Theater und Orchester Heidelberg

Iphigenie auf Tauris

Dramma per musica in drei Akten von Tommaso Traetta

Libretto von Marco Coltellini

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

»Seine Opern sind mit tiefem Verständisse der Dichtkunst und Musik gesetzt; sein Rezitativ ist ziemlich correct; seine Arien haben Anmut und oft schmelzende Zärtlichkeit; und auch seinen Chören fehlt es nicht an Würde.« So charakterisiert Christian Friedrich Daniel Schubart den italienischen Opernkomponisten Tommaso Traetta, der sich seinerzeit größter Beliebtheit erfreute. Ausgehend von seiner Stelle als Hofkapellmeister in Parma (ab 1758) breitete sein Ruf sich über Wien und Mannheim rasch in ganz Europa aus, 1768 ging er als Hofkapellmeister an den Hof der Zarin Katharina II. in St. Petersburg.

Die Oper führt uns in den Mythos der schicksalhaft belasteten Geschwister Orest und Iphigenie: Orest hatte seine Mutter erschlagen, um den von ihr ermordeten Vater zu rächen. Seither quälte ihn sein Gewissen; beruhigen sollte es sich laut Orakel nur durch den Besitz des Bildnisses der Göttin Pallas auf der Insel Tauris. Auf Tauris gelandet, soll Orest wie jeder Fremde nach altem Brauch geopfert werden; seine – unerkannte – Schwester Iphigenie hat das Opfer zu vollziehen. Ihr Versuch, Orest zu retten, scheitert jedoch. Als Orests Identität sich schließlich enthüllt, und Iphigenie ihn als ihren Bruder erkennt, ersticht sie statt seiner den blutrünstigen Urheber, König Thoas, selbst.

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Iphigenie auf Tauris

Trailer von Bernhard Kleine-Frauns

Pressestimmen

  • »Blutige Mafia-Oper begeistert Festivalbesucher« titelte die dpa und berichtete am 16.12.2013 von »großem Beifall für die herausragenden Sänger«.

     

    Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (31.12.2013) berichtet Dirk Schümer von einer »großartigen« Schwetzinger Produktion und nennt es einen »Skandal«, dass das Stück mit »Traettas wundervoller Musik« 200 Jahre nicht zu hören war, bis nun das Theater Heidelberg »im herrlichen Barocktheater« diesem »unhaltbaren Zustand« ein Ende gesetzt habe. »Markant und dynamisch« das Dirigat von Wolfgang Katschner, die Sänger kämen »dem paradoxen Ideal der Verinnerlichung von Gesungenem mit feiner Technik, strömenden Melodielinien und kontrolliertem Affekt wundersam nahe – allen voran die israelische Sopranistin Rinnat Moriah (…) und der russische Countertenor Artem Krutko (…), dessen Wahnsinnsszenen wie musikalische Gemälde psychologischer Verrückung wirken«. Der Kritiker fragt, wie eine solche »derart auf der Stelle tretende Seria-Oper im griechisch-barocken Stil« zu inszenieren sei und findet in Schwetzingen eine Antwort: »Mit konsequent modernen Assoziationen, wie das Team aus Rudolf Frey (Regie) und Aurel Lenfert (Ausstattung) überzeugend vorführt«.

     

    Eine »interessante Rarität« sah Hans-Klaus Jungheinrich für die Frankfurter Rundschau (17.12.2013), die Musik berühre sowohl die barocke wie frühklassische Welt und stelle damit geradezu »universalistische Anforderungen« an die Sänger: »Dabei machte der russischen Contertenor Artem Krutko den reifsten Eindruck« mit einer »verblüffend ausladenden, auch zu reicher Nuancierung fähigen Stimme«. »Schlanker die Sopranistin Irina Simmes in der Hosenrolle des Pylades. Sicher auch die gezirkelte Diktion von Rinnat Moriah als Doris.«

     

    Ein »Kleinod« entdeckte Rotraut Fischer in Schwetzingen und schreibt im Darmstädter Echo (20.12.2013) weiter, Traettas Iphigenie sei »zu Unrecht vergessen«, wie »die von hoher Musikalität und gelungener szenischer Umsetzung getragene Aufführung des Theaters Heidelberg« zeige: »Regisseur Rudolf Frey und Wolfgang Katschner (…) ist hier ein kleines Meisterstück gelungen.« Das Konzept hielte die »Balance zwischen Werktreue und einer Modernisierung der Charaktere«. Großes Lob der Kritikerin für Sänger (Namwon Huh mit »technisch perfekten« Koloraturen; »überzeugend, nuancenreich und stimmschön: Aleksandra Zamojska«; »Artem Krutko (…) mit stimmlicher Brillanz«) und den »gut disponierten« Chor wie für das Orchester: »Dazu spielt die Musik wie ein komplexes Uhrwerk. Katschner, der das engagierte Philharmonische Orchester Heidelberg dirigiert, lässt keine Langeweile aufkommen, doch gibt er auch der Zartheit seelischer Leiden und der Empfindsamkeit ihren Ausdruck.« Das Fazit: »Die Schwetzinger Ausgrabung (…) macht ein interessantes Stück Operngeschichte hörbar und bereitet zudem beträchtliches Vergnügen.«

