Theater und Orchester Heidelberg

Deutschsprachiger Autor*innenwettbewerb Teil II

Texte von Teresa Dopler, Nadja Wieser und Björn SC Deigner

Vorgestellt werden
»Das weiße Dorf« von Teresa Dopler (Lesung um 13.30 Uhr),
»Honig« von Nadja Wieser (Lesung um 14.30 Uhr) und
»der Reichskanzler von Atlantis« von Björn SC Deigner (Lesung um 16.00 Uhr).

Im Anschluss an jede Lesung findet ein Publikumsgespräch statt.

»Das weiße Dorf« von Teresa Dopler

Es lesen Katharina Ley, Dominik Lindhorst-Apfelthaler
Einrichtung Maria Schneider, Tobias Schindler

Ulrike Syha; Foto Christian Kleiner

Teresa Dopler; Foto Rafael Sonntag

Ruth und Ivan begegnen sich auf einer Flusskreuzfahrt auf dem Amazonas wieder. Es ist schon einige Jahre her, dass sie sich »ein paar Monate lang gekannt haben«, bevor Ivan beruflich nach Amerika ging und Ruth ihre erste Stelle in der Schweiz antrat. Inzwischen haben beide Karriere gemacht und sind in neuen Beziehungen, die auf ihre Weisen durchaus gut funktionieren – und dennoch brennt die Luft zwischen Ivan und Ruth. Es wäre vielleicht eine vollkommene Liebe gewesen, so vollkommen wie das weiße Dorf in Andalusien, von dem Ruth nur Ivan erzählt, und in dem sie sich im nächsten Sommer höchstwahrscheinlich doch nicht treffen werden. Zu sehr haben sie verinnerlicht, Menschen zu sein, »die über Dinge hinwegkommen«, »denen nichts sehr viel bedeutet«.

 

Teresa Dopler
entwirft ein tieftrauriges Porträt zweier Menschen, das unter dem Mantel großer Leichtigkeit falsche Lebensentscheidungen in Frage stellt. Die Autorin wurde 1990 in Linz geboren und lebt in Wien. Sie studierte an der angewandten Kunstuniversität Wien, ihr Debütstück »Was wir wollen« wurde 2017 am Landestheater Innsbruck uraufgeführt und war für den Osnabrücker Dramatikerpreis nominiert. Sie ist Teilnehmerin bei Forum TEXT und wird 2019 an der Residency for Emerging Playwrights am Royal Court Theater teilnehmen. Teresa Dopler erhielt mehrere Literatur-Stipendien, ihre Texte erschienen in Literaturzeitschriften und im öffentlichen Rundfunk.

»Honig« von Nadja Wieser

Es lesen Massoud Baygan, Johanna Dähler, Simon Labhart
Einrichtung Jasaman Roushanei

Carsten Brandau; Foto Stefan Malzhorn

Nadja Wieser; Foto Vivien Oliveira

Tarja und Tasch liegen in der Dunkelheit und beobachten Honig auf seinem Wachturm – zumindest glaubt Tarja, dass es Honig ist. Sie hat den Soldaten so getauft, weil er so leuchtende Augen hat. Er gehört zum Camp, das in Tarja und Taschs Heimatland stationiert ist. Die Kinder bewundern alle Soldaten in ihren tollen Uniformen. Verspielt und voller Hoffnung begegnen sie den fremden Soldaten und versuchen, in Kontakt mit ihnen zu kommen. Seit drei Jahren sind sie nun schon hier – genauso lange, wie die Väter der Kinder in die Kampfgebiete verschwunden sind. Aber jetzt beginnen die Soldaten, alles bereit zu machen für den Abzug.

Was macht der Abzug einer militärischen Besatzung mit den Einheimischen? Und interessiert das, was nach dem Abzug in dem Land passiert, eigentlich noch irgendjemanden? Nadja Wieser lässt zwei Kinder aus einem Krisengebiet berichten und ermöglicht damit einen ungewöhnlichen Blick auf das Thema.

 

Nadja Wieser
wurde 1980 in München geboren. Sie studierte in Freiburg und Lille Deutsch, Französisch und Kunst auf Lehramt, anschließend Literarisches Schreiben am Literaturinstitut in Leipzig. Sie arbeitet als Lehrerin und Autorin und übersetzt Theaterstücke aus dem Französischen. Ihre Texte wurden im Rahmen von Wettbewerben in Lesungen oder Werkstattinszenierungen ausgezeichnet und präsentiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

»der Reichskanzler von Atlantis« von Björn SC Deigner

Es lesen Massoud Baygan, Dominik Lindhorst-Apfelthaler, Julia Lindhorst-Apfelthaler, Katharina Ley, Ulrich Westermann
Einrichtung Antonia Leitgeb, Fabian Appelshäuser

Rinus Silzle; Foto Joschka Silzle

Björn SC Deigner; Foto privat

Er ist furchtlos, willensstark und setzt sich für das Schicksal des deutschen Volkes ein: der Reichskanzler Fürst Burkhard von Atlantis, jenes »Kontinents der Blüte«, auf dem einst die Arier – Abkömmlinge der nordischen Götter – lebten, bevor sich ihre letzten Nachfahren auf dem europäischen Kontinent niederließen. Mit Nationalsozialismus hat das natürlich nichts zu tun, denn die »Nazis ziehen die falschen Schlüsse aus der richtigen Geschichte«. Richtig, und nebenbei viel wichtiger, ist nämlich, dass das Deutsche Kaiserreich von 1871 nie zu existieren aufgehört hat, die Bundesrepublik Deutschland nichts anderes als eine GmbH ist und die jüdische Weltverschwörung unter Hennoch Kohn – seines Zeichens Verbündeter Rothschilds, Vater von Angela Merkel und Volksverblender – dringend aufgedeckt werden muss. Von seiner Frau Jutta mit Apfelkuchen (altdeutsch natürlich!) umsorgt, nimmt Fürst Burkhard sich in seinem Wohnzimmer all dieser Dinge an. Bis die Steuereintreiberin Frau Semmerling unangemeldet ins Staatsgebiet eindringt, der Nachbarshund die Staatsgrenze gefährdet und das Reich in eine Staatskrise zu stürzen droht.

 

Björn SC Deigner
geboren 1983 in Heidelberg, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Deigner ist Autor für Theater und Hörspiel sowie Sounddesigner und Komponist an verschiedenen deutschen Stadttheatern (u. a. Deutsches Theater Berlin und Thalia Theater Hamburg). Deigner lebt und arbeitet in Berlin.