Theater und Orchester Heidelberg

Die Kassette

Komödie von Carl Sternheim

Deutschland 1912. Heinrich Krull, ein Oberlehrer, zwischen zwei Frauen, zwischen Fleisch und Geld, zwischen Besitzgier und Geschlechtsgier. Heinrich Krull hat einerseits: eine junge, den Sinnen zugetane Ehefrau und andererseits: eine alte, reiche Erbtante, die ihre Schätze in einer schweren, geheimnisvollen Kassette aufbewahrt. Wo liegt die größere sexuelle Faszination? Keine Frage: beim Geld. Die verführerische Kassette macht Heinrich Krull noch einmal zum verliebten, verrückten Jungen. Mit allen Konsequenzen.
Die Kassette, eine Art wilhelminische Variante von Molières Der Geizige, zeigt, wie hinter der Fassade bürgerlicher Behaglichkeit hemmungslose Besitz- und Machtgier wüten. »Aus dem bürgerlichen Heldenleben« nannte Carl Sternheim den Dramenzyklus, zu dem dieses Stück gehört. Die wilde Jagd nach dem Geld ist das, was das Leben seiner Helden bestimmt.

Der Schauspieler und Regisseur Milan Peschel (Alles Gold was glänzt) inszeniert »wohl die brutalste« von Sternheims Komödien (so der Theaterkritiker Benjamin Henrichs), Die Kassette, im Alten Saal.

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Die Kassette

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Auch Klamauk kann große Kunst sein.« überschreibt Volker Oesterreich seine Rezension für die Rhein-Neckar-Zeitung (31.03.2015). Er berichtet von »großem Amüsement« im Zuschauerraum, zur Freude des Publikums habe Milan Peschel »das Heidelberger Ensemble zu Höchstleistungen des Klamauks angetrieben«. Peschel und sein Ensemble siegten »auf der ganzen Linie«, weil sie eine gelungene Mischung aus »Entertainment mit subversiver Zeitkritik« zeigten. »Perfekt« würden auch Bühnenbild und Ausstattung passen, »stimmig« sei die Piano-Livebegleitung und auch für die Einzelleitungen des Ensembles findet der Kritiker nur lobende Worte.

     

    Von einer »furiosen Deutung« spricht Johannes Breckner im Darmstädter Echo (online, 30.03.2015). Der Regisseur bringe das Stück mit »vielen Anspielungen und ironischen Brechungen« auf die Bühne und das bei enormem Tempo:  »Peschel lässt durchgängig laut, schnell, direkt spielen«. Das sei zwar »anstrengend«, aber in gleichem Maße »wachse der Spaß« und das Premierenpublikum habe mit »Begeisterung« reagiert. Die Regie zeige aber auch die »Verstrickung von Liebe, Geld und Macht«, es gelänge eine »scharfe Studie über die Ökonomisierung der menschlichen Beziehungen«.

     

    Regisseur Milan Peschel habe sich »viel gedacht, ideenreich und ambitioniert gearbeitet«, das »Drollige und das Höhere der Kunst verquickt«, schreibt Ralf-Carl Langhals auf nachtkritik.de (30.03.2015). In seiner Inszenierung flimmere »Urgroßvaters Stummfilmkino (auch in Maske und Kostüm) zwischen ›Väter der Klamotte‹ und den sich am cineastischen Horizont bereits abzeichnenden Kabinetten der Doktores Caligari und Mabuse effektvoll über den buchstäblichen Bühnenbauplan von Nicole Timm«. Das sei »hübsch anzusehen«, vor allem auch bei Dominik Lindhorst, »der als Schwiegersohn in spe Alfons Seidenschnur zu komödiantischer Hochform aufläuft«.