Theater und Orchester Heidelberg

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

von Bertolt Brecht

»Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, und es helfen nur Menschen, wo Menschen sind.« – Johanna Dark, 25 Jahre, Soldatin der Heilsarmee, glaubt nicht an die Unveränderbarkeit der Welt. Sie sieht ein gesellschaftliches System, das jeden Tag aufs Neue und unverhohlen Ungerechtigkeit produziert. Die Arbeiter auf den Schlachthöfen Chicagos arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen und bekommen viel zu wenig Lohn. Und Johanna, 25 Jahre, Soldatin der Heilsarmee, beschließt dagegen anzugehen – mit ihrem Glauben, ihrem Idealismus, ihrer Vorstellung einer besseren Welt. Mitten in einer wirtschaftlichen Krise versucht sie zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu vermitteln – und stößt dabei auf den Fleischmagnaten Pierpont Mauler. Je mehr Johanna sich allerdings bemüht, den Arbeitern zu helfen, umso mehr spielt sie dem scheinbar skrupellosen Kapitalisten in die Hände, der ihren Altruismus perfekt instrumentalisiert und in sein System integriert. Und je unermüdlicher und verzweifelter der Kampf Johannas mit sich und der Welt wird, desto mehr weicht ihr Glaube der Radikalität – bis hin zum Gewaltaufruf.

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DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Geistvoll« sei die Interpretation des Regisseurs, sie betone die »Stärken der Sprache« schreibt Volker Oesterreich in der Rhein-Neckar-Zeitung (08.12.2014). Er lasse seine Schauspieler den Text »zelebrieren«, auch würden »gestische Ausrufezeichen« gesetzt, verstärkt duch »Sound-Miniaturen« der beiden Bühnenmusiker. Optisch wie darstellerisch habe Holger Schultzes Inszenierung »viel zu bieten«. Nanette Waidmann strahle in der Titelrolle »den richtigen, glaubensinbrünstigen Heilsarmee-Idealismus aus, mit dem sie den zynisch-kalten Fleischkönig Pierpont Mauler (gespielt vom versierten Hans Fleischmann) und die arbeitslosen Massen zum Besseren bekehren will«.

     

    Holger Schultze lenke den Blick nicht nur auf den Wirtschaftskrimi, schreibt Johannes Breckner im Darmstädter Echo (11.12.2014), sondern besitze auch »ein Gespür für die emotionale Verunsicherung dieses Paares, das einige Augenblicke der Wahrhaftigkeit erkennt, bevor es von den Gesetzen des Marktes wieder zerissen wird«. Der Abend werde zu einer »spannenden Angelegenheit«, »zumal die Stellvertreter der wiederstreitenden Parteien stark besetzt sind«. Zwar sei Brechts Gesellschaftsbeschreibung »in die Jahre gekommen«, die Regie Holger Schultzes zeige aber, »dass sie noch immer einen starken Kern hat«.

     

    Für den Mannheimer Morgen (08.12.2014) und die Nachtkritik (06.12.2014) besucht Ralf-Carl Langhals die Premiere und schreibt, Schultze verzichte auf »Anleihen an heutige Arbeitswelten«, sei von der Lesbarkeit und Allgemeingültigkeit der Vorlage überzeugt. Der Rezensent sah einen »großen Ensembleabend«: »Hans Fleischmann als Strippenzieher und Fleischkönig Pierpont Mauler wandelt eine behäbige Tapsigkeit in eine perfide Masche des ewig schuldlosen Gewinners. Köstlich sind seine Rechenkünste, wenn er aus zwei Fehlschlägen jovial und launig einen neuen Gewinn errechnet, um hernach gerührt zu sein vom Schlachtvieh, nie aber vom Menschen.« Nanette Waidmann als Johanna Dark lasse »ihre anfängliche Helfersyndrom-Stärke mit zunehmender Verzweiflung über das eigene Versagen genüsslich in Gewaltbereitschaft« münden.  Auch die »arbeitende Klasse« werde durch eine »starke Darstellertruppe« vertreten.

     

    Eine »erneut ebenso frisch wie frech rüberkommende Zweieinhalb-Stunden-Aufführung« habe Intendant Holger Schultze in eine »Industriekulisse«, ein »frühkapitalistisches Bollwerk« gestellt, schreibt Jens Frederiksen in der Mainzer Allgemeinen Zeitung (17.12.2014).