Theater und Orchester Heidelberg
Foto Sebastian Bühler

Drift

von Ulrike Syha

Da stimmt doch was nicht mit Friedrich. Fragt man Almuth, Agatha und Claire, »drei Damen mit Haltung, die Mitte der Gesellschaft«, dann ist es gar keine Frage: Der Architekt hat die Finger beim Unfalltod seiner ersten Exfrau drin gehabt. Er macht ja auch sonst alle wahnsinnig mit seinen Prophezeiungen vom alles verschlingenden Meer, das angeblich an der Küste und ihren Bewohner*innen frisst, bis deren vergängliches Fundament eines nicht so fernen Tages wegbrechen wird. Bis dahin versammeln sich die drei Provinz-Nornen in der Dorfschänke, um am Schicksal des Städtchens weiterzuspinnen.

Die Rückkehr von Friedrichs dritter »Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte«, wirft eine neue Sichtweise auf die verworrenen Beziehungen im Ort – in dem der Bürgermeister arroganten Städtern minderwertige Grundstücke verscherbelt, in dem der Umzug ins Neubaufertighaus der größtmöglich denkbare Schritt für die jüngere Generation scheint, und in dem nun eben die Hotelerbin des Gasthofs »Zur Krabbe« verunglückt ist, nachdem ihr Geschäftsführer bereits zwei Monate als vermisst gilt …

Ulrike Syha entwirft in »Drift«, mit dem sie den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2018 gewann, ein Figurenpanorama, das im Mantel eines Nordsee-Krimis von der Unterhöhlung gesellschaftlicher Gewissheiten und vom eigenartigen Unbehagen an unserer Zeit erzählt.

Regie führen wird Gustav Rueb, der sich nach Arbeiten unter anderem am Staatstheater Kassel, am Staatstheater Darmstadt, am Theater Osnabrück und am Schauspiel Essen erstmals am Theater Heidelberg vorstellt.

Das Stück »Drift« von Ulrike Syha ist als E-Book erschienen. Mehr dazu hier.

Termine

Sa 25 Mai
20.00–21.35 Uhr > Zwinger 1

Drift

von Ulrike Syha

So 2 Juni
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit!
19.00–20.35 Uhr > Zwinger 1

Drift

von Ulrike Syha

Termine ausblenden
Änderungen vorbehalten

Besetzung

Bilder


Videos

Drift

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • »Geschickt« verwebe Ulrike Syha »das Große und das Kleine«, werfe einen »sezierenden Blick« auf eine »sich immer weiter fragmentierende Gesellschaft«, beobachtet Leon Igel im Mannheimer Morgen (29.4.2019). Regisseur Gustav Rueb gelinge es in der »wunderbaren Bühne« von Peter Lehmann, »den Einzug des Post-Modernen in der gemeinhin als vormodern angesehen Provinz darzustellen, ohne sich wohlfeiler Dorf-Klischees zu bedienen«. »Grandios«, da »mit reichlich ironischer Brechung«, sei die Darstellung des Ensembles – eine »gelungene Eröffnung« des Stückemarkts.

     

    »Starken Applaus« habe es bei der Premiere für Syhas »Diagnose für die Gesellschaft der Gegenwart« gegeben, stellt Heribert Vogt in der Rhein-Neckar-Zeitung (29.4.2019) fest. In ihrem Text zeige sie »eine diffuse Grundangst vor der Flut, die scheinbar von überall kommen kann. Durch die Wassermassen des Meeres, aber auch durch die ausufernde Zivilisation, den Zuzug großer Flüchtlingsströme oder die zunehmende Komplexität des Lebens«.