Theater und Orchester Heidelberg

Deutschsprachiger Autor*innenwettbewerb Teil II

Texte von Yade Yasemin Önder, Johanna Kaptein und Sören Hornung

    Lesung im Videostream

Vorgestellt werden
»Die Worte gehören uns« von Yade Yasemin Önder (Lesung um 13.30 Uhr),
»un.orte« von Johanna Kaptein (Lesung um 14.30 Uhr) und
»Arche NOA − Das Ende vom Schluss« von Sören Hornung (Lesung um 16.00 Uhr).

Der Heidelberger Stückemarkt wird zum ersten Mal in seiner 36-jährigen Geschichte nicht stattfinden. Wir präsentieren aber die Stücke im Rennen um den deutschsprachigen Autor*innenwettbewerb zur regulär für das Festival geplanten Zeit online als Videos auf theaterheidelberg.de.

»Die Worte gehören uns« von Yade Yasemin Önder

Es lesen Massoud Baygan, Canan Kir, Fatih Kösöglu und Marco Sykora
Einrichtung Josefine Rausch

Yade Yasemin Önder

Lale ist Mamas Sprache fremd. Ihr Bruder Lilo übt mit ihr Worte, Zahlen und Zeiten. Und auch das wunderbare Lieblingslied von Mama – doch all das will einfach nicht in Lales Kopf. Lale, Lilo, Mama und Papa wohnen irgendwo in Deutschland. Früher hat Mama als Journalistin in der Türkei gearbeitet. Doch jetzt darf Mama nicht mehr schreiben. Papa arbeitet im Friseursalon und geht immer wieder an die Decke, wenn er merkt, dass Mama doch heimlich Worte zu Papier bringt. Bis eines Tages alles verschwindet: keine Möbel, kein Dachboden – auch Mama ist wie vom Erdboden verschluckt. Kurzerhand machen sich die Kinder auf die Suche nach ihr. Dabei durchqueren sie ein Meer aus Buchstaben und fliegen mit der einzig gebliebenen und zum Leben erwachten Couch quer über Europa. Können sie Mama wiederfinden? Das Stück vereint Themen wie Sprache, Identität und Heimat mit den politischen Fragen der Freiheit. Türkische und deutsche Passagen wachsen zusammen zu einer eigenen und verbindenden Poesie.

 

Yade Yasemin Önder
legt mit »Die Worte gehören uns« ihr zweites Theaterstück vor. Mit ihrem ersten Text »Kartonage« war sie bereits 2017 zu den Autorentheatertagen Berlin eingeladen, in deren Rahmen das Stück am Deutschen Theater uraufgeführt wurde.

»un.orte« von Johanna Kaptein

Es lesen Sheila Eckhardt, Daniel Friedl, Magdalena Neuhaus und Andreas Uhse
Einrichtung Maria Schneider

Johanna Kaptein

Eine Psychiatrie, ein Jobcenter, ein Gefängnis: Drei Institutionen, in denen unsere Gesellschaft Menschen verwaltet, die aus den normalen Raster fallen. Drei Orte, an denen die wenigsten sich entspannt, gern oder länger aufhalten, »un.orte«, die dem einzelnen Menschen leicht das Gefühl geben, nichts zu sein – keine gefestigte Persönlichkeit und kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Das Stück von Johanna Kaptein findet eine besondere sprachliche Form für die Erfahrungen von Zersplitterung des Ichs in den verschiedenen Institutionen. Es überführt die Fragmente der Sprechenden schließlich in einen fragilen, neuen Raum.

 

Johanna Kaptein,
1974 in Hamburg geboren, verfasst Dramatik, Hörspiele und Prosa. Auf das Studium Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin folgten Einladungen an das Royal Court Theatre in London, das Burgtheater Wien und das Badische Staatstheater Karlsruhe. Sie erhielt das Thomas-Bernhard-Stipendium des Landestheaters Linz und den Leonhard-Frank-Preis des Mainfranken Theaters Würzburg und der Leonhard-Frank-Gesellschaft. Johanna Kaptein lebt in Berlin.

»Arche NOA − Das Ende vom Schluss von Sören Hornung

Es lesen Nicole Averkamp, Lisa Förster, Raphael Gehrmann, Katharina Quast, Hendrik Richter
Einrichtung Antonia Leitgeb

Sören Hornung; Foto Arda Funda

Es herrscht Nebel auf der Welt. Nebel, der jeden tötet, der sich nicht rechtzeitig nach drinnen flüchten kann. Doch zum Glück gibt es den Supersupermarkt. Der bietet Schutz, der öffnet seine Tore – allerdings nur für zahlungskräftige Kunden. So einer ist Dietmar, der Anwalt, ehemals Milchbauer, immer Transmann – nur versteht er nicht ganz, dass man unbedingt Geld braucht, um zu überleben, denn der Supersupermarkt ist doch voll mit Lebensmitteln. Aber die muss man ja auch erst kaufen, erklärt ihm Simone, ehemals Aushilfe, jetzt Geschäftsführerin. Während Dietmar und Simone den tödlichen Nebel aussitzen und ihre Lage immer bedrohlicher wird, begegnen ihnen noch andere schräge Gestalten. Inzwischen baut Simone eine Arche, um sich in Sicherheit zu bringen. Mit »Arche NOA – Das Ende vom Schluss« hat Sören Hornung eine bitter-komische Metapher auf die kapitalistische Weltordnung geschrieben, in der Zahlungsfähigkeit zur einzigen Lebensberechtigung geworden ist.

 

Sören Hornung
ist Regisseur, Autor und Performer. 2012 gründete er mit Paula Thielecke das Theater KOLLEKTIV EINS. 2016 beendete er sein Regiestudium an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Mit seinem Stück »Sieben Geister« war er bereits 2018 für den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts nominiert.