias Hainke

Caren Jeß, Foto Mathias Hainke

Den Dreckspfau hat es denkbar schlecht getroffen – schon als die Mutter sein Ei im dunklen Wald entsorgte. Trotzdem geschlüpft, natürlich kriminell geworden. Voll verdreckt sieht keiner seine Schönheit. Im Gegenteil. Der Spatz, der Spast, macht ihn nur blöd an, und die Unterstützung gibt ihm Zuspruch, aber keinen Fernseher. Der Bussard redet gar nicht mehr und die Flamingos sind es leid, sich ewig nur im Kreis zu drehen. Sumpfmeise Veroniko möchte nicht auf seine Schönheit reduziert werden und die Taube im Müll träumt von barocker Zügellosigkeit. In sieben komisch-poetischen Miniaturen beschreibt Caren Jeß menschliche Abgründe im Federkleid und lässt sie so befremdlich schön blühen wie die selbstverliebte Narzisse inmitten der LGTB-Pflasterritzenvegetation.

Caren Erdmuth Jeß,
geboren 1985, studierte Deutsche Philologie und neuere deutsche Literatur in Berlin. Als Dramatikerin trat sie 2017 zum ersten Mal in Erscheinung, als sie mit ihrem Stück »Deine Mutter oder der Schrei der Möwe« den dritten Platz des Osnabrücker Dramatikerpreises belegte. 2018 gewann sie mit »Bookpink« bereits die Residency des Münchner Förderpreises für deutsche Dramatik.