Theater und Orchester Heidelberg

König Ubu

von Alfred Jarry

Aus dem Französischen von Marlis und Paul Pörtner

In Kooperation mit der Szputnyik Shipping Company, Budapest

Der gefräßige wie fette Ubu wird von seiner Frau dazu angestiftet, den polnischen König vom Thron zu stürzen und die Macht des Landes an sich zu reißen. Ubus Helfer und das Volk jubeln dem ulkigen Emporkömmling zu, bis er in seiner Machtgier alle Adeligen und Staatsbeamten töten lässt, um ihres Reichtums habhaft zu werden, während er allen übrigen Besitz über absurde Steuern der Staatskasse zuzuführen versucht. Wer sich nicht fügt, wird hingerichtet – durch Ubu höchstpersönlich. Der russische Zar erklärt schließlich dem Usurpator den Krieg. Ubus Frau seilt sich in den Wirren der Kämpfe mit der Staatskasse ab und Ubu flieht schließlich nach Frankreich.

Alfred Jarrys 1896 uraufgeführtes Stück zeigt gewaltsame Machtübernahme, Krieg und Geldgier als groteske Überhöhung geschichtlicher Ereignisse. Jarry schuf mit seinem Ubu in der Tradition des »grand guignol« eine Kultfigur des Avantgardetheaters.
Der ungarische Regisseur Viktor Bodó arbeitete am legendären Katona József Theater in Budapest, am Deutschen Theater Berlin, am Staatstheater Mainz, am Schauspiel Köln und am Schauspielhaus Graz. Seine Grazer Inszenierung Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten war 2010 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Der für seine fantastische und poetische Bühnensprache bekannte Regisseur arbeitet erstmals in Heidelberg und bringt deutsche und ungarische Schauspieler zusammen.

König Ubu beim virtuellen nachtkritik.de-Theatertreffen 2014
61 Inszenierungen wurden im Januar 2014 von den Redakteuren der nachtkritik.de nominiert. Alle nachtkritik.de-Leser waren zu einer Abstimmung aufgerufen, um unter den nominierten Inszenierungen die 10 wichtigsten des Jahres 2013 zu ermitteln. Hier konnte sich Viktor Bodós König Ubu durchsetzen und wurde zum virtuellen nachtkritik.de-Theatertreffen eingeladen.

Nominierung für den Theaterpreis DER FAUST 2014
Viktor Bodó wurde mit König Ubu in der Kategorie »Regie Schauspiel« für den Theaterpreis DER FAUST nominiert.

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KÖNIG UBU

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Für die nachtkritik (28.04.2013) sah Stefan Keim einen »maßlosen, sprudelnden, orgiastischen« Abend, »immer nah an den Schauspielern«; kurz: »einen der lustigsten Theaterabende der Saison«. Seine enthusiastische Kritik können Sie hier komplett lesen.

     

    Heribert Vogt beschreibt in der Rhein-Neckar-Zeitung (29.04.2013) eine »schräge Spritztour durch schwere historische See« – einen Theaterabend in »eindrucksvollem Bühnenbild«, in dem alles ineinanderfließe: »Neues und Altes, Großes und Kleines, Gutes und Böses. Das turbulente Spiel der Darsteller, die Kostüme von Fruzsina Nagy, die Musik von Klaus von Heydenaber und das Sounddesign von Gábor Keresztes sorgten für einen sprühenden Cocktail-Mix, der das Publikum ganz erheblich erheiterte.« Aber das Gelächter bleibe einem doch auch im Halse stecken angesichts des Stoffes: »Denn die Katastrophe aus dem Nichts kommt einem gerade in Deutschland doch irgendwie bekannt vor, und dem Lachen folgt nicht gerade das Weinen, aber doch die Nachdenklichkeit. – Begeisterter Beifall mit rhythmischem Klatschen.«

     

    Alfred Huber schreibt im Mannheimer Morgen (29.04.2013), die Inszenierung setze vor allem auf die von Jarry angelegte Überzeichnung des Furchtbaren ins Groteske, so dass sich »fast zwangsläufig Grauen in Gelächter« verwandle. »Wo Jarry Absurdität und Groteske als theatralisches Instrumentarium benutzt, um zu zeigen, was, gemessen am idealisierten Menschenbild, eigentlich unerträglich wäre, entfaltet die wunderbar agile Heidelberger Schauspieltruppe in den üppig ausgestatteten Bühnenbildern von Juli Balázs genau jene Nonsens-Stimmung, die uns davor bewahrt, auch im finstersten Winkel des Menschen mehr zu entdecken als fröhliche Dummheit.«

     

    Für das Darmstädter Echo (04.05.2013) sah Johannes Breckner einen »auf grimmige Weise höchst unterhaltsamen, begeistert aufgenommenen Theaterabend, der ein Feuerwerk szenischer Fantasie abbrennt.« Bodó hole in seiner Inszenierung ein Stück der provozierenden Kraft des Textes zurück – der Abend sei zwar nicht verstörend, aber er rücke »dem Theatermärchen aus Politik und Psychologie, Historismus und Kriminalgroteske mit dem anarchischen Witz des Clownstheaters zu Leibe, der den bösen Kern des Stückes nicht unterschlägt.«