Theater und Orchester Heidelberg

lupus in fabula

von Henriette Dushe

Eröffnung des Heidelberger Stückemarkts 2014

  • Archiv – Spielzeit 2013|14

  • Uraufführung

    Zwinger 1+

Drei Schwestern am Sterbebett des Vaters: »Die Älteste« hat ihn jahrelang gepflegt und bereitet sich nun schon einmal auf die Grabrede vor. »Die Mittlere« hat ein Kind bekommen und hofft damit auf die lange ersehnte väterliche Aufmerksamkeit. Und »die Jüngste« braucht den Vater vor allem wegen der finanziellen Unterstützung. Sie alle folgen ihrem eigenen Gedankengang und Sprachfluss; nur ab und zu treffen sie mit sparsamen Worten aufeinander. Dann ist die Gegenwart des dahinsiechenden Vaters brutal-realistisch. Fein nuanciert zeigen die Schwestern unterschiedliche Erinnerungen sowie oft hilflose Reaktionen auf die letzten Worte des Vaters. In der Musikalität der Sprache wird der langsame Prozess des Sterbens schier fühlbar. Der Moment des Todes dagegen ist Stille.

Für lupus in fabula erhielt Henriette Dushe den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2013. Die Stückemarkt-Jury würdigte in ihrer Laudatio, der Autorin sei eine »fein ausgeformte Sprachkomposition über die Unerträglichkeit des Lebens im Angesicht des Todes gelungen«.
Die Uraufführung wird inszeniert von Alexander Nerlich. Er studierte Regie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München, erhielt den Regiepreis der 25. Bayerischen Theatertage, gründete das Ensemble collisions und inszenierte zuletzt in Basel, Münster, Tübingen und Potsdam.

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LUPUS IN FABULA

Trailer von Bernhard Kleine-Frauns

Pressestimmen

  • Der »Nahkampf der Schwestern mit diesem finsteren Phantom zeigt das Lebensende, als wär’s ein Stück von uns allen«, schreibt Heribert Vogt in der Rhein-Neckar-Zeitung (28.04.2014), »so intensiv wie virtuos« zeigten die drei Schauspielerinnen »das ausweglose Kreisen um das Schwarze Loch des Todes«. Der Zuschauer würde »unaufhaltsam in ein faszinierendes Schattenboxen mit dem Tod« hineingezogen, dazu trügen »auch die vielen so originellen wie einfachen Bildlösungen bei, mit denen gruppendynamische oder psychologische Vorgänge visualisiert wurden.« Hier sei »ein großes, vielleicht das größte Drama des Lebens« auf die Bühne gebracht worden, und das »auf gekonnte und vielschichtige Weise«. Fazit: »Eine gelungene Einstimmung auf das große Abenteuer des Heidelberger Theaterfestivals. – Starker Applaus.«

     

    Für die Süddeutsche Zeitung (28.04.2014) bemerkt Egbert Tholl, der Autorin würde es in ihrem Stück »sehr schön gelingen, die Gemeinschaft stiftende Trauer des Moments mit der Individualität der Figuren zu verbinden«, mehr noch, sie habe die »ziemlich grandiose, unmittelbar theatral wirkende Idee«, ihre drei Figuren spielen zu lassen. Und dieses Spiel forme Regisseur Alexander Nerlich »zu einem Flirren zwischen Trost, Komik und Trauer«. Die drei »fabelhaft engagiert und homogen aufspielenden« Darstellerinnen schafften »mit einem Tageslichtprojektor, Mikro, Echoschleifen und der atmosphärischen Musik von Malte Preuß viele kleine Szenen von emotionaler Wucht«. Nerlich bediene und verdichte Dushes »Sprachpartitur« und beweise gemeinsam mit den Schauspielerinnen, dass dieser »zu bemerkenswertem Theaterfutter« tauge.

     

    Für das Darmstädter Echo (27.04.2014) konstatiert Johannes Breckner, Dushes Text habe sich auch in der Inszenierung wieder als »dichte Sprachpartitur« erwiesen, »die über die Genauigkeit des Wortes hinaus reizvolle Spielimpulse gibt«, dafür habe es bei der Premiere »großen Beifall« gegeben. Die Ausstattung lasse »viel Fläche für das Spiel der drei Frauen«. Die Inszenierung von Alexander Nerlich lasse sich Zeit, den Text »auszuleuchten und das Spiel zu entwickeln«. Nerlich erweise sich als »genauer Anwalt des Textes« und setze »seine Spielerinnen glänzend in Szene«: »Maria Munkert ist die Älteste, die sich mit stummem Vorwurf im aufopfernden Dasein eingerichtet hat, Lisa Förster entwirft mit suggestiver Kraft die Fantasiewelten, in denen die mittlere der Schwestern die Kindheit für alle wieder zurückholt, Hanna Eichel zeigt als jüngste zeigt die Verunsicherung im Niemandsland zwischen altem und neuem Leben. Das ist in seiner charakterlichen Vielfalt ein sehr starkes Trio.«

     

    Judith von Sternburg beobachtete für die Frankfurter Rundschau (29.04.2014) »virtuose, fast choreografisch wirkende Szenen«, Regisseur Alexander Nerlich setze auf »Fantasie und Fantasterei, was die drei jungen Darstellerinnen ständig in Bewegung« halte. Er zeige eine »fabelhafte Bebilderung und Beschallung der Situationen mit zumindest scheinbar einfachen Mitteln«, »liebevoll arrangiert«.

     

    Eine »gelungene Eröffnung« des Stückemarkts habe Regisseur Alexander Nerlich mit »stimmig poetischen Bildern« und »starker Atmosphäre« geliefert und mit seiner Interpretation »goldrichtig« gelegen, schreibt Jürgen Berger in der Schwäbischen Zeitung (28.04.2014).

  • Michael Laages verfolgte für Deutschlandradio Kultur die Premiere von lupus in fabula sowie den ersten Teil des Finnland-Schwerpunkts des Heidelberger Stückemarkts. Seinen Beitrag, gesendet am 26.04.2014 in der Sendung Fazit, können Sie hier nachhören. (Beitrag zu lupus in fabula ab Minute 3:20.)

  • Martina Senghas besuchte für SWR2 die Premiere im Heidelberger Zwinger1. Ihren Beitrag, gesendet am 26.04.2014 im SWR2 Journal am Mittag, können Sie hier hören.