Theater und Orchester Heidelberg

Dionysos

Eine Opernfantasie von Wolfgang Rihm

Nach Texten von Friedrich Nietzsche,
Libretto vom Komponisten

In deutscher Sprache mit Übertiteln

Meine Seele, / unersättlich mit ihrer Zunge, / an allen guten und schlechten Dingen hat sie schon geleckt, / in jede Tiefe tauchte sie hinab«, so schreibt Friedrich Nietzsche in seinen Dionysos-Dithyramben; die meisten dieser Verse sind kurz vor seinem geistigen Zusammenbruch 1888 entstanden. Wolfgang Rihm, einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart, zeigte sich früh von Nietzsches Gedankenwelt fasziniert, deren visionäre Kraft ihm wichtige Impulse für sein Werk verschaffte. Bereits vor 15 Jahren fasste er den Entschluss, sich mit den Dionysos-Dithyramben für die Musiktheaterbühne auseinanderzusetzen; im Juli 2010 wurde sein Dionysos bei den Salzburger Festspielen mit großem Erfolg uraufgeführt und als »Uraufführung des Jahres« ausgezeichnet. In Heidelberg entsteht nun die erste Inszenierung nach dieser Uraufführungsproduktion.

Die Hauptfigur des aus vier Szenen bestehenden Stückes heißt N. – das könnte ganz allgemeingültig für »Nomen« stehen, aber auch den Dichter meinen, Nietzsche, an dessen Biografie Dionysos assoziativ anknüpft. Diese Momente verschränken sich mit einem vielschichtigen Spiel, das die Bedeutung des Mythos Dionysos für unsere Zeit und für die Kunstform Musiktheater befragt. So wird Dionysos, diese Figur, mit der sich Nietzsche laut Rihm »überblendete «, gespiegelt, überlagert, mehrfach belichtet – und dies von einem Komponisten, der sein eigenes künstlerisches Schaffen als »work in progress«, als Übermalung und Bildhauerei verstanden wissen will.

Besetzung