     

    Von einer »lohnenden« Ausgrabung berichtet auch Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (17.12.2013). Starken Eindruck hinterlässt bei ihm die »Schönheit der Musik« in der »musikalischen Umsetzung der Titelrolle durch die tadellos klar und kontrolliert singende Gast-Sopranistin Aleksandra Zamojska sowie die Musiker des Philharmonischen Orchesters Heidelberg unter der Leitung von Wolfgang Katschner«. Counter Artem Krutko attestiert der Kritiker »beachtliches Potential«: »seine sängerische und darstellerische Rollengestaltung des Orest bemerkenswert«. Irina Simmes singe »mit fabelhaft leichtem, im Ausdruck flexiblem Sopran«, Rinnat Moriah ziehe »alle Höhenregister mit Brillanz«. »Der Chor des Heidelberger Theaters bewältigt seine vielen Auftritte sicher, am schönsten freilich (…) bei Orests Albtraum und Begegnung mit seiner ermordeten Mutter Klytämnestra.«

     

    Ein »erstaunliches sängerisches Niveau« attestiert auch Stephan Hoffmann im Mannheimer Morgen (17.12.2013): »Rinnat Moriah als Iphigenies Vertraute Doris hat ebenso wie Irina Simmes als Orests Freund Pylades einen klangschönen und sicheren Sopran. (…) Die Sopranistin Aleksandra Zamojska verkörperte die Iphigenie mit oft betörender Höhensicherheit und großer Leuchtkraft der Piano-Passagen.« Ein veritabler »Glücksgriff« ist für den Kritiker Artem Krutko: »jegliche Künstlichkeit geht seiner Stimme ab, stattdessen hat er eine metallische Durchschlagskraft zu bieten, die bei Countertenören alles andere als selbstverständlich ist«.

     

    Für die Allgemeine Zeitung Mainz (17.12.2013) berichtet Ludwig Steinbach von einer »gelungenen Inszenierung«, der Regisseur dringe »in die tiefsten Seelenschichten der Protagonisten vor« und entwickle »eindringliche Psychogramme«. »Prägnant, gefühlvoll und mit großer stilistischer Sicherheit« sei die Musik vom Philharmonischen Orchester Heidelberg unter Wolfgang Katschner dargebracht worden.

     

    Von »exzellenten Protagonisten und dem feinfühlig begleitenden, vorzüglichen Heidelberger Orchester, das bannte und beglückte«, schreibt Britta Steiner-Rinneberg im Rhein-Main-Taunus Magazin (08.01.2014). »Star des Abends« ist für die Kritikerin der Counter Artem Krutko, besonderes Lob auch für Aleksandra Zamojska (»leuchtender, klarer Sopran«) und »glänzend« Rinnat Moriah und Irina Simmes. Wolfgang Katschner halte Sänger und Orchester gut zusammen und beweise »aufs Schönste«, dass »die Ausgrabung des … zu Unrecht vergessenen und im Rokokoschloss gefeierten alten Opernwerks sich wahrhaft lohnte«.

     

    Beeindruckt zeigt sich Udo Pacolt im Online merker (14.10.2014) von der »musikalischen Qualität des Abends«. Das Orchester unter der Leitung von Wolfgang Katschner habe das Werk »sehr engagiert zum Klingen« gebracht und das Sängerensemble »hervorragende Leistung« gezeigt, besonders das Duett zwischen Aleksandra Zamojska und Rinnat Moriah »war von betörendem Gleichklang der Stimmen und wurde vom Publikum zu Recht mit frenetischem Szenenapplaus belohnt«. Auch Artem Krutko habe das Publikum mit »seiner wandlungsfähigen Stimme und seinem schauspielerischen Einsatz« »voll überzeugen« können.

     

    Im Online Musik Magazin (17.12.2013) empfiehlt Thomas Molke, man solle sich »diese deutsche Erstaufführung nicht entgehen lassen«. »Optisch beeindruckend« gelängen Szenen wie Orestes Wahnvorstellung und die Opferszene, im Fokus stehe aber die Musik. Der Kritiker hebt besonders Rinnat Moriah »mit leuchtendem Sopran« und Irina Simmes mit »glasklarem Sopran und sauber angesetzten Spitzentönen« hervor. Die »Entdeckung des Abends« ist für ihn aber Artem Krutko: »Krutkos Countertenor verfügt über eine ungewöhnliche Tiefe, die an einen warm-timbrierten Alt erinnert und dabei unwahrscheinlich maskulin klingt. Auch die Ausbrüche in die Höhen bereiten ihm keine Schwierigkeiten, so dass er zum uneingeschränkten Star des Abends avanciert. Wolfgang Katschner lässt mit dem Philharmonischen Orchester Heidelberg Traettas Musik aus dem Orchestergraben regelrecht aufblühen, so dass es am Ende lang anhaltenden und verdienten Applaus für alle Beteiligten gibt.«

     

    Manfred Langer berichtet im Opernfreund (16.12.2013), Regisseur Rudolf Frey sei besonders an den »modernen soziokulturellen Verhaltensweisen, den psychologischen Deutungsmöglichkeiten und den problematischen Beziehungen zwischen den Handelnden« interessiert, die in einzelnen Tableaus vertieft würden. Auch für ihn liegt aber die Musik im Fokus: »Glänzend« habe das Philharmonische Orchester unter Wolfgang Katschner seine Arbeit erledigt, »tadellos bewältigt« auch an den Originalinstrumenten. »Mit zu den schönsten Klangerlebnissen trug der kleine gemischte Chor mit schöner Präzision und guter Artikulation bei.« Lob auch für die Sängersolisten: Artem Krutko (»überzeugte schauspielerisch als von Todessehnsucht umfangener und von Alpträumen (Furien) geplagter Oreste, den er stimmlich mit seinem dunklen, ebenso geschmeidigen wie kraftvollen Altus sang«), Irina Simmes (»gefiel mit sauberer Linienführung«), Aleksandra Zamojska (»warm timbrierter, runder Sopran gefiel mit kräftigen Höhen und guter Koloraturfestigkeit«), Rinnat Moriah (»ebenso beweglich wie ihr Spiel war ihr klarer, wendiger und schlanker Sopran«) und Namwon Huh (»passend Huhs helles Tenormaterial mit schlanker Stimmführung und adäquater Koloraturfähigkeit«).

     

    Für das Opernnetz (16.12.2013) sah Eckhard Britsch »intensive Bilder«, Rudolf Frey und Aurel Lenfert ließen »die Figuren in heutigen Kostümen ihre inneren Konflikte und Verstörungen ausleben«, »tiefenpsychologisch zu deutende Szenen« kämen zustande. Wolfgang Katschner am Pult koste die Affektenlehre aus und entwickele zusammen mit dem historisch informiert spielenden Heidelberger Orchester »ein attraktives, spannendes Klangbild«. »Glänzend besetzt« sieht der Kritiker die Titelfigur: Aleksandra Zamojska verbinde »Eleganz der Koloraturen mit Innigkeit des Ausdrucks, singt die seelische Qual dieser Figur facettenreich aus, ohne zu überzeichnen. Perfekt.« »Zauberhaft leicht« auch der Sopran von Rinnat Moriah.

  • Monika Kursawe besuchte für SWR2 die Premiere in Schwetzingen. Fazit ihrer Rezension: »Diese ›Iphigenie auf Tauris‹ ist eine Oper die sich lohnt gespielt zu werden: Vor allem Dank der fast ausnahmslos sehr guten Sänger – allen voran Aleksandra Zamojska als Iphigenie, Artem Krutko als Oreste und besonders klangschön: Irina Simmes als Pilade. Aber auch die engagiert musizierenden Heidelberger Philharmoniker machen (…) diese Wiederentdeckung in Schwetzingen zu einem lohnenswerten Erlebnis.«

    Den vollständigen Beitrag, gesendet am 16.12.2013 in SWR2 Kultur aktuell, können Sie hier hören.

  • Für den SWR4 besucht Eberhard Reuß die Generalprobe von Iphigenie auf Tauris und sprach mit Operndirektor Heribert Germeshausen. Seinen Beitrag, gesendet am 13.12.2013 im SWR4, können Sie hier hören.

  • Einen Vorbericht zu Iphigenie auf Tauris beim Winter in Schwetzingen sendete das SWR-Fernsehen in der Landesschau Baden-Württemberg aktuell am 13.12.2013 um 19.45 Uhr. Den Beitrag finden Sie in der Mediathek des SWR.