Theater und Orchester Heidelberg
Foto Sebastian Bühler

Justizmord des Jakob Mohr

von Eva Kot’átková

Empfohlen ab 16 Jahren

Der Hilfsgärtner Jakob Mohr, geboren in Mannheim 1884 und verstorben 1941 in Paris, saß nach mehreren Gefängnis- und Zuchthausstrafen 1912 bis 1917 in der Heidelberger Universitätsklinik und in der Anstalt Wiesloch ein, weil er sich von übelwollenden Kräften mit Wellen beeinflusst glaubte.

Auf seiner Zeichnung stellt er sich als Angeklagten vor einem Gericht dar, bestehend aus einer Reihe von Richtern, Geschworenen und Zeugen der früheren Prozesse, in die er verwickelt war. Sich selbst zeigt er Rede und Antwort stehend, dabei aber beeinflusst von einem »Fernhypnotiseur«, der mit einem Apparat in seinen Händen Mohrs Gedanken kontrolliert.

Die tschechische Künstlerin Eva Kot’átková über ihr Projekt: »Mit seinen Zeichnungen versucht Jakob Mohr, die Existenz einer Maschine zu beweisen, die jede seiner Handlungen, Worte und Gesten beeinflusst und Mohrs Körper unfrei macht. Er zeigt uns dabei nicht nur die Maschinerie in seinem Kopf, sondern auch die oppressive Macht der Psychiatrischen Anstalt. Ziel meines Projekts ist es deshalb nicht, Jakob Mohr als Patienten und Opfer wahnhafter Vorstellungen darzustellen, sondern als Menschen, der die Machtmechanismen, die ihn bestimmen, scharf und kritisch reflektiert. Das Theaterstück ›Justizmord des Jakob Mohr‹ ist eine lebendige Abbildung im realen Raum. Die Schauspieler beugen sich der Logik der Zeichnung, dem Bühnenbild und den Kostümen aus Papier, der seltsam verkrümmten Perspektive. Die Zuschauer schlüpfen in die Rolle von Zeugen und Geschworenen – durch ihre Anwesenheit wird das Bild vollkommen.«

Theater trifft auf Bildende Kunst. Schauspieler*innen des Theaters Heidelberg treffen auf Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung. Ein außergewöhnliches Theatererlebnis im historischen Gemeindesaal der Johanneskirche.

Bitte beachten Sie bei Anreise mit einem privaten PKW die eingeschränkte Parksituation am Spielort.

Theaterpädagogisches Begleitangebot: »Mal gucken!«

Termine

Do 18 Oktober
Entfällt
20.00–21.30 Uhr > Haus der Johannesgemeinde | anschl. Publikumsgespräch

Justizmord des Jakob Mohr

von Eva Kot’átková


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Fr 19 Oktober
20.00–21.30 Uhr > Haus der Johannesgemeinde

Justizmord des Jakob Mohr

von Eva Kot’átková


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Weitere Termine
Fr 26 Oktober
Zum letzten Mal
20.00–21.30 Uhr > Haus der Johannesgemeinde

Justizmord des Jakob Mohr

von Eva Kot’átková


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Änderungen vorbehalten

Allgemeine Information zum Kartenkauf:

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Besetzung

  • Regie, Bühne und Kostüme Eva Kot’átková
  • Dramaturgie Jürgen Popig
  • Jakob Mohr Marco Albrecht
  • Fernhypnotiseur Henner John/Julian Lampe
  • Vorsitzender Richter Olaf Weißenberg
  • Richter Thomas Bauer, Stephen Gallagher, Jutta Schneider/Tanja Kramler, Christine Niebel, Justus Rogowski/Hardy Jürgens
  • Ankläger Matthias Lamp
  • Verteidiger Inge Lang
  • Assistentin Melanie Schock
  • Mutter Nicole Averkamp | Monika-Margret Steger
  • Vater Uwe Stöckler
  • Schriftführer A Lena Ritthaler
  • Schriftführer B Severin Knapp
  • Patentamt Vivian Schöchlin
  • Wachmann Helen Hosefelder
  • Patient im Bett Eric Konrad Gleiß/Hardy Jürgens
  • Mechanischer Junge Max Schaft/Vinzenz Schnepf
  • Vivian Girls Hasine Baray, Meena Baray, Lily Cofrin, Nina Gamet, Johanna Murswieck, Anni Nohl, Ruth de Oliviera Sousa, Jonathan Rogowski, April Siemes, Emilia Wetz
  • Kopffüßer Joel Bernd
  • Kurator Röske Thomas Röske/Jürgen Popig
  • Geschworene und Zeugen Das Publikum
  • Statisterie des Theaters und Orchesters Heidelberg
  • Studierende der Theaterakademie Mannheim

Bilder


Pressestimmen

  • In seinem Beitrag für die Sendung »SWR Aktuell Baden-Württemberg« des SWR-Fernsehens legt Reporter Eberhard Reuß den Fokus auf die Mitwirkung von Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung. Seinen Beitrag, gesendet am 17.9.2018 im SWR-Fernsehen BW, können Sie jetzt im Online-Angebot des SWR sehen.

     

    In der nachtkritik (online, 16.9.2018) sieht Harald Raab den Abend in der Tradition des »Totalen Theaters« des Bauhauses: Der Zuschauer werde Teil von Kot’átkovás »kinetischer Installation« und solle nicht mehr »zwischen konstruierter und realer Welt unterscheiden«, der Regisseurin gehe es um die »Verunsicherung der Wahrnehmung von Realität und ästhetischer Fiktion«. Zugleich habe die Regisseurin die Zeichnung Jakob Mohrs »zum Sprechen gebracht« und »aus dessen Schicksal eine szenische Befragung der Zwangsmechanismen gemacht, denen wir letztendlich alle unterliegen, in Familie, Gesellschaft, Beruf«.

     

    Der Theaterabend zeige den Protagonisten – »beängstigend gut« verkörpert von Marco Albrecht – als »Spielball einer Willkürjustiz«, die seinen Verfolgungswahn nur noch verstärke, beobachtet Eckhard Britsch im Mannheimer Morgen (17.09.2018).

     

    Für Volker Oesterreich (Rhein-Neckar-Zeitung, 17.9.2018) hat Eva Kot’átková mit ihrem »Tableau vivant« eine »theatergerechte Bildbeschreibung« mit biografischen Hintergrundinformationen und Interpretationsangeboten für den Zuschauer geliefert. Als »gelungenen Clou« würdigt er den Auftritt des Kurators der Sammlung Prinzhorn, Thomas Röske, der das Theater für einen Moment zum »kunsthistorischen Schmankerl« habe werden lassen.

Partner und Sponsoren

  • In Zusammenarbeit mit der Sammlung Prinzhorn, der evangelischen Johannesgemeinde Heidelberg-Neuenheim, der Theaterakademie Mannheim und dem Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Allgemeine Psychiatrie

  • In Kooperation mit dem Institute of Anxiety und Are|are-events.org

  • Gefördert vom Kulturministerium der Tschechischen Republik, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dem Tschechischen Zentrum München

  • Die Vorstellung am 7. Oktober wird in Kooperation mit der Kommunalen Behindertenbeauftragten in Gebärdensprache übersetzt.