Theater und Orchester Heidelberg

Giulietta e Romeo

Tragedia per musica von Niccolò Antonio Zingarelli

Libretto von Giuseppe Maria Foppa nach der Tragödie Roméo et Juliette (1772), einer freien Bearbeitung von An Excellent Conceited Tragedy of Romeo and Juliet (1596) von William Shakespeare

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Niccolò Antonio Zingarelli ist hinsichtlich seiner Lebensdaten (1753-1837) und seines Schaffens der letzte Vertreter des barocken scuola napoletana und stellt in seiner Person ein Bindeglied vom Zeitalter des Barock über die Klassik bis in die Zeit der Belcanto-Oper des 19. Jahrhunderts dar. Seine erste Oper Montezuma entstand 1781, in jenem Jahr, in dem Mozart die erste seiner Meisteropern, den Idomeneo zur Uraufführung brachte. Obwohl Zingarelli drei Jahre vor Mozart geboren wurde, überlebte der Mozart um 46 Jahre, Beethoven um 10 Jahre und Bellini, der neben Saverio Mercadante sein berühmtester Schüler war, um zwei Jahre. Insofern ist seine 1796 komponierte Oper Giulietta e Romeo, die als eines seiner Meisterwerke gilt, obwohl er sie in nur acht (!) Tagen komponiert haben soll, ein Werk des Überganges eines Komponisten, der hinsichtlich seiner ästhetische Prägung eindeutig im ausgehenden Barockzeitalter wurzelt, gleichzeitig aber mit wachem Geist die musikästhetischen Entwicklungen seiner Zeit verfolgte und der prägende Lehrer zweier der bedeutendsten Komponisten der Belcanto-Oper des ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (V. Bellini, S. Mercadante) war. Folglich werden Sie in Giulietta e Romeo ein stilistisch höchst interessantes Amalgam aus barocker Opera Seria mit an Bellini erinnernden Duetten zwischen Romeo und Julia und an Rossini erinnernden Aktschlüssen erleben.

Die Neuinszenierung von Giulietta e Romeo – die erste szenische Aufführung  dieses Werkes in Deutschland seit einer Inszenierung an der Münchener Hofoper im Jahre 1829 – bildet den sechsten Teil unseres 2011|12 begonnenen und auf sieben Spielzeiten angelegten Zyklus opera napoletana.

In Zingarellis Oper beginnt die Handlung mit einem Paukenschlag: Julia lässt, als ihr Blick auf Romeo fällt, ihre bereits laufende Hochzeit mit Teobaldo platzen. Und am Ende schenkt der Librettist den Liebenden die wenigen Minuten, um die sie sich bei Shakespeare verpassen: Als Julia erwacht, muss der bereits vergiftete Romeo bitter erkennen, dass er umsonst ihren Tod betrauert und sich den Tod gegeben hat.

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Giulietta e Romeo

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (01.12.2016) fragt sich Werner M. Grimmel angesichts der »fulminanten Heidelberger Produktion«, weshalb man sich »dieses exquisite Vergnügen seit mehr als 150 Jahren entgehen ließ«, das Zingarelli auf der »Höhe seiner Kunst« zeige. »Schlicht sensationell« findet der Kritiker Kangmin Justin Kim als Romeo, der »vokal und darstellerisch atemberaubende Präsenz« und »überragende Technik« zeige: »Seit Cecilia Bartoli hat sich wohl niemand mit so unbedingter singschauspielerischer Entäußerung in eine Figur hineingekniet wie dieser Senkrechtstarter.« Auch die »großartige« Emilie Renard wird gebührend gewürdigt sowie das »fabelhafte Ensemble« und der »hervorragende Chor«, die unter der Leitung von Felice Venanzoni »musikalisches Theater in höchster Vollendung« böten.

     

    »Straff gestaltete Arien, hinreißende Ensembles, manchmal schon verdi-artig bewegte Chöre» erlebte Judith von Sternburg und schreibt in der Frankfurter Rundschau (28.11.2016) weiter, »ganz wunderschön« sei das »sicht- und hörbar junge, sympathische Paar: Emilie Renard als Julia mit weichem, kultiviertem Mezzo, Kangmin Justin Kim als Romeo häufig über ihr«; »souverän Terry Wey als Gilberto, sehr hörenswert Zachary Wilder als Julias Vater«.

     

    Einen »auch musikalisch hochinteressanten Fund« habe Operndirektor Heribert Germeshausen hier ausgegraben, berichtet Ursula Böhmer im Musikjournal des Deutschlandfunks (28.11.2016). Eine »wunderbare Figur« als Giulietta mache in Schwetzingen die »exzellente Sängerdarstellerin Emilie Renard«, höchstes Lob auch für Kangmin Justin Kim als Romeo, der sich als »stimmliches Phänomen« und gleichzeitig »darstellerisch glaubhaft« erweise. Das Regieteam um Nadja Loschky und Thomas Wilhelm habe Zingarellis Oper mit »psychologischem Gespür« »temporeich zum Leben erweckt«. Das Fazit der Kritikerin: Ein »spannender Opernabend, der nicht zuletzt von dem schlanken, historisch informierten Tonfall belebt wird, den Felice Venanzoni gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg anschlägt – Bravi.« Die vollständige Rezension können Sie im Online-Angebot des DLF nachlesen.

     

    Für SWR2 besuchte Dieter David Scholz die Premiere und sprach mit Dirigent Felice Venanzoni und Operndirektor Heribert Germeshausen. Seinen Beitrag, gesendet am 28.11.2016 in SWR2 Cluster, können Sie hier nachhören.

     

    »Überzeugend« sei die »musikalische und szenische Umsetzung«, die sich »künstlerisch auf höchstem Niveau« bewege, so Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (28.11.2016). Die »wenig prätentiöse Regie« setze »alle Charaktere sauber in Szene«, Felice Venanzoni am Pult hole alles, was möglich sei, aus diesem Stück: »Ihm gelingt das Kunstwerk, die räumlich getrennten Akteure auf der Bühne und im Graben miteinander atmen zu lassen. Hochachtung vor dieser musikalischen Durchdringung«. Das Philharmonische Orchester Heidelberg habe sich an diesem Abend »selbst übertroffen«: »Bravo für diese instrumentale Flexibilität und klangliche sowie rhythmische und artikulatorische Finesse!«, spricht der Kritiker ein Lob aus, das er auch auf die Sängersolisten überträgt. Kangmin Justin Kim und Emilie Renard nennt er »Traumpaar des Spätbarock«: »koloraturenfest und höhensicher, farbenreich im intimen Duett und strahlend im Kampf«.

     

    »Großartig, atemberaubend, schier unglaublich« sei, was Kangmin Justin Kim als Romeo auf die Bühne bringe, zeigt sich Michael Hübl in den Badischen Neuesten Nachrichten (05.12.2016) begeistert. Auch seine Bühnenpartnerin Emilie Renard als Giulietta agiere »stimmlich wie darstellerisch überaus eindrucksvoll«. Zu den »vielen Glanzpunkten des herrlichen Abends« gehörten auch die »gesanglich sehr ansprechenden Auftritte« von Rinnat Moriah, der von Ines Kaun einstudierte Chor und das »klug immer wieder neu sich formierende Bühnenbild von Daniele Kerck«.

     

    »Sehr bemerkenswert« sei, was das Theater Heidelberg mit dieser »hoch interessanten Rarität« geboten habe, bemerkt Ludwig Steinbach im Opernfreund (16.12.2016). Eine »ganz große Leistung« hätten das Philharmonische Orchester Heidelberg und Felice Venanzoni am Pult gezeigt. »Klar und gradlinig« sei die »gelungene Regie« von Nadja Loschky und Thomas Wilhelm. Lob gibt es auch für die Sängerdarsteller, allen voran Emilie Renard (»strahlkräftiger, sicher geführter Mezzosopran mit Flexibilität und hohem emotionalen Ausdruck«) und Kangmin Justin Kim (»begeisterte mir großer Koloraturgewandtheit, warm-inniger Tongebung und klarer Linienführung«).

     

    Das Werk sei »eine Wiederentdeckung wert«, stehe »auf spannende Weise zwischen den Zeiten« und passe damit »exzellent« in die Reihe der »lustvoll experimentierenden Opern« in Schwetzingen, meint Susanne Benda in der Stuttgarter Zeitung (05.12.2016). »Sehr viel musikalische Qualität« sei im Rokokotheater geboten, Sänger wie Instrumentalisten bezauberten durch einen »quicklebendigen, atmenden Umgang mit musikalischen Phrasen«, die beiden Protagonisten auch durch »fein gestaltetes Singen und hingebungsvolles Spiel«. Fazit: »Nach viel wunderschönem Todesschmerz geht man beglückt nach Hause.«

     

    Dirigent Felice Venanzoni animiere »Chor und Orchester zu einem historisch informierten, aber durchaus expressiven und weichen Sound« – das habe »Groove«, urteilt Stefan M. Dettlinger im Mannheimer Morgen (28.11.2016). Kangmin Justin Kims Romeo zeige «mühelose Höhe, sichere Koloraturen und ein großes Volumen«, zudem mische er »exzellent zwischen hellem Strahl und brustiger Wärme«; Emilie Renards Giulietta sei ihm eine »ebenbürtige Geliebte mit Dramatik«, aber auch »quirlig« und mit »frecher Note«. Als »hohe Anerkennung für das kleine Haus« bemerkt der Kritiker zum Schluss, Heidelberg würde hier ein »schwieriges Werk auf gutem Niveau stemmen«. »Deswegen: ziemlich viel Beifall«.

     

    »Konzentriert und farbenreich« sei die musikalische Gestaltung des Philharmonischen Orchesters Heidelberg unter Felice Venanzoni, berichtet Axel Zibulski im Darmstädter Echo (30.11.2016). Großes Lob auch für die Sänger: Emilie Renard könne » sowohl virtuos betören als auch emotional ergreifen«, Kangmin Justin Kim präge »mit satten Altus-Tiefen den Romeo charaktervoll« und eine »schöne Entdeckung« mit ihrem »fein leuchtenden Sopran« sei Rinnat Moriah. Fazit des Kritikers: »Einsatz und Verdienst aller für die stark gefeierte Wiederentdeckung begeistern freilich rundum.«