Theater und Orchester Heidelberg

Pelléas et Mélisande

Drame lyrique in fünf Akten von Claude Debussy

Text von Maurice Maeterlinck (1893)
Uraufführung am 30. April 1902, Opéra-Comique, Salle Favart, Paris

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

»Man muss die Zucht in der Freiheit suchen und nicht in den Formeln einer morschen Philosophie. Hören Sie auf keines Menschen Rat, sondern auf den Wind, der vorüberweht und uns die Geschichte der Welt erzählt.« (Claude Debussy)

Golaud findet an einer Quelle ein scheues junges Mädchen, Mélisande. Er heiratet sie und nimmt sie mit auf das Schloss seines Großvaters Arkel. Hier lernt Mélisande auch Golauds Halbbruder Pelléas kennen. Als sich zwischen beiden Liebe entspinnt, tötet der eifersüchtige Golaud den Bruder. Mélisande bringt eine Tochter zur Welt und stirbt.
Wie in einen Rausch vermag die Musik der einzigen Oper Claude Debussys zu versenken; einen Rausch aber des verhaltenen Tons, des  agilen Moments, gebrochener Farben. Sie durchwandert die schwebenden Regionen zwischen Tages- und Nachtbewusstsein, wo tiefere Seelenschichten schemenhaft aufsteigen, wo alles Sichtbare, Greifbare als Verrätselung des Unbewussten erscheint. Wie nicht von dieser Welt erscheint auch Mélisande –  fremd, nixenhaft berückend, durchsichtig und hermetisch verschlossen zugleich: ein lockendes Geheimnis, eine große Projektionsfläche. So fördert sie nicht nur unausgesprochene Wünsche und Gefühle Golauds, Arkels oder Pelléas’ zutage, sondern deckt auch auf, wie sehr jeder von ihnen selbst in diesem Zwischenreich lebt, gefangen irgendwo zwischen Innen und Außen, Wissen und Fühlen, Bewusst und Unbewusst.

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PELLÉAS ET MÉLISANDE

Trailer von Thiemo Hehl

Pressestimmen

  • Ein »Rätselspiel« nennt Detlef Brandenburg in der Deutschen Bühne (online, 17.11.2014) die Vorlage von Debussy und Maeterlinck, die Lorenzo Fioroni in seiner Inszenierung mit einem »intelligent verschachtelten Vexierspiel aus mehreren Bedeutungseben« noch überlagere: »Das macht diese bildstarke Inszenierung in Annette Brauns sehr charakteristischen, poetisch changierenden Kostümen und in Käselaus wirklich genialem Ballettbunker-Bühnenbild außerordentlich spannend«. Dirigent Yordan Kamdzhalov koordiniere das Orchester aus dem Graben sorgsam und unterstütze die Sänger achtsam, diese sängen und agierten »wunderbar miteinander und zeigen, was eine richtig gute Ensemblekultur bewirken kann«. Ipča Ramanović als Golaud lasse aufhorchen (»ein dunkler, schlanker und lupenklar fokussierter Bariton, mit geschmackvoller Dezenz deklamierend und phrasierend«), Annika Sophie Ritlewski sei eine »ungewöhnlich natürliche Mélisande« (»verströmt ihre silbrig klare Stimme viel Vitalität, von mädchenhafter Verspieltheit bis hin zu leicht herber Würde«) und Angus Wood habe die Partie des Pelléas mit »gefestigter baritonaler Tiefe und kraftvoll strahlender Höhe« ausgestattet.

     

    Eine »in jeder Hinsicht gelungene Neuproduktion«, die »wieder einmal« zeige, dass an »den so genannten kleinen Bühnen oft die besten Aufführungen stattfinden« schreibt Ludwig Steinbach in der Allgemeinen Zeitung Mainz (26.11.2014). Neben der Inszenierung gefiel dem Rezensenten besonders die Darbietung von Annika Sophie Ritlewski: Sie »gab mit intensivem, facettenreichen Spiel und einem bis zur Höhe hin sauber verankerten, nuancenreichen lyrischen Sopran ein tiefschürfendes Rollenporträt der geheimnisumwitterten Mélisande«.

     

    Das »fabelhafte Kernensemble der vier Protagonisten« habe in einem »grell ausgeleuchteten Kammerspiel« agiert, so Matthias Roth in der Rhein-Neckar-Zeitung (17.11.2014). Annika Sophie Ritlewski habe ihrer Mélisande eine »nuancenreiche und über den ganzen Umfang der Partie ausgeglichene, feine Stimme« verliehen, »die bis in die Gipfeltöne anrührend blieb«. Ipča Ramanović als Golaud habe »mit geschmeidigem Bariton«, »auch in den Höhen sicher und klangschön« überzeugt, und Angus Wood, »mit wundervoll balsamischem Tenor«, seinem Pelléas »einen stimmlich differenzierten Charakter« verliehen. Als Arkel habe Wilfried Staber »mit kernigem Bass aufgetrumpft«.

     

    Einen »interessanten Abend« mit »erfindungsreicher« Ausstattung erlebte Manfred Langer für den Opernfreund (16.11.2014), bei dem er musikalisch »voll auf seine Kosten« kam. Dem »nahezu perfekt aufspielenden« Orchester habe Dirigent Kamdzhalov die für die Oper typischen Klangfarben entlockt. Großes Lob des Kritikers für das Solistenensemble, besonders für die »bewundernswerte Mélisande« von Annika Sophie Ritlewski, die darstellerisch wie stimmlich mit »farblichen Nuancierungsvermögen, einem runden dunklen Parlando in ihrer Mittellage sowie mit silbrig beweglichen und klaren Tönen in hoch gelegenen Passagen« überzeugt habe. Den Pelléas habe Angus Wood »mit schön baritonal eingefärbter kraftvoller Stimme mit guter Höhensicherheit« gegeben, Ipča Ramanović den Golaud mit »angemessenem kernig-harten Bariton« und »hellen Höhen«. Wilfried Staber habe den Arkel mit »prächtig strömendem voluminösem Bass« gegeben, Carolyn Frank die Geneviève mit »sanftem, geschmeidigem Mezzo«.

     

    Für Eckhard Britsch waren Gesangsensemble und musikalische Umsetzung die Höhepunkte des Abends, wie er im Opernnetz (17.11.2014) berichtet. Das Ensemble habe »Niveau«, besonderes Lob gibt es für Annika Sophie Ritlewski als Mélisande: sie singe »höchst nuanciert«, »ihr formschön geführter Sopran bringt die differenzierten Schwingungen des Debussy-Melos nahegehend in die Partiegestalt ein; und die Sängerin macht auf der Bühne beste Figur«